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Dormitz

Rolf Kießling referiert über das jüdische Leben in Dormitz

Der Seniorenkreis Dormitz hat für den heutigen Mittwoch um 14.30 Uhr den Heimatforscher Rolf Kießling aus Forchheim in die Mehrzweckhalle Dormitz eingeladen...
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Der Seniorenkreis Dormitz hat für den heutigen Mittwoch um 14.30 Uhr den Heimatforscher Rolf Kießling aus Forchheim in die Mehrzweckhalle Dormitz eingeladen.
Gemeinsam begibt man sich nach Angaben des Veranstalters auf eine Reise in die Vergangenheit. Man besucht quasi die jüdische Gemeinde, die bis zum Ersten Weltkrieg zu Dormitz gehörte. Kießling will zunächst erklären, warum sich in Dormitz Juden ansiedeln durften. Sie brauchten dazu einen Schutzbrief der örtlichen Lehensherren. Dies waren nicht nur die Fürstbischöfe von Bamberg, sondern auch die Markgrafen von Bayreuth und die Freiherren von Egloffstein. Nur auf Nürnberger Lehen durften sich keine Juden niederlassen.


Als Händler tätig

Dormitz lag an der südlichen Grenze des Fürstbistums Bamberg. Die Juden waren vor allem als Vieh- oder Hausierhändler tätig und zogen von Dormitz aus in die benachbarten Dörfer und in die Städte Erlangen und Nürnberg. Manche von ihnen brachten es zu großem Wohlstand. Anhand von historischen Aufnahmen, die Christine Fuchs zusammengestellt hat, sollen die Senioren die Häuser zu sehen bekommen, in denen einst Juden gewohnt hatten.
Darunter waren die Familien Rosenheimer, Rosenfels und Uhlfelder, das Ehepaar Kleindormitzer sowie die Familie Priester am "Priesterbuckala". Noch heute ist an der Hauptstraße gegenüber dem Gasthaus Grüner Baum die frühere Mikwe zu sehen, das jüdische Tauchbad. Der ehemalige Lebensmittelladen im Rasser-Anwesen gehörte um die Jahrhundertwende David Schulherr. Das Geschäft mit Spezereiwaren wurde zuvor von der Witwe Marianne Hollsteiner geführt, deren sieben Kinder nach Amerika auswanderten.


Aufwendig restauriert

Von der Dormitzer Synagoge, die auf dem Nachbargrundstück stand, ist heute nichts mehr übrig geblieben. Sie war aus Sandstein erbaut und mit einer Stuckdecke ausgeschmückt. Angeblich wurde das Gebäude 1990 von einem Wirbelsturm schwer beschädigt. Beim Abbruch der Synagoge entdeckte man ein wertvolles altes Gebetbuch, das vermutlich aus dem 16. Jahrhundert stammt. Es wurde aufwendig restauriert und ist heute im Besitz der Staatsbibliothek in Bamberg.
Da die Dormitzer Juden keinen eigenen Friedhof hatten, wurden sie nach Baiersdorf überführt und dort bestattet. Rolf Kießling selbst arbeitet derzeit an einer Broschüre über die jüdische Gemeinde von Dormitz. red