Ermreuth

Rolf Kießling erforscht, wie es früher in den fränkischen Dörfern zuging

Im Seniorenkreis der evangelischen Pfarrei Ermreuth hielt Rolf Kießling aus Forchheim einen Vortrag über die Handwerker, die in früheren Jahrhunderten im Do...
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Rolf Kießling
Rolf Kießling
Im Seniorenkreis der evangelischen Pfarrei Ermreuth hielt Rolf Kießling aus Forchheim einen Vortrag über die Handwerker, die in früheren Jahrhunderten im Dorf lebten und arbeiteten.
Kießling ging dabei zunächst auf die Büttner ein. Diese fertigten nicht nur Holzgefäße an, sie stellten auch die Versorgung des Ortes mit quellfrischem Trinkwasser sicher. Bereits vor 1700 existierte eine hölzerne Wasserleitung, die von einer Quelle im Flurbezirk Reimles hinunter ins Dorf führte und mehrere Brunnen mit Wasser speiste. Laut der Dorfordnung von 1696 war die Verunreinigung der Brunnentröge strengstens verboten.
Gewartet wurden die Brunnen und die Wasserleitung zum Beispiel vom Büttnermeister Nikolaus Porsinger, der für seine Arbeit jährlich zwei Gulden 30 Kreuzer aus der Gemeindekasse erhielt. In Ermreuth muss einst eine stattliche Mühle gestanden haben. Sie wurde bereits 1665 in einer Zehntliste erwähnt. In bayerischer Zeit bekam die Mühle die Hausnummer 36 und wurde zum zweiten der insgesamt vier Dorfviertel gezählt.


Großer Grundbesitz

Der Saarbach und der Rödlaser Bach wurden etwa in der Mitte des Dorfes zu einem Weiher aufgestaut, so dass das Mühlrad betrieben werden konnte. Der Bach, der zur Schwabach hin floss, hieß deshalb auch Mühlbach. Besitzer der Dorfmühle waren die Familien Christel und Eichenmüller. Sie verfügten über einen großen Grundbesitz und waren ziemlich wohlhabend.
Aber auch traurige Schicksale sind mit der Dorfmühle verbunden. Der Müllermeister Conrad Eichenmüller, der vermutlich an Demenz litt, verließ am 2. März 1892 nachts heimlich die Mühle und wurde am anderen Tag in Oberrüsselbach erfroren aufgefunden. Unglücklich endete auch das Leben von Johann Eichenmüller, der 1942 im Zweiten Weltkrieg in Russland fiel, wie viele andere Ermreuther auch. Schließlich ging Rolf Kießling noch auf die Geschichte der Saarmühle ein. Diese wurde erst im Jahre 1796 im Auftrag der Rittergutsbesitzer errichtet.
Für kurze Zeit gelangte die Mühle in den Besitz des Erlanger Universitätsprofessors Gottlieb Fleischmann. Dessen Erben verkauften die Mühle an zwei Bauern aus Pommer, die das Geschäft ihres Lebens machten. Sie hatten 1000 Gulden für die Saarmühle bezahlt und verkauften sie nach wenigen Monaten für 1800 Gulden an den Müllermeister Michael Kroder von der Mühle in Hedersdorf bei Schnaittach.
Da die Kroders katholisch waren und die Ehefrauen aus Gosberg und Hetzles stammten, sind auf alten Fotos von der Saarmühle Frauen in katholischer Tracht zu sehen.
Zu dem Thema hat Rolf Kießling die Broschüre "Handwerker in Ermreuth" veröffentlicht. Diese ist zum Preis von fünf Euro in Ermreuth (Bäckerei Oßmann) und in Neunkirchen (Das Eck) erhältlich. red
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