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Herzogenaurach
Geschichte 

Rathausfeier überschattet

Heute vor 75 Jahren wurde das sanierte alte Rathaus geweiht. Zeitgleich begann der Krieg gegen die Sowjetunion.
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Das Sitzungszimmer im Jahr 1941 Fotos: Archiv Manfred Welker
Das Sitzungszimmer im Jahr 1941 Fotos: Archiv Manfred Welker
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Es sollte ein festlicher Tag werden, der 22. Juni vor 75 Jahren. Nach rund zwei Jahren Umbau sollte das alte Rathaus wieder seiner Bestimmung übergeben werden. Diesen Tag haben die Herzogenauracher damals aber aus einem anderen Grund nicht so schnell vergessen: Es war der Beginns des Krieges gegen die Sowjetunion. Damit steuerte das Dritte Reich seinem Untergang entgegen. Und das war der festlichen Stimmung bei der Weihefeier sehr abträglich.
Die Ehre, den Bau zu übergeben, hatte Landrat Maximilian Krebs aus Höchstadt. Geplant war auch eine Ansprache durch den Kreisleiter der NSDAP für den NS-Kreis Fränkische Schweiz, Carl Ittameier aus Gräfenberg. Danach durfte die Bevölkerung das Haus besichtigen. Wie sich Zeitzeugen erinnern, standen in einigen Räumen Radiogeräte, die den Vormarsch und die Erfolge der deutschen Truppen auf russischem Terrain verkündeten.
Das im Kern im Jahr 1407 errichtete Rathaus hatte einige Umgestaltungen über sich ergehen lassen. Da Umbauten im 19. und 20. Jahrhundert nicht den gewünschten Erfolg brachten, wurde im Jahr 1939, noch vor Kriegsbeginn, erneut begonnen. Der jetzige Fachwerkgiebel mit dem Türmchen ist im Wesentlichen ein Ergebnis der Maßnahmen der Jahre 1939/41. Bürgermeister Karl Körner hatte beim Umbau auch die wachsende Einwohnerzahl von Herzogenaurach im Auge. "Die Bevölkerungszahl der Stadt wird bald die Zahl erreicht haben, wo sie dann über 5000 stehen wird", ist als Begründung für den großzügigen Umbau angeführt.
Die Räume mit dem meisten Parteiverkehr sollten im Erdgeschoss angesiedelt sein, so die Kasse, die neue Volksbibliothek und im rückwärtigen Teil die Polizeidienststelle mit Wachräumen. Im ersten Stock lagen die Amtsräume, unter anderem des Bürgermeisters, und das Beratungszimmer. Das Dachgeschoss beherbergte neben einer Hausmeisterwohnung das städtische Archiv.
Das Hauptaugenmerk wurde auf solide handwerkliche Innenausgestaltung gelegt. Stadtbaumeister Hans Motzer bewerkstelligte den Umbau mit einheimischen Handwerkern und Bamberger Künstlern. Die vier Fenster wurden mit Glasmalereien ausgestattet, die in 20 Bildern die Geschichte der Stadt widerspiegeln. Der plastische Schmuck, wie Stuckreliefs im Trauzimmer und die Tafel an der Außenwand, wurden der Bildhauerin Maria Lerch übertragen, Hanns Waltenberger gestaltete die Wandmalereien im Treppenhaus.

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