Lichtenfels

Pflege bleibt ein brisantes Thema

Frauengipfel  Die Lichtenfelser Frauengruppen beleuchteten es mit Fachleuten aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
Artikel drucken Artikel einbetten

von unserer Mitarbeiterin Gerda Völk

Lichtenfels — In einer immer älter werdenden Gesellschaft ist die Pflege ein wichtiges, und wie Maria Hollering-Hamers es ausdrückte, auch ein brisantes Thema. Ein Thema, das bereits beim diesjährigen Internationalen Frauentag im Mittelpunkt stand und beim Frauengipfel am Freitagabend erneut diskutiert wurde. Nach wie vor sind es vor allem die Frauen, die ihre Angehörigen oft unter enormen Belastungen pflegen. Für viele Frauen bedeutet dies die Aufgabe oder die Reduzierung ihrer Berufstätigkeit und damit auch weniger Rente im Alter.
Frauen waren es auch hauptsächlich, die der Einladung des Aktionsbündnisses der Lichtenfelser Frauengruppen gefolgt waren. Gemeinsam mit Fachleuten diskutierten sie das Thema "Pflege" aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Die rechtliche Seite

Aus dem Pflegebereich kommt Gabriele Hetz, die seit 1994 beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) in Bayern beschäftigt ist. Sie gehört zum Team des Pflegestützpunktes Coburg, bei dem sich die Einwohner aus der Stadt und dem Landkreis Coburg kostenlos und unabhängig rund um das Thema "Pflege" beraten lassen können. Allerdings ist Coburg der einzige Pflegestützpunkt in ganz Oberfranken. Ursprünglich waren bis zu 60 in ganz Bayern geplant.
Johannes Gründel ist Richter am Amtsgericht in Lichtenfels. Beim Frauengipfel beleuchtete er die rechtliche Seite des Themas. "Mit einem Schlaganfall ändert sich das Leben über Nacht", gab Gründel zu bedenken. Dann stelle sich die Frage "Wer handelt für den Betroffenen, wenn dieser es nicht mehr selbst kann?". Der Rat, den Richter Gründel an diesem Abend mehrmals gibt: Rechtzeitig für sich selbst regeln, wer im Ernstfall handeln kann, wenn man selbst nicht mehr dazu in der Lage ist. "Eine Vollmacht muss man machen, solange man gesund ist", sagte Gründel.

Wem gibt man eine Vollmacht?

Alles, was im Vorfeld geregelt wurde, erleichtere im Ernstfall die Situation. Und eine Vollmacht sollte man nur den Menschen geben, denen man auch vertrauen kann. Im Regelfall werden dies die nächsten Angehörigen sein. Ein fremder Betreuer komme erst dann in Frage, wenn niemand anderer da ist. Bei 70 000 Einwohnern im Landkreis Lichtenfels sei das Amtsgericht für 800 bis 900 altersbetroffene Betreuungen zuständig.
Im letzten Jahr konnte das Pflegeheim Elisabeth sein 25-jähriges Bestehen feiern. Eigentümer und Heimleiter Stefan Lauer ist viel an der familiären Atmosphäre seines Hauses gelegen: "Wir bleiben so klein, da kann man die Leute besser versorgen."
Die Fragen aus den Reihen der Besucher sind vielfältig. Es geht um rechtliche Dinge, um den Bereich der Vorsorge und um alltägliche Situationen. Doch wer hilft, wenn der Betroffene keine Pflegestufe besitzt, beispielsweise bei einem Beinbruch? Um Leistungen aus der der Pflegeversicherung zu erhalten, muss eine Pflegebedürftigkeit über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten vorliegen, klärt Pflegefachkraft Gabriele Hetz auf: "Ohne Pflegestufe gibt es kein Geld."
Richter Johannes Gründel vergleicht die Pflegeversicherung mit einer Teilkaskoversicherung: "Den Teil, den ich selber zahlen kann, wenn ich Geld habe, muss ich selber zahlen", sagt er. Die Übernahme des Eigenanteils dürfte gerade Frauen schwer fallen, da sie selten über 600 Euro Rente verfügen.

Ein Pflegetagebuch führen

In der Diskussion wurde auch deutlich, dass nicht jeder Angehörige das Pflegegutachten des MDK nachvollziehen kann. Das Pflegegutachten beurteile nur das, was der Patient nicht mehr kann. Beispielsweise seine Füße waschen, erläuterte Gabriele Hetz. Vor jeder Begutachtung sollten Angehörige ein Pflegetagebuch führen, lautete ihr Rat.
Und wenn letztlich trotz guter, aufopfernder Pflege kein Weg mehr am Heim vorbei führt? "Dann schauen sie sich die Heime gut an", riet Lauer. Vielleicht gebe es ja die Möglichkeit des Probewohnens, oder des probeweisen Mittagessens. Zudem sei der Blick eines Bewohners ein anderer als der eines Angehörigen. Käme für einen Angehörigen nie ein Doppelzimmer in Frage, wäre ein Bewohner, der das Zimmer kaum noch selbständig verlassen kann, vielleicht froh über etwas Ansprache.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren