Lichtenfels

Pro Schicht bis zu 18 Kilometer auf den Beinen

Sie sorgen dafür, dass der Besucher des Lichtenfelser Schützenfestes immer mit Speisen und Getränken versorgt werden. Im Schnitt sind sie dabei pro Schicht ...
Artikel drucken Artikel einbetten
Sie sorgen dafür, dass der Besucher des Lichtenfelser Schützenfestes immer mit Speisen und Getränken versorgt werden. Im Schnitt sind sie dabei pro Schicht zwischen zwölf und 18 Kilometer auf den Beinen und tragen volle Maßkrüge mit einem Gewicht von bis zu 30 Kilogramm.
Auf dem Lichtenfelser Schützenfest kümmern sich zehn Frauen und fünf Männer um das Wohl der Gäste. Eine von ihnen ist Cordula Misslitz. Ihre Karriere als Bedienung begann 1999 in Lichtenfels. "Ich bin einfach über den Festplatz spaziert und habe gefragt, ob sie eine Bedienung brauchen", erzählt Cordula Misslitz. Der damalige Festwirt, Fritz Stahlmann, brauchte noch eine Bedienung.


Biker-Hochzeit gefeiert

Die Kellnerin verbindet mit Lichtenfels ein weiteres Ereignis: Ihre Hochzeit vor drei Jahren. Die standesamtliche Trauung fand in Kronach statt. Die eigentliche Feier aber in Lichtenfels. "Wir brauchten einen großen Platz", erinnert sie sich. Immerhin kamen rund 150 Biker zu Hochzeit. Ihr Arbeitgeber Fritz Stahlmann verfügte über die Möglichkeit, so viele Gäste zu bewirten. Das war eine Woche vor Beginn des Schützenfestes. Ihre Hochzeitsgäste kamen mit den Motorrädern, das allein sei schon eine kleine Sensation in Lichtenfels gewesen. Cordula Misslitz liebt ihre Arbeit. "Ich glaub, das Kellnern hat man mir in die Wiege gelegt."
Robin Diedering ist einer von fünf männlichen Bedienungen. "Ich hab die Seiten gewechselt", sagt der gelernte Koch. Statt in der Küche für das leibliche Wohl der Gäste zu sorgen, sucht der 33-Jährige lieber den direkten Kontakt mit dem Gast. Der Geruch von Popcorn und Bratwurst sowie die Partystimmung, all das gibt es in der Küche nicht. Robin Diedering mag es, wenn "die Musik spielt, das Wetter gut ist und die Leute gut drauf sind". Den Lichtenfelsern bescheinigt er freundlich, zuvorkommend und geduldig zu sein.
"Bedienen ist ein Job für Leute, die an Menschen interessiert sind", sagt Bettina Stuppy. Die studierte Diplom-Betriebswirtin spricht vier Sprachen und betreibt in Nürnberg ein Pub. Da im Sommer kaum Betrieb ist und sie ihre Mitarbeiter nicht entlassen wollte, hat sich Bettina Stuppy nach einer Beschäftigung für die Sommermonate umgeschaut. "Ich hatte Glück, dass am Volksfest noch ein Platz frei war", sagt Stuppy. In Lichtenfels ist sie gerne und das bereits seit fünf Jahren. Einen großen Unterschied zu anderen Volksfesten gebe es nicht. Letztlich sei alles eine Frage, wie man mit den Leuten umgeht. Ehrlichkeit sei immer noch die beste Strategie. "Habe ich einmal etwas vergessen, dann sag ich das auch dem Gast."
Im Gegensatz zu anderen Volksfesten dürfen die Bedienungen bei den Lichtenfelser Festwirten anziehen, was sie wollen. Tracht, Dirndl oder etwas Ähnliches sollte es schon sein. "Es gibt Festwirte, da muss man, bevor man anfängt, richtig Geld in die Hand nehmen", erzählt Bettina Stuppy. Da darf es nicht irgendein Dirndl sein, sondern es muss das Einheitsdirndl des Festwirts oder der Brauerei sein. Neben der Kleidung verlangen manche Festwirte auch ein sogenanntes Besteckwickelgeld. Normalerweise gehört Besteck in Servietten zu wickeln zu den Aufgaben einer Bedienung. Manche Festwirte ließen diese Aufgabe von eigens dafür bereitgestellten Leuten machen, stellen die Kosten dafür aber ihren Kellnerinnen und Kellnern in Rechnung. Dies alles gibt es in Lichtenfels glücklicherweise nicht. "Die Gäste kommen aufs Schützenfest, um Spaß zu haben", sagt Stuppy. Und wenn es hoch hergeht, muss auch sie sich durchsetzen. In diesen Fällen hilft oft ein lockerer Spruch. "Wenn ich vier Hände hätte, wäre ich im Zirkus", lautet ihre Antwort auf allzu ungeduldige Gäste.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren