Höchstadt a. d. Aisch

"Ohne Anerkennung scheitert man"

Roland Grebner hat in mehr als 35 Jahren als Lehrer am Gymnasium Höchstadt den Wert eines guten Verhältnisses zu seinen Kollegen und zu seinen Schülern kennengelernt. Was ihn in seinem Berufsleben gestört und behindert hat, verrät er im Gespräch.
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Inmitten seiner Schüler fühlt sich Roland Grebner immer noch am wohlsten. Foto: Johanna Blum
Inmitten seiner Schüler fühlt sich Roland Grebner immer noch am wohlsten. Foto: Johanna Blum
Zum Ende des Schuljahres wird ein verdienter Pädagoge am Gymnasium Höchstadt in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet. Im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt Roland Grebner von seiner Arbeit als Lehrer, aus seinem Leben, aber auch von seinen Wünschen für die Zukunft.

Warum haben Sie den Lehrberuf gewählt?
Roland Grebner: Nach dem
Abitur (1972) war zunächst die junge Computerwissenschaft Informatik meine erste Studierpriorität, doch - kaum zu glauben - die Uni-Profs bezeichneten die Berufsaussichten damals als miserabel. So entschied ich nach dem Vordiplom, meiner "Leidenschaft" Nummer zwei zu folgen und Lehramt zu studieren. Schon als Schüler hatte ich viel Spaß am Lehren, habe mit zahllosen Nachhilfestunden mein Taschengeld aufgebessert oder einfach Kameraden bei Problemen geholfen. Zudem bot sich - beseelt vom Gedankengut der 68er - der Lehrberuf an, den Gang durch die Institutionen zu wählen und überlieferte, verhasste Strukturen von innen heraus zu verändern. Was daraus geworden ist, wäre ein anderes Thema.

Was zog Sie ans Gymnasium Höchstadt?
Die Region war seit meinem Studium zur Heimat geworden, mein komplettes soziales Umfeld war hier verankert, ich fühlte mich hier wohl. Demzufolge war ich nach Abschluss des Vorbereitungsdienstes fieberhaft auf der Suche nach einem Gymnasium im Nahraum, das Bedarf an meinen Fächern Mathematik/Geographie hatte. Fündig wurde ich in Höchstadt und glücklicherweise entsprach das Kultusministerium meinem Wunsch und sandte mich nach Höchstadt.

Was gefällt Ihnen am Gymnasium Höchstadt?
Die Stelle in Höchstadt erwies sich als Volltreffer, ich genieße bis heute die Trennung von Arbeiten und Wohnen, und schon seit meinem Dienstantritt 1981 gibt es eine tolle Fahrgemeinschaft von Erlangen zur Schule. Doch entscheidend sind die Kollegialität, eine warme, lockere Arbeitsatmosphäre sowie die Ausstattung der Schule und natürlich am allerwichtigsten die Schülerschaft, vielschichtig, da sowohl aus städtischem als auch ländlichem Umfeld stammend.

Wie steht es heute um das Unterrichten und Lehren im Gegensatz zu der Zeit, als Sie angefangen haben?
In mehr als 35 Jahren lassen sich, zumindest äußerlich, zahlreiche Veränderungen auflisten. Da gibt es ständig neue Ansätze in Methodik und Fachdidaktik, eine sich wandelnde Medienlandschaft bis zur Digitalisierung des Unterrichts im Heute. Nichtsdestotrotz bilden für mich die fachliche und soziale Kompetenz des Lehrers die zentralen Faktoren für Lernerfolg und Interaktion in der Schule.
Und leider behindern permanenter Zeitdruck und starre Rahmenbedingungen wie zum Beispiel 45-Minuten-Stunden die Umsetzung vieler neuer Ideen. Der lehrerzentrierte Unterricht dominiert die Praxis im Alltag.

Sie haben sich sehr um das Projekt Namibia gekümmert - machen Sie weiter?
Das Namibia-Projekt, d. h. Hilfeleistungen für benachteiligte Kinder in Namibia, ist während meiner sechsjährigen Tätigkeit im Land entstanden, eigener Initiative entsprungen und zur Herzensangelegenheit geworden. Es muss und wird weitergehen und ich hoffe, nach meinem Ausscheiden aus der Schule auch in Zukunft, so wie bisher, großzügig unterstützt zu werden.

Was waren die Höhepunkte in Ihrem Schulleben?
Eine schwierige Frage. Ich denke bedeutsamer als einzelne Ereignisse ist die erlebte Anerkennung fachlicher und menschlicher Qualitäten seitens der Schüler. Fehlt sie auf Dauer, hält man den Beruf nicht aus und scheitert.
Daneben gibt es natürlich Höhepunkte, die besondere Motivationsspritzen darstellen, etwa die vielen Klassenfahrten, angefangen vom Skilager bis zur Leistungskurs-Exkursion. Oder: Mein erster Mathe-Leistungskurs (Abi 1988), eine außergewöhnliche Truppe. Bis heute gibt es ein alljährliches Treffen am 23. Dezember in Röttenbach. Oder: Der Start an der deutschen Schule in Windhoek war holprig, ging doch vor allem die dortige Elternschaft davon aus, die aus Deutschland entsandten Lehrer seien wohl die schlechtesten ihres Faches. Dies änderte sich mit der Zeit diametral. Nach einer von mir gehaltenen Abiturrede zollten mir Eltern, die anfangs massiv herumgemeckert hatten, höchste Anerkennung und Respekt.

Wie geht es nun weiter?
Ambivalente Gefühle treiben mich aktuell um. Ich freue mich auf einen neuen, auch letzten Lebensabschnitt, der aber neue Strukturen erforderlich macht. Ich will nach einem Großreinemachen viel unterwegs sein, liegen gebliebene Interessen/Hobbys intensivieren, soziales, politisches Engagement hoffentlich verstärken und ... ich werde sehen. Ich bin neugierig auf die Zeit ab dem 1.August.

Mit Roland Grebner gehen zwei altgediente Lehrkräfte in den Ruhestand: Karl-Willi Strobel-Rötter unterrichtet in Höchstadt seit Februar 1979 die Fächer Mathematik und Physik. Im Ruhestand freut er sich auf weniger Zeitstress, aber die Arbeit hier wird ihm nach eigener Aussage sicherlich fehlen. Seine Kollegin Hannelore Carl, die seit 1982 an der Schule die Fächer Geschichte und Englisch lehrt, verlässt die Schule mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Das Gespräch führte
Johanna Blum.

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