Herzogenaurach

Priester im Unruhestand

Kirche  Professor Elmar Klinger wurde vor 50 Jahren zum Priester geweiht. Der gebürtige Herzogenauracher wird in seiner Heimatstadt sehr geschätzt.
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Professor Elmar Klinger erteilt den Blasiussegen. Foto: Manfred Welker
Professor Elmar Klinger erteilt den Blasiussegen. Foto: Manfred Welker
von unserem Mitarbeiter Manfred Welker

Herzogenaurach — Der Herzogenauracher Elmar Klinger, emeritierter Theologieprofessor in Würzburg, kann am 29. Juni sein 50-jähriges Priesterjubiläum feiern. In der Aurachstadt ist er in der Liebfrauenhauskirche und in der Stadtpfarrkirche als Zelebrant und Prediger sehr geschätzt.
Die Verbundenheit mit seiner Heimatstadt ist umso bemerkenswerter, als Klinger seit seinem elften Lebensjahr die meiste Zeit außerhalb Herzogenaurachs verlebt hat. Geboren wurde er als Sohn von Heinrich und Elisabeth Klinger, geborene Bausch, im Anwesen Hauptstraße 69. An die Kriegszeit hat Klinger nur wenig Erinnerungen. Allerdings empfand er die Jahre von 1943 bis 1947 als "spannende Zeit, andauernd war etwas los". Mit seinen Klassenkameraden wurde er zwar 1944 eingeschult, der Unterricht fand allerdings nur sporadisch statt. Daher bereitete Konrad Bucher drei Schüler eigens für das Gymnasium vor: seinen Sohn Alexius Bucher, Ferdinand Wachter und Elmar Klinger.
Für Herzogenauracher, die eine weiterführende Schule besuchen wollten, bedeutete dies früher meist einen Wechsel nach Bamberg oder Erlangen. Das Ottonianum in Bamberg schloss Mutter Elisabeth für Elmar Klinger von vornherein aus, denn dieses fungierte als Vorstufe für das Priesterseminar. Daher besuchte er ab 1949 das Aufseesianum. Wenigstens existierte dort für Klinger ein Bezug zur Heimat, denn als Direktor wirkte der ehemalige Herzogenauracher Kaplan Josef Kraus.
Obwohl bei Klinger schon immer ein "intellektuelles Interesse an der Religion" vorhanden war, hatte es sich im Laufe der Zeit noch weiterhin "präzisiert". Daher meldete er sich nach dem Abitur im Bamberger Priesterseminar an.
Das Studium verbrachte er von 1958 bis 1960 in Bamberg, wobei er den größten Teil des ersten Jahres auch mit der Pflege seiner kranken Mutter beschäftigt war. Um seine Studien weiterführen zu können, wurde er von Bamberg aus für Innsbruck freigestellt. Studienschwerpunkt war dort die Dogmatik. Leitfaden des Lehrangebotes war die "Summa Theologica" des Thomas von Aquin.
Dabei befanden sich die Studenten in Innsbruck in guter Gesellschaft, schließlich hatte auch Friedrich von Spee dort studiert. Prägend waren Karl Rahner, dessen Bruder Hugo Rahner und Josef Andreas Jungmann.

Im Jahr 1967 promoviert

Am 29. Juni 1965 empfing Klinger in Bamberg die Priesterweihe, gemeinsam mit dem Herzogenauracher Alexius Bucher. Als Aushilfe war er danach in Elbersberg, Schwarzenbach an der Saale sowie in Kemmern tätig. Als Karl Rahner 1965 nach München an die Philosophische Fakultät wechselte, folgte ihm Klinger. Die Promotion erfolgte 1967 bei Karl Rahner mit dem Thema "Offenbarung im Horizont der Heilsgeschichte: Historisch-systematische Untersuchung der heilsgeschichtlichen Stellung des Alten Bundes in der Offenbarungsphilosopie der Katholischen Tübinger Schule."
Rahner zog es weiter nach Münster, wo der jetzige Kardinal Karl Lehmann sein erster Assistent war. Klinger löste diesen von 1967 bis 1974 als Assistent in Münster ab. Dort erfolgte auch 1974 bei Rahner seine Habilitation mit der Arbeit: "Ekklesiologie der Neuzeit. Grundlegung bei Melchior Cano und Entwicklung bis zum 2. Vatikanischen Konzil."

