Herzogenaurach
Bauausschuss 

Projekt Rilkestraße kann starten

Eine geplante, anfangs strittige Wohnanlage entspricht den Vorgaben. Der Bauantrag durchlief die Sitzung, ohne dass eine Genehmigung erforderlich gewesen wäre. Dafür war allerdings eine Änderung des Bebauungspans erforderlich.
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Ein leeres Grundstück in der Rilkestraße wird jetzt bebaut. Hier kann, wie geplant, eine Wohnanlage entstehen.  Foto: Archiv (bp)
Ein leeres Grundstück in der Rilkestraße wird jetzt bebaut. Hier kann, wie geplant, eine Wohnanlage entstehen. Foto: Archiv (bp)
Bernhard Panzer

In wenigen Sekunden war in der letzten Bauausschuss-Sitzung ein Thema abgehandelt, das zuvor viele Debatten verursacht hatte. Da das Vorhaben aber dem Bebauungsplan entspricht, konnte es unter "Genehmigungsfreistellung" abgehakt werden. Es brauchte also keinen Beschluss, und damit entfiel auch eine erneute Diskussion im Gremium.
Gemeint ist eine Eigentumswohnanlage mit Tiefgarage in der Rilkestraße. Antragsteller ist die Rattmann Wohnbau GmbH. Weil der Baukörper auf dem freien Grundstück in der kleinen Wohnstraße manchen Anwohnern zu massiv vorkam, gab es im Vorfeld wiederholt Diskussionen. Der Bauausschuss stimmte damals dem Antrag zu und erteilte auch die entsprechende Befreiung. Dem Landratsamt aber erschien das zu wenig. Der Antrag ging zurück ins Rathaus mit dem Hinweis, die Abweichungen zu den gültigen Festsetzungen seien zu massiv. Daraufhin änderte die Stadt den Bebauungsplan.
Die Gegner des Vorhabens wandten sich unter anderem gegen die Höhe der zwei Bauwerke, in denen insgesamt 18 Wohneinheiten entstehen. Beide Häuser sind viergeschossig mit Pultdach vorgesehen. Diese Bedenken fanden dann auch in den Debatten in den Gremien Beachtung. Im September 2015 sagte CSU-Stadtrat Kurt Zollhöfer im Planungsausschuss: "Der 13 Meter hohe Riegel hat die Nachbarn vor den Kopf gestoßen." Im ursprünglichen Bebauungsplan war nur eine Höhe von neun Metern zulässig.
Diese Bedenken wurden auch in der öffentlichen Auslegung zum Bebauungsplan geäußert. "Als Anwohner und unmittelbar Betroffene sehen wir in dem geplanten Bauvorhaben eine extreme Beeinträchtigung in der Wohnsituation", hieß es in einer Stellungnahme. Der Schreiber, ein Anwohner, verlangte, etwaige Änderungen auf ein vernünftiges und für die Anwohner zumutbares Maß zu begrenzen.
Die Stadt sah das anders. "Wir halten das für verträglich", antwortete damals Bürgermeister German Hacker (SPD). Durch die Hanglage würden die beiden geplanten Baukörper mit 13 Meter zugelassener Höhe eher niedriger erscheinen. Oberhalb sind Wohnblocks der Kantstraße mit 13,5 Meter gelegen. Im alten Bebauungsplan aus den 70er Jahren seien für ihn unverständliche Größenordnungen festgeschrieben worden, sagte Hacker im Oktober vor dem Planungsausschuss. Da sei eine Bebauung für das freie Grundstück niedriger erlaubt gewesen als in Nachbarstraßen. Deshalb besserte die Stadt hier nach.
Hacker verwies damals auf geänderte Rahmenbedingungen. In den 70-er Jahren möge das vielleicht angemessen gewesen sein, aber heutzutage laute der Auftrag anders. Man müsse Wohnraum auch in verdichteter Bauweise entwickeln. Bei den Stadträten traf die Stadt mit dieser Haltung auf Verständnis und der Plan fand Zustimmung.
Und weil das jetzt im Bauausschuss vorgelegte Gesuch "kompatibel zum Bebauungsplan" ist, wie Hacker nun sagte, brauchte es für den Bauantrag keine extra Genehmigung. Der Bau kann also beginnen.


Weitere Bauanträge

Auf der Tagesordnung standen noch weitere private Baugesuche. Julia und Bernd Fleischmann dürfen mit grünem Licht rechnen, wenn sie in der Veilchenstraße in Hammerbach ein Einfamilienhaus errichten wollen. Sie hatten eine Bauvoranfrage gestellt. Stefan Galster darf im Obergeschoss seines Hauses in der Störcherstraße zwei Wohneinheiten einbauen. Der Bauherr war in der Sitzung zugegen und hörte des Bürgermeisters Anerkennung: "Beste Wohnlage in Herzogenaurach".
Brigitte Lenk darf Am Hans-Ottenberg ein Einfamilienhaus mit Nebengebäude errichten. Das Gesuch sei gegenüber einer früheren Vorlage deutlich abgespeckt worden, sagte Hacker. Julia und Martin Pape bekamen grünes Licht zu ihrem Wunsch auf Anbau und Aufstockung des Wohnhauses in der Sandstraße. Und Karl Hußenether darf einen Anbau an ein Wohnhaus in der Veilchenstraße errichten. Auch der Erweiterung eines landwirtschaftlichen Gebäudes zur Großviehhaltung in der Nankendorfer Straße in Hammerbachwurde zugestimmt.


SPD-Stadtrat mit Skepsis

Peter Prokop, ein streitbarer SPD-Stadtrat, hatte seine Augen offen gehalten und war auf etwas gestoßen, das ihm verdächtig vorkam. Auf einer Baustelle in der Ansbacher Straße, die ihm durch die massive Bebauung aufgefallen war, sei es zu einem Baustopp durch das Landratsamt gekommen, teilte er mit. Und fragte jetzt, am Ende der Sitzung, nach, ob da die Abstandsflächen denn eingehalten würden.
Thomas Nehr vom Bauamt der Stadt erläuterte, dass der Baustopp wegen der Tiefgarage verhängt worden sei. Die sei ursprünglich über das Gelände hinausgeragt und eine Verhandlung wegen der Abstandsflächen sei gescheitert. In einem Tekturplan habe man die Tiefgarage tiefer gesetzt, so dass das genannte Problem nicht mehr relevant sei. Prokop riet, das zu überprüfen.

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