Kronach

Raus aus dem Gefängnis - und auf dem schnellsten Weg wieder hinein

von unserer Mitarbeiterin heike schülein Kronach — Seine Vorliebe für ticketloses Bahnfahren kommt einem gebürtigen Münchner teuer zu stehen. Weil er die Deutsche Bahn um 80 Euro g...
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von unserer Mitarbeiterin heike schülein

Kronach — Seine Vorliebe für ticketloses Bahnfahren kommt einem gebürtigen Münchner teuer zu stehen. Weil er die Deutsche Bahn um 80 Euro geprellt hatte, muss er nun zurück ins Gefängnis, aus dem er erst einen Tag zuvor entlassen worden war.
Seinen ersten Tag in Freiheit nach fünfeinhalb Monaten Haft verbrachte er allerdings gleich wieder vor dem Amtsgericht. Bereits in der Vergangenheit war der Drogenabhängige immer wieder in öffentlichen Verkehrsmitteln ohne gültigen Fahrausweis aufgegriffen worden. Doch nicht nur diese Straftaten standen für ihn zu Buche: Seit 1990 hat er sich quasi einmal quer durch das Strafgesetzbuch gearbeitet. So weist sein Vorstrafenregister mittlerweile 25 Einträge auf, davon 17 im Bereich Vermögensdelikte.

Neun Mal ohne Ticket

Die Geschwindigkeit seines Rückfalls verschlägt einem die Sprache. Just an dem Tag, als seine letzte Verurteilung rechtskräftig geworden ist- am 23. Oktober 2013 - fuhr er im Raum Coburg/ Lichtenfels ohne erforderliches Ticket. Insgesamt neun Mal wurde der geschiedene Mann in der Zeit zwischen Oktober und Dezember 2013 ohne gültiges Ticket erwischt. "Das kann man nicht leugnen", räumte der Angeklagte ein. Um eine Erklärung war er auch nicht verlegen: "Die Strecken waren zu weit zum Laufen. Das Geld habe ich für etwas anderes gebraucht, für Heroin."
Nach seinen Zukunftsplänen befragt, antwortete der Angeklagte: "Ich muss mir alles wieder von vorne aufbauen. Es ist ja nicht mehr viel übrig." Bereits als Kind sei er mit Drogen in Berührung gekommen. So habe er schon mit zehn Jahren Tabletten und verschiedene Drogen, darunter sogar Heroin, probiert. Als Jugendlicher habe er alles genommen, jetzt sei er bei Opiaten geblieben. "Ich will ja doch gesund und am Leben bleiben", erklärte der Mann, der einräumte, dass der Suchtdruck nach wie vor da sei. Mittlerweile auch nach Chrystal und Alkohol.

Ungünstige Prognose

Der Mann hatte in der Vergangenheit mehrere Versuche unternommen, von seiner Drogensucht loszukommen - bislang allerdings ohne Erfolg. Mehrere Therapien brach er ab. Auch 30 bis 40 Entgiftungen hat er hinter sich.
Zwischen seinen Gefängnisaufenthalten griff er jedoch immer wieder zu den Drogen. Staatsanwältin Susanne Heppel forderte in ihrem Schlussplädoyer eine Gefängnisstrafe von acht Monaten.
"Es ist schwierig, etwas Positives über meinen Mandanten zu finden", räumte selbst Verteidiger Michael Linke ein. Er bat aber aufgrund der sich schon so lange hinziehenden Drogenabhängigkeit seines Mandaten um eine milde Strafe: drei Monate. Fünf Monate lautete schließlich das Urteil von Markus Läger, der ebenfalls keine günstige Sozialprognose sah.
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