Engagement für Südamerika

Anschließend wirkte Professor Elmar Klinger als Privat-, dann als Universitätsdozent. Im Januar 1976 erfolgte seine Berufung auf den Lehrstuhl für Fundamentaltheologie und vergleichende Religionswissenschaft in Würzburg. Während seiner Tätigkeit in Würzburg hat Klinger insgesamt fünf Habilitationen und rund 15 Promotionen betreut. Den Großteil stellten allerdings Diplom- und Lehramtsstudenten dar, davon gut die Hälfte Frauen.
Klingers Forschungsschwerpunkt liegt beim II. Vaticanum und dessen Gesamtprogrammatik für die nachkonziliare Entwicklung in Theologie und Kirche. Daraus resultiert auch seine Beschäftigung mit Südamerika, da dort die direkte Fortsetzung dieses Prozesses besonders gut zu beobachten ist. Dieses Engagement mündete in seinem Buch "Armut: eine Herausforderung Gottes; der Glaube des Konzils und die Befreiung des Menschen".
Klinger leitete das DFG-Projekt "Die Wahrnehmung der Geschlechter. Differenz in religiösen Symbolsystemen", war Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaft und der Künste sowie Sprecher der Fundamentaltheologen in Bayern.
Mit einem Studientag und einem Festakt unter dem Titel "Theologie in der Kirche und an der Universität" wurde Klinger am 17. Juli 2006 in Würzburg emeritiert. Damit ist er aber noch nicht völlig im Ruhestand, er darf noch Vorlesungen halten, und auch die Prüfungsberechtigung für bereits angenommene Dissertationen besteht weiter.
Ein von Professor Elmar Klinger und Thomas Franz an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg beantragtes und auch genehmigtes DFG-Projekt mit dem Titel: "Melchior Cano: De locis theologicis" hat seit dem 1. Februar 2006 die textkritische Edition des lateinischen Textes und eine deutschen Übersetzung zum Ziel. Melchior Cano (1509 - 1560) ist für Klinger eine Schlüsselfigur der katholischen Theologie.
Klinger ist außerdem Mitglied im Forum Afrikazentrum in Würzburg. Diese Vereinigung entstand im Jahr 2006 als Zusammenschluss von Wissenschaftlern, die seit vielen Jahren eng mit Partnern in Afrika zusammenarbeiten, unter anderem das Missionsärztliches Institut. Auch das bekannte Afrika-Festival ist 1989 daraus hervorgegangen.

Im Priesterkreis Burg Feuerstein

Neben seinen Verpflichtungen an der Universität engagiert er sich im Priesterkreis Burg Feuerstein. Klinger charakterisiert die Arbeit dort als die Beschäftigung mit Themen, die sonst nicht publik werden, aber wichtig für die Allgemeinheit sind. An die Öffentlichkeit tritt dieser Kreis mit Stellungnahmen und Veranstaltungen.
Auf Anregung durch den damaligen Dekan Hans Sterzl konnte er für die Zelebration des ersten Sonntagsgottesdienstes in der Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena gewonnen werden. Diesen Posten hatte er quasi in Nachfolge von Stadtpfarrer i. R. Leonhard Ritter übernommen, der bis zu seinem Tod im Juli 1978 die Frühmesse betreut hatte. Inzwischen zelebriert er häufig bei der 9-Uhr-Messe im Liebfrauenhaus. Außerdem beteiligt er sich an der Oster- und Weihnachtsmette, für die er oft die Predigten hielt. Auch das Fronleichnamsfest sieht ihn häufig als Mitzelebranten.
In der Ansbacher Straße 1 bewohnt er mit seiner Schwester Amanda Klinger das Elternhaus. Wie es jeder von einem Professor erwartet, ist er natürlich umgeben von gut gefüllten Bücherregalen. Diese enthalten zumeist Fachbücher zum Themenbereich seiner Universitätstätigkeit, aber auch Veröffentlichungen von Umberto Eco. Wobei dies allerdings etwas täuscht: Eco hatte nämlich nicht nur Publikationen wie "Der Name der Rose" geschrieben, sondern sich in einigen Titeln mit dem speziellen Verhältnis von Mensch und Religion beschäftigt.







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