Erlangen

Online-Training hilft, Depressionen zu verhindern

Ein internationales Forscherteam hat weltweit erstmals nachgewiesen, dass Depressionen mit einem Online-Training wirksam verhindert werden können. Die Studi...
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Ein internationales Forscherteam hat weltweit erstmals nachgewiesen, dass Depressionen mit einem Online-Training wirksam verhindert werden können. Die Studie, an der 406 Probanden teilnahmen, ist ein Gemeinschaftsprojekt von Forschern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), der Leuphana Universität Lüneburg und der Freien Universität Amsterdam in Zusammenarbeit mit der Barmer GEK.
Gestützt auf erfolgversprechende Versuche internetbasierter Gesundheitsintervention gingen die Forscher laut einer Pressemitteilung der Erlanger Uni der Frage nach, ob durch das sechswöchige Online-Training Get.on das Risiko, an einer Depression zu erkranken, reduziert werden kann. Get.on basiert auf bewährten Therapiemethoden des systematischen Problemlösens und der Verhaltensaktivierung. Im Training absolvierten die Teilnehmer jede Woche eine halb- bis einstündige Übungseinheit - bestehend aus Videos, Texten und Aufgaben - und erprobten die Trainingsinhalte zwischen den Übungseinheiten im Alltag. Dabei wurden sie durch einen persönlichen Coach begleitet, mit dem sie online in Kontakt standen.
Das Forscherteam untersuchte 406 Menschen, die ein erhöhtes Depressionsrisiko hatten, jedoch noch nicht an einer Depression erkrankt waren. In einer klinischen Studie nahm jeweils die Hälfte der Probanden entweder am Online-Training Get.on teil oder erhielt herkömmliche Anleitungen zur Vorbeugung von Depressionen in schriftlicher Form. Nach einem Jahr wurden die Teilnehmer in einem diagnostischen Telefoninterview untersucht.
Dabei stellten die Forscher fest, dass von den Personen, die Get.on absolviert hatten, 27 Prozent im Verlauf des Jahrs an einer Depression erkrankten gegenüber 41 Prozent aus der Referenzgruppe ohne Online-Training. Ausgedrückt in einer speziellen medizinischen Maßeinheit bedeutet das: Von sechs Personen, die an Get.on teilnehmen, kann bei einer Person eine neue depressive Erkrankung verhindert werden. Das entspricht einer Senkung des relativen Risikos um 39 Prozent.
"Mit der Studie konnten wir zeigen, dass Get.on das Risiko für das Auftreten von Depressionen effektiv reduzieren kann", sagt David Ebert vom Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie der FAU, der das Online-Training initiiert und die Studie geleitet hat. Das Online-Training biete Menschen, die erste Beschwerden aufweisen, eine hochwirksame, zugleich sehr flexible und obendrein kostengünstige Möglichkeit, einer behandlungsbedürftigen Depression erfolgreich vorzubeugen.
Die Ergebnisse der Studie seien von hoher gesundheitspolitischer Relevanz: Nach Schätzung der Global Burden of Disease Study der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden Depressionen in den Industrieländern in naher Zukunft die Hauptursache für vorzeitigen Tod und krankheitsbedingte Behinderung sein - noch vor koronarer Herzkrankheit, Alzheimer oder Diabetes.
Einer Studie des Robert Koch-Instituts zufolge muss davon ausgegangen werden, dass in Deutschland etwa 15 Prozent der Frauen und acht Prozent der Männer einmal im Leben an einer Depression erkranken. Das Training wird von der Barmer GEK angeboten und ist damit eine der ersten bundesweit verfügbaren Maßnahmen zur Prävention von Depression. red

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