Haßfurt

Praxisklassen sind teuer, aber sinnvoll

Die Haßfurter Mittelschulleiterin Susanne Vodde berichtete dem Zweckverband Schulzentrum von einem Modell, das Spätzünder fördert.
Artikel drucken Artikel einbetten
Anpacken, sich organisieren, die handwerklichen Begabungen einsetzen, das lernen die P-Schüler an den Mittelschulen in Haßfurt und Hofheim. Hier sind die Haßfurter gerade beim Frühjahrsputz auf dem Pausenhofgelände. Über die Arbeitsweise der Praxisklassen referierte Mittelschulrektorin Susanne Vodde gestern vor der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Schulzentrum Haßfurt. Foto: privat
Anpacken, sich organisieren, die handwerklichen Begabungen einsetzen, das lernen die P-Schüler an den Mittelschulen in Haßfurt und Hofheim. Hier sind die Haßfurter gerade beim Frühjahrsputz auf dem Pausenhofgelände. Über die Arbeitsweise der Praxisklassen referierte Mittelschulrektorin Susanne Vodde gestern vor der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Schulzentrum Haßfurt. Foto: privat
Weniger Theorie, mehr Praxis, intensive Begleitung, kleine Klassen - das sind die Werkzeuge, mit denen in den Praxisklassen an den Mittelschulen Haßfurt und Hofheim Schüler besonders unterstützt werden, die als Regelschüler wohl weder Abschluss noch Ausbildung erreichen würden. Einen Einblick in die Arbeit der Praxisklassen gab den Verbandsräten des Zweckverbands Schulzentrum Haßfurt Susanne Vodde, Rektorin der Albrecht-Dürer-Mittelschule Haßfurt.
An den Mittelschulen im Landkreis gibt es immer wieder Buben und Mädchen, deren Begabungen sehr stark im Praktischen liegen. In theoretischen Fächern bekommen sie schlechte Noten, die Frustration steigt. Bei manchen fehlt der Rückhalt im Elternhaus, die Chancen auf einen Schulabschluss stehen schlecht. Wenn sie sich für die Praxisklasse entscheiden und dort aufgenommen werden, erhalten sie zusätzliche Förderung. Zum einen enthält der Unterricht in der Praxisklasse ohnehin viel weniger Theorie, dafür wird intensiv Grundwissen vermittelt. Sehr stark ist der Praxis-Anteil im Unterricht wie in Betrieben. Sechs bis sieben Wochen pro Schuljahr sind die P-Schüler im Praktikum. Dazu kommen Arbeitsgemeinschaften, die die praktische Arbeit und das Sozialverhalten schulen. So die Schülerfirma "CupCake Company". Dazu kümmern sich die Praxis-Schüler um Gestaltung und Pflege des Pausenhofes. Sie gestalteten die "Chill-Steine" und gerade gestern, während ihre Schulleiterin im Zweckverband referierte, machten sie den "Frühjahrsputz".


Mehr Personal

Maximal 15 Schüler hat eine P-Klasse. Dem Lehrer stehen dazu ein Förderlehrer und eine Sozialpädagogin zur Seite. Mit 105 000 Euro ist eine P-Klasse nicht billig, wie in den Worten von Zweckverbands-Geschäftsführer Horst Hofmann deutlich wurde, doch übernimmt der Europäische Sozialfonds 80 Prozent. Die Anträge seien zwar aufwendig, doch wären P-Klassen ohne die EU-Mittel nicht finanzierbar, erklärte er.
Das Geld ist gut investiert, denn die Schulabgänger bekommen zu 90 Prozent eine Ausbildung oder besuchen weiter die Schule, beschrieb Susanne Vodde. Ganz wenige sind auch nach zwei Jahren Praxisklasse noch nicht ausbildungsfähig. Von den aktuellen P-Neuntklässlern haben bereits vier einen Ausbildungsvertrag, weitere vier eine mündliche Zusage, einer besucht die Berufsfachschule für Altenpflege, einer geht in eine Reha, einer verlängert die Schulzeit und nur drei Mädchen und ein Jugendlicher haben noch keine Zusage - allerdings laufen die Bewerbungen.
Bewährt habe sich die Verlängerung der P-Klasse auf zwei Jahre, vor allem weil in der achten Klasse jeder Schüler dort abgeholt wird, wo er sich im Wissensstand befindet. Voraussetzung für die P-Klasse sind zwar sieben Schulbesuchsjahre, das muss aber nicht bedeuten, dass die Schüler die siebte Klasse absolviert haben. Oftmals müssen Sozialkompetenzen verbessert werden. Die einen seien aggressiv, andere völlig verschlossen, erklärte Susanne Vodde.
Verbessern könnte man die Betreuung des Übergangs, damit die Praxis-Schüler zuverlässig den Anforderungen der Berufsschule gerecht werden. Auch dort gibt es Schulsozialarbeit und ausbildungsbegleitende Hilfen, doch der Übergang liegt Landrat Wilhelm Schneider am Herzen. Er habe mit den Handwerkskammern gesprochen, erklärte er. Insgesamt sehen Lehrer, Eltern und Verbandsräte die Praxisklassen, die es jetzt seit über zehn Jahren im Landkreis gibt, als Erfolgsmodell an. sw

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren