Forchheim

Raiffeisenbanken wachsen trotz Niedrigzinsen

Zinsen sind das Stichwort, spricht man mit Bankern, Sparern oder Häuslebauern. Ist der Sparstrumpf angesichts der 0,4 Prozent Minuszinsen, die die europäisc...
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Zinsen sind das Stichwort, spricht man mit Bankern, Sparern oder Häuslebauern. Ist der Sparstrumpf angesichts der 0,4 Prozent Minuszinsen, die die europäische Zantralbank verlangt, wieder das aktuelle Modell? Das ist fast schon so, folgt man Wolfgang Holler, dem Direktor der Vereinigten Raiffeisenbanken. Denn es überlegen sich tatsächlich manche Geldinstitute, was für sie günstiger kommt, der Minuszins oder die Versicherung für Geld im Tresor.
Ab Jahresmitte wird auch die Zentralbank der Genossenschaftsbanken Minuszinsen für geparkte Geldwerte verlangen. "Das werden wir nicht an den Sparer durchreichen", versichert er, aber der Guthabenzins wird sich um Null bewegen. Sein Rat lautet deshalb: "Längere Laufzeiten", mit einer Art Salamitaktik Geld für fünf, sechs oder sieben Jahre anlegen.
Und: "Aktien ins Auge fassen!" Hier macht er aber eine Einschränkung: Diese Anlageform ist nichts, wenn man den Geldbetrag zu einem festen Zeitpunkt braucht. Er denkt dabei an Entwicklungen wie den Dax-Einbruch zu Jahresbeginn. Diesem Risiko gegenüber stehe aber die Rendite. Die Dax-Werte brachten 2015 im Schnitt 2,77 Prozent. Für dieses Jahr sind 2,56 Prozent prognostiziert. "Das ist unabhängig vom Kurs, aber man braucht Nerven für dessen Schwankungen", sagt Holler und weist auf den langfristigen Blickwinkel hin. Denn er ist überzeugt, dass insgesamt Aktien weiterhin steigen, in welchem Grad, das ist aber unsicher.
Alternativ und ergänzend rät er zur Investition in "Betongold", sprich Immobilien. Auch zum Vermieten. Denn hier seien Renditen von drei Prozent zu erwirtschaften. Regional sieht auch Direktor Rainer Lang keine Immobilienblase. Die Nachfrage nach Wohnraum werde in der Metropolregion - je näher an Nürnberg-Erlangen, desto stärker - bleiben. Zudem erwartet er einen moderateren Verlauf der Preissteigerungen als bisher.


Filialen sollen erhalten bleiben

Wie man am klügsten finanziert, hängt mehr denn je vom Einzelfall ab, ob klassisch mit 20 Prozent Eigenkapital, zu 100 Prozent mit Fremdmitteln oder mit einem ganz hohen Eigenanteil als Kapitalanlage. Meist seien langfristige Zinsbindungen über zehn oder 15 Jahre sinnvoll.
"Das Vertrauen in Genossenschaftsbanken ist sehr hoch", betont auch Lang. Für manchen Fußballfan nicht zuletzt auch wegen des FCN-VR-Sparcard. Der Bonus, den hier die Glubberer eingespielt haben, liegt bei derzeit 0,32 Prozent.
Das niedrige Zinsniveau geht an keiner Bank vorbei. "Die Erträge werden niedriger", sagt auch Lang unumwunden. Wodurch geringere Kosten erreichen? Verworfen hat die Vereinigte Raiffeisenbank das Schließen von Geschäftsstellen. Aber das Bankgeschäft wird sich verlagern, zeitlich wie örtlich. Lang setzt zum einen auf mehr Digitalisierung, aber auch auf andere Öffnungszeiten im Beratungsbereich. "Bei einer Baufinanzierung will ich Auge in Auge sein", ist er sich hinsichtlich der Kundenwünsche sicher. Die alltäglicheren Geschäfte dagegen werden immer mehr bargeldlos und "per Wischkästla" abgewickelt werden. "Wir müssen vom Kunden her denken und unseren Organisationsablauf darauf einstellen", betont Lang.

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