Haßfurt

Prozess gegen Raser gibt Einblicke in "besondere Karriere"

Helmut Will Weil er im Juli 2015 auf der Bundesstraße 303 im Gemeindebereich von Riedbach zu schnell mit einem Auto unterwegs war, ist ein 44-jähriger Pkw-F...
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Helmut Will

Weil er im Juli 2015 auf der Bundesstraße 303 im Gemeindebereich von Riedbach zu schnell mit einem Auto unterwegs war, ist ein 44-jähriger Pkw-Fahrer aus dem Landkreis geblitzt worden. Die Geschwindigkeit hatte er um 43 Stundenkilometer überschritten. Er wurde nicht sogleich angehalten und bestritt, gefahren zu sein. Deshalb kam es zur Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht in Haßfurt. Er wurde zu einer Geldstrafe verurteilt.
Zu Beginn der Verhandlung bat sein Verteidiger, Rechtsanwalt Bernhard Löwenberg, um ein Rechtsgespräch, zu dem sich er, das Gericht und der Vertreter der Staatsanwaltschaft zurückzogen. Dieses Gespräch unter sechs Augen brachte aber offensichtlich kein Einvernehmen der Prozessbeteiligten, wie Richterin Ilona Conver danach sagte.
Erschienen war auch ein Professor aus München, der ein forensisches Gutachten darüber erstatten sollte, ob anhand der Radarfotos der Angeklagte zum Tatzeitpunkt Fahrer war. Darauf kam es aber nicht mehr an. Nachdem der Verteidiger nochmals mit seinem Mandanten unter vier Augen gesprochen hatte, erklärte der Anwalt, dass sein Mandant die Fahrereigenschaft einräume. Der Sachverständige und der als Zeuge geladene Polizeibeamte mussten deshalb nicht mehr vernommen werden. Die Richterin sagte, dass das Geständnis nicht abzusehen war, sonst hätte sie auf die Ladung des Sachverständigen verzichtet.
"Da steht ja ganz schön was drinnen", sagte die Richterin mit Blick auf den Auszug des Bundeszentralregisters. 30 Einträge weist es auf mit Straftaten quer durch das Gesetzbuch. Unter anderem wegen Entführung, Drogenverstößen sowie Bandendiebstahls und wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis.


Noch nicht rechtskräftig

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragte eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. "Von einem Geständnis möchte ich bei der Einlassung nicht reden", sagte er. Außerdem sollte der Angeklagte noch 100 Arbeitsstunden ableisten und ihm dürfe für die Dauer von einem Jahr keine neue Fahrerlaubnis erteilt werden.
Anders sah das der Verteidiger. "Es handelt sich bei der Einlassung meines Mandaten sehr wohl um ein Geständnis", sagte er und fand eine Geldstrafe, dessen Tagessätze er in das Ermessen des Gerichts stellte, für angebracht. "Bitte geben Sie mir noch eine Chance", bat der redegewandte Angeklagte in seinem Schlusswort. Er sei auch krank und könne sich schon deshalb nichts mehr erlauben.
140 Tagessätze zu je zwölf Euro lautete das Urteil des Gerichts. Für die Dauer von zwei Monaten darf er Kraftfahrzeuge nicht mehr führen. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig.

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