Bamberg
bauprojekt 

Operation "am Herzen der Stadt"

Es wird ernst: Am Montag beginnen die Sanierungsarbeiten an der Oberen Brücke in Bamberg - direkt mit einer Vollsperrung. Gewerbetreibende, Gästeführer und Stadtverwaltung haben sich, so gut es geht, vorbereitet.
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Bereits am Freitag wurde schon mit ersten Baggerarbeiten begonnen, ab Montag beginnt die Vollsperrung.  Foto: Matthias Hoch
Bereits am Freitag wurde schon mit ersten Baggerarbeiten begonnen, ab Montag beginnt die Vollsperrung. Foto: Matthias Hoch
Anna Lienhardt

Es ist die große Frage, die kurz vor dem Startschuss in der Luft hängt: Wie wird sich die Vollsperre der Oberen Brücke auswirken? Bambergs berühmteste historische Brücke ist dringend sanierungsbedürftig, wegen "starker Durchfeuchtungen", wie es aus dem Rathaus heißt. Betroffen sind die beiden inselseitigen Bögen. Dort wird - einfach ausgedrückt - der Belag abgenommen und dann die Bögen mit einer Abdichtung versehen. Bis zum 22. Juli soll die komplette Baumaßnahme abgeschlossen sein.
Etwa die Hälfte der Bauzeit soll die historische Rathausbrücke frei begehbar sein, vor allem in den Pfingstferien und ab Mitte Juni, wie es in einer Pressemitteilung aus der Stadtverwaltung heißt. Aber: Um zwei Phasen mit Vollsperrungen wird man während der Sanierung nicht herumkommen: Vom 23. Mai bis zum 17. Juni und vom kommenden Montag (4. April) bis zum 13. Mai ist der Durchgang dicht.
"Wir werden sehen, was die Totalsperre auslöst, inwieweit sie sich auf die Frequenz auswirkt", sagt Heiner Wohlfart, Gewerbetreibender vor Ort und Ansprechpartner bei der Interessengemeinschaft (IG) Karolinenstraße/ Obere Brücke/ Obstmarkt. Die Ladenbesitzer fürchten teilweise drastische Umsatzeinbrüche, wenn der Passantenstrom abreißt und Gäste nicht in der Nähe einer Baustelle einkaufen oder sitzen wollen.
Ulrike Siebenhaar, Pressesprecherin der Stadt Bamberg, merkt an: "Die Baufirma weiß um die Sensibilität der Maßnahme. Sie wird versuchen, nicht gerade beim schönsten Wetter die lautesten und staubigsten Arbeiten durchzuführen." Außerdem sei geplant, dass Baustellenfahrzeuge montags bis freitags nur im Zeitfenster von 6 bis 10.30 Uhr aufgestellt werden und Material anliefern. Denn ab halb elf vormittags beginnt der Freischankbetrieb der Gastronomen an der Brücke.
Alle Anlieger haben zudem für den Fall der Fälle einen direkten Draht zur Baufirma. "Es ist eine Operation am offenen Herzen dieser Stadt", hatte Siebenhaar vor kurzem über die Baumaßnahme gesagt.


Geschäfte haben offen

Während der Bauphase wollen die Geschäftsleute laut Heiner Wohlfart so "attraktiv wie möglich" bleiben. "Die Läden sind erreichbar und wie üblich geöffnet", betont er. Kunden sollen gelockt werden durch Aktionen, Werbung und Dekoration - bereits seit gestern hängen beispielsweise bunte Wimpel. Außerdem denke man über Straßenkunst und Akrobatik nach. Wohlfart: "Wir wollen, dass sich Interessierte in die Sackgasse verlaufen." Eine Sackgasse, deren letztes Haus die "Rathausschänke" ist. Pächter Reinhold Grill hat zum 25. März eine Ausstellung in seinem Restaurant eröffnet. Seitdem sind dort Bilder zur Kreuzigungsgruppe auf der Oberen Brücke zu sehen.
Ebenfalls etwas zu sehen geben wird es an den Bauzäunen: Zum Einen Werbung für die Anlieger, zum anderen eine "Inszenierung", wie Ulrike Siebenhaar ankündigt. Die Idee: Durch Bilderrahmen im Bauzaun können Passanten einen Blick auf die Sanierungsarbeiten werfen. Weitere Aktionen sind Infotafeln, "Fußtapper" hin zur Brücke oder eine Webcam auf der eigens eingerichteten Internetseite www.stadt.bamberg.de/obere-brücke. Zumindest während der Vollsperrung wird man dort eine typische Szene nicht mehr beobachten können: fotografierende Touristengruppen. Mancher befürchtet dann gar Menschenstaus auf der direkten Ausweichroute, der Unteren Brücke. Doch Tourismusdirektor Andreas Christel macht sich keine Sorgen, sondern er glaubt an eine "Entzerrung zu Gunsten anderer Wegstrecken", die man auch kommunizieren werde. Christel nennt den Geyerswörthsteg, die Untere Mühlbrücke - und den damit verbundenen "Ochsenklaviersteg"-, die Bischofsmühlbrücke sowie die Obere Mühlbrücke. Auf die Umleitungen würde in einem Baustellenplan hingewiesen und "jedem, der zu uns ins Haus kommt, werden sie erklärt", sagt der Leiter des Tourismus und Kongress Service (TKS) in Bamberg.


Viele Perspektiven

Doch was ist eigentlich mit all den Stadtführungen, für die ein Halt auf der historischen Brücke stets dazu gehörte? "Die Gästeführer versuchen natürlich, so nah wie möglich heranzukommen." Es gebe viele andere Perspektiven, etwa vom Geyerswörthsteg oder der Unteren Brücke aus. Und: "Von der Bergseite aus kann man ja bis zum Torbogen."
Christel spricht bei der rund viermonatigen Bautätigkeit und der teilweisen Vollsperrung der Oberen Brücke von einem "verschmerzbaren Manko". "Wir haben sehr viele tolle Sehenswürdigkeiten in Bamberg."
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