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Erlangen
Gericht 

Raubüberfall in der Unterführung

Die Bitte um eine Zigarette endete für den Angefragten mit einem Faustschlag ins Gesicht und für den Fragenden mit einer Verhandlung vor dem Amtsgericht. Die nicht bekommene Zigarette war dabei das kleinste Problem.
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Unterführungen wirken, wenn sie nicht allzu belebt sind, auf viele Menschen bedrohlich. In der Erlanger Kriminalstatistik tauchen sie aber nicht öfter auf als andere Verbrechensorte.  Foto: Michael Busch
Unterführungen wirken, wenn sie nicht allzu belebt sind, auf viele Menschen bedrohlich. In der Erlanger Kriminalstatistik tauchen sie aber nicht öfter auf als andere Verbrechensorte. Foto: Michael Busch
Michael Busch

Dunkel, ein langer Gang, übelriechend - Unterführungen bescheren vielen Menschen ein Bauchgrummeln. Dabei sind Unterführungen statistisch nicht öfter Ort eines Verbrechens als andere Orte. Die Statistik hilft allerdings nichts, wenn man zum falschen Zeitpunkt an jenem Ort den falschen Menschen begegnet.
Genau das ist einem 20-jährigem Bürokaufmann aus Erlangen passiert. Im Februar nutzte dieser eine Unterführung in Erlangen, um die dortigen Bahngleise zu unterqueren. Im Gang wurde er dann von einem Mann, ebenfalls 20 Jahre alt, aufgehalten und um eine Zigarette angeschnorrt. Das "Nein" quittierte der Fragesteller mit einem unsanften Griff in die Jackentasche des Gefragten und in Folge, weil er wohl nichts fand, mit einem Faustschlag in das Gesicht. Dann floh der Mann.
Das sollte diesem aber nichts nutzen, da der Verletzte den Angreifer flüchtig kannte, so dass der in Folge festgenommen und nun der Richterin Karin Frank-Dauphin am Erlanger Amtsgericht als Angeklagter wegen Raub und schwerer Körperverletzung vorgeführt wurde. Fünf Zeugen sollten zu dem Vorgang ihre Aussagen machen.


Absprache der Beteiligten

Doch direkt nach der Verlesung der Anklageschrift durch die Staatsanwältin wurde das Verfahren unterbrochen, damit sich die Richterin und die Schöffen, die Staatsvertreterin und der Verteidiger zu einer Besprechung zurückziehen konnten.
In dieser Zeit nutzte der Angeklagte, der in Polizeibegleitung und zunächst mit Handschellen versehen, die Zeit, mit seinen im Zuschauerraum anwesenden Freunden zu sprechen. Ein Einblick in eine zerstörte Jugend, die später vom Vertreter der Jugendhilfe durch dessen Bericht bestätigt wurde. "Ey Alter, da laufen noch elf Sachen gegen mich, da sind zwei Jahre Knast schon o.k.!" Der bereits in der JVA Ebrach einsitzende Erlanger ergänzte, dass "die Bullen im Großen und Ganzen ganz nett seien". Außerdem habe er "Tom, Achmet und Jan in den Nachbarzellen". Die Mutter seines Kindes und die aktuelle Freundin unterstützten ihn und versuchten, den Angeklagten aufzumuntern.
Nach der halbstündigen Unterbrechung wurde eine zweite Anklageschrift verlesen, die es mitzubehandeln galt. Wenige Tage vor dem Vorfall in der Unterführung hatte der Angeklagte in der Erlanger Innenstadt im Faschingstreiben einen Mann ebenfalls mit der Faust traktiert. Dessen Vergehen war es, dass der sich in einen Streit zwischen zwei Mädchen - die eine war die Freundin des Angeklagten - einmischte und eine Schlägerei zwischen den beiden verhindern wollte. "Und dann wurde der Helfer zum Opfer", führte die Richterin bei ihrer Urteilsbegründung aus. "Wir fordern von den Menschen Zivilcourage, und wenn diese einer zeigt, wird er zusammengeschlagen."


Zwei Jahre Auszeit

Beide Taten wurden von dem 20-Jährigen zugegeben. Ohne "Wenn" und "Aber". Er führte noch an, dass er in beiden Fällen die Kombination von Wodka und Amphetamine zu sich genommen habe, was "bei mir zu einer totalen Aggressivität führt". Keine Entschuldigung, eher eine Erklärung, führte Frank-Dauphin aus. "Das war jeweils ein Akt sinnloser und roher Gewalt."
Bei der Urteilsfindung wurde berücksichtigt, dass die Kindheit des Angeklagten alles andere als einfach gewesen sei. "Der Mann wurde wie ein heranwachsender Baum im Garten dauernd umgepflanzt. Dass das nichts werden konnte, liegt auf der Hand", führte Rechtsanwalt Thomas Skapczyk aus. "Der Vater hat sogar mal auf ihn geschossen."
Der Blick ins Bundeszentralregister bestätigte die kriminelle Karriere nochmals: Diebstahl, fahren ohne Führerschein, immer wieder Körperverletzung.Das ergänzt durch die Ausführung, dass er bereits als Zwölfjähriger erstmalig mit Drogen in Berührung gekommen sei und den ersten Entzug als 15-Jähriger absolvierte. Die positiven und negativen Eindrücke sorgten dann für das bereits "verhandelte" Strafmaß: Zwei Jahre ohne Bewährung.

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