Lichtenfels

Oldtimer wie Familienmitglieder

Besitzerstolz  Mehr als 200 Teilnehmer kamen zum Treffen der Oldtimerfreunde Bad Staffelstein und frönten ihrer großen Leidenschaft. In Gesprächen zeigte sich: Hinter den alten Fahrzeugen verbirgt sich manch interessante Geschichte.
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von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Bad Staffelstein — Am Ende wird der Siedlerplatz wie ein Aufmarschgebiet aussehen: immer neue Oldtimer - Autos, Motorräder, Traktoren - kommen an, reihen sich ein und präsentieren sich in der Sonne. Hinter diesen Fahrzeugen stehen Menschen, und hinter Menschen Leidenschaften. Hier also sind sie zu finden, die Geschichten um Wirrungen, Besitzerstolz und verschlungene Beschaffungskanäle.
Soeben rollt ein uralter Traktor aus Ebern an. So wie viele der wohl über 200 Teilnehmer am diesjährigen Treffen der Oldtimerfreunde Bad Staffelstein. Es muss Leidenschaft sein, die einen Besitzer dazu bringt, aus Ebern mit 18 km/h hierher zu tuckern.
Etwas näher hatten es da Theodor und Georg Martin. Die Männer aus Lauf bei Zapfendorf nennen einen Unimog ihr Eigentum. Baujahr 1949, mit der Seriennummer 59. Er ist der 59. seiner Art, der einst vom Band lief. Und er hat nur noch 541 baugleiche Geschwister. Der Opa der beiden Männer schaffte sich dieses Universalmotorgerät (Abkürzung für Unimog) 1951 an. Wenige Wochen später war er tot, und es vergingen Jahre, bis seine Söhne alt genug waren, um diese so dringend benötigte ländliche Erwerbshilfe überhaupt bedienen zu dürfen.
Theodor Martin erzählt die Geschichte so, wie sie ihm wohl erzählt worden sein dürfte, weil der alte Unimog zur Familiengeschichte gehört. Zweimal sei er eingemottet worden. Erstmalig, um auf die Fahrerlaubnis der Söhne des Verstorbenen zu warten, das zweite Mal in den 70ern. 2002 wurde er aktiviert, und bald darauf habe jemand 50 000 Euro geboten, um ihn zu kaufen. "Der hat das Geld in den Händen gehalten", sagt Georg Martin. Zwecklos - Familienmitglieder verkauft man nicht.
Der Eicher ED 26 hat das Baujahr 1958. Wenig später war auch der Besitzer dieses Traktors tot. Verunfallt mit dem PS-starken Zugtier. Dessen Sohn hat vor Jahrzehnten auf einem Balken in Stadel die Fahrgestellnummer des ED 26 vermerkt, erklärt der Staffelsteiner Rentner Erwin Zahner. Er gehört zu den Teilnehmern des Oldtimer-Treffens, die es sich nicht nehmen lassen, mit jedem Neuankömmling ins Gespräch zu kommen und jedes neu hereinfahrende Vehikel in Augenschein zu nehmen. Dementsprechend abgelenkt ist er. Leidenschaft eben.
Dennoch bringt er die Geschichte zu Ende und erzählt ihren unglaublichen Fortgang: Vor 14 Tagen sei er auf dem Gefährt von einem Motorradfahrer angehalten worden. Der habe ihn auf den Traktor unter ihm angesprochen und exakt die richtige Fahrgestellnummer aus der Motorradjacke hervorgekramt. Aus dem Jungen von einst, der sich eine Notiz auf dem Balken machte, ist ein Erwachsener geworden, der längst ganz woanders wohnt und zu Besuch in die alte Heimat fuhr. Seinen Eicher ED 26 aus der Kindheit hat er nie vergessen. Unter Zahner ist er ihm begegnet.
Noch einmal Erwin Zahner. Der wollte seinen Eicher ED 26 unter die Haube bringen. Unter die Motorhaube, die ihm fehlte. Eine Angst, die Sammler und Liebhaber von Oldtimern immer begleitet, ist die Angst vor einem Mangel an Ersatzteilen. Möchte man meinen. Aber es gibt viele hier auf der Wiese, die begegnen dieser Problematik auffällig entspannt, ja sie reden sogar davon, dass viele Hersteller ein Herz für Sammler entdeckt hätten und Ersatzteile beibringen und liefern könnten.

Sieben baugleiche Bulldogs

Ganz so einfach war das bei Zahner nicht. Er hat zehn Jahre lang eine Haube gesucht und im Internet recherchiert. Jemand in Rostock habe ihn dann auf seine eigene Frau hingewiesen, die aus Chile stammt. Die Frau wiederum wusste, dass es in ihrer Heimatgegend mal westeuropäische Bulldogs gab. Baugleiche sogar, wie sich zeigte. 2007 kam ED 26 unter die Haube. Ein Malheur mit Ersatzteilen wird Erwin Zahner vielleicht sein Lebtag nicht mehr widerfahren. Er habe noch sieben baugleiche Bulldogs, da könnte er ja einen ausschlachten. Oldtimerfreunde haben viel zu erzählen, sie lassen sich auf Maschinen ein, die oftmals Geschichten schon mitbringen. Am Sonntagnachmittag machten sie sich auf, zum traditionellen Oldtimer-Korso durch die Stadt.

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