Herzogenaurach
Geschichte 

Prozessionen der Vergangenheit

Die Fronleichnamsprozessionen in Herzogenaurach wurden in Zeiten des Dritten Reichs auch von den Machthabern und Nationalsozialisten kontrolliert. So manche Einschränkungen mussten die Christen dabei hinnehmen.
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Der Tragehimmel wurde nach Entwürfen von Kaplan Karl Gebert 1936 angefertigt.  Fotos: privat
Der Tragehimmel wurde nach Entwürfen von Kaplan Karl Gebert 1936 angefertigt. Fotos: privat
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Eine Demonstration des katholischen Glaubens ist das Fronleichnamsfest, das alle Schichten der Bevölkerung einbezieht und aus den Kirchen auf die Straßen hinaustritt, um den Glauben in die Öffentlichkeit zu tragen.
Dieses Fest konnten die Nationalsozialisten nicht kommentarlos hinnehmen. Für Herzogenaurach sind die Maßnahmen der Machthaber dokumentiert, mit denen sie die Gläubigen der Kirche entfremden wollten.
Noch zu Beginn des Dritten Reiches glaubten die Herzogenauracher an eine Vereinbarkeit ihres katholischen Glaubens mit den neuen Machthabern und ihrer Ideologie.
Schließlich hatten die Nationalsozialisten bei den Reichstagswahlen vom 5. März in Herzogenaurach nach der Bayerischen Volkspartei mit 42,4 Prozent und der SPD mit 31,05 Prozent nur 25 Prozent der Stimmen erreicht. Das katholische Milieu hatte dieses Ergebnis ermöglicht.
Die Verantwortlichen der Nationalsozialisten gaben sich zu Beginn noch entgegenkommend, marschierten sogar mit Uniform oder Hakenkreuzbinde in der Fronleichnamsprozession mit. Die Einschränkungen kamen schrittweise im Laufe der Jahre, als sich die Machthaber ihrer Sache sicher zu sein glaubten.
Schon 1934 - das Fronleichnamsfest fiel auf den 31. Mai - wurden behördlicherseits erste Einschränkungen gemacht. So war das Mittragen der Fahnen der katholischen Vereine behördlich verboten worden. Dies hatte intern zu Aufregung geführt. Aber man fügte sich, waren die Mitglieder dieser Vereine doch gewohnt, dem Gesetz zu gehorchen und so blieben die Fahnen in der Kirche stehen.
Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr die schmerzhafte Muttergottes aus der Gruft unter der Marienkapelle durch den Kriegerverein in der Prozession mitgetragen. Die Beteiligung der Männer an der Fronleichnamsprozession sei ungewöhnlich groß gewesen, wie ein Beobachter feststellen konnte.
Stadtpfarrer Franz Rathgeber wollte im Konflikt mit den neuen Machthabern in keinem Bereich klein beigeben. Um die Fronleichnamsprozession möglichst prächtig auszugestalten, wurde im Jahr 1936 ein neuer Tragehimmel nach Entwürfen von Kaplan Karl Gebert von den Dominikanerinnen zum Heiligen Grab in Bamberg bestickt. Es kostete 500 Mark. Der Tragehimmel wird noch immer für die Prozessionen verwendet.
Zur Fronleichnamsprozession am 27. Mai 1937 stellte der Stadtpfarrer Franz Rathgeber fest: "Stadtrat und Behörden fehlten, dagegen war die Teilnahme besser als je." Die Prozession mit ihren Sechserreihen hielt eine gute Ordnung ein.


Einschränkungen im Jahr 1938

Die Fronleichnamsprozession 1938 war mit neuen Einschränkungen verbunden. In diesem Jahr war zusätzlich zum Mitführen von Vereinsfahnen auch das der alten Zunftfahnen untersagt. Sogar die weiß-gelben Fähnchen in den Händen der kleinen Kinder wurden verboten.
Eine weitere Verschärfung gab es im Jahr 1939. Alle Prozessionen und Wallfahrten benötigten fortan nach einem neuen Reichsgesetz eine bezirkspolizeiliche Erlaubnis, da dabei "öffentliche Straßen über das verkehrsübliche Maß hinaus" benutzt würden.
Vor der Prozession am 8. Juni 1939 mussten die Blockleiter den Parteigenossen folgende Mitteilung gegen Unterschrift eröffnen: "Es wird jeder Parteigenosse darauf aufmerksam gemacht, dass es sich mit unserer nationalsozialistischen Weltanschauung nicht vereinbaren lässt, als Kämpfer der nationalsozialistischen Arbeiterpartei sich an einem Prozessionszug zu beteiligen. Was die Beflaggung anlangt, so wird natürlich kein Parteigenosse am Fronleichnamstag die Reichsflagge zeigen. Das Flaggen mit den Kirchenfahnen ist ja reichsgesetzlich verboten und strafbar."
Unterzeichnet war die Mitteilung vom Ortsgruppenleiter und vom Ortspropagandaleiter der NSDAP. Pfarrer Rathgeber erlebte eine Fronleichnamsprozession, die besser denn je besucht war.
Beim Umgang am Fronleichnamsabend im Juni 1942 kam die neue Lautsprecheranlage zum Einsatz. Das Fronleichnamsfest 1943 wurde am Sonntag in der Oktav bei großer Beteiligung gefeiert, wie Stadtpfarrer Leonhard Ritter als Nachfolger von Rathgeber notierte. Die Feier an einem Wochentag war in Zeiten des totalen Kriegs nicht mehr möglich. Das Kriegsende in Herzogenaurach am 16. April 1945 ermöglichte der katholischen Stadtpfarrei die Rückkehr zu alten Sitten.


Anderer Weg im Jahr 1945

Am 11. Mai 1945 teilte Stadtpfarrer Leonhard Ritter dem Bürgermeister der Stadt Herzogenaurach mit, dass der "Bürgermeister sowie die Stadtverwaltung den vor 1933 üblichen Ehrendienst bei den Prozessionen an den Donnerstagen sowie an Fronleichnam wieder übernehmen wolle. Der Ratsherrenstuhl ist für die Herren wieder reserviert."
Trotz aller Widrigkeiten nach dem Zusammenbruch konnte am 31. Mai 1945 die Fronleichnamsprozession in Herzogenaurach abgehalten werden. Da die Hauptstraße gesperrt war, nahm sie ihren Weg über die Hintere Gasse, von der Bamberger in die Goethestraße, die Gartenstraße hinunter, ein kurzes Stück auf der Hauptstraße und von dort über die Hintere Gasse zurück zur Stadtpfarrkirche.
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