Forchheim
Wohnen im Alter (3)  

Nicht zu spät ins Pflegeheim

Rosemarie Heuckendorf sagt, dass niemand ein schlechtes Gewissen haben muss, wenn er einen Angehörigen in eine Senioreneinrichtung gibt - "egal was die Leute sagen".
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Pflegerin Isabell Holerek, Heimbewohner Hans-Arthur Betzold und Leiterin Rosemarie Heuckendorf verstehen sich bestens.  Foto: Carmen Schwind
Pflegerin Isabell Holerek, Heimbewohner Hans-Arthur Betzold und Leiterin Rosemarie Heuckendorf verstehen sich bestens. Foto: Carmen Schwind
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Rosemarie Heuckendorf hat einen gut gemeinten Rat für Senioren. "Gehen Sie nicht zu spät ins Pflegeheim, denn so ist noch gut Zeit zum Eingewöhnen und die Angehörigen brechen von der Pflege nicht zusammen", empfiehlt die Einrichtungsleiterin des BRK-Pflegeheims Wiesenttal.
Rosemarie Heuckendorf kennt pflegende Angehörige, die sich aufarbeiten, an Depressionen und Burn-out leiden und eigene soziale Kontakte vernachlässigen: "Man muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn man den Angehörigen in ein Alten- und Pflegeheim gibt. Egal was die Leute sagen, denn die helfen im Notfall schließlich auch nicht."
Nach wie vor wenig genutzt würden Angebote wie Kurzzeit- oder Verhinderungspflege oder Tages- und Nachtpflege, die zur Entlastung des pflegenden Angehörigen dienen.


1200 Heimplätze im Landkreis

Nach dem seniorenpolitischen Gesamtkonzept gibt es im Landkreis Forchheim etwa 1200 Heimplätze, die zu etwa 95 Prozent belegt sind und die neben Einzelzimmern noch relativ viele Doppelzimmer anbieten. Etwa 800 Mitarbeiter sind in den Einrichtungen beschäftigt, zu pflegen sind von ihnen meistens Frauen, die durchschnittlich 84 Jahre alt sind.
Die meisten Heimbewohner sind aus dem Landkreis Forchheim, doch werden auch Senioren aus den Landkreisen Erlangen-Höchstadt, Bamberg, Nürnberger Land oder Bayreuth in den Einrichtungen untergebracht. Pflegeheime im Landkreis Forchheim finanzieren sich zu fast gleichen Teilen (etwa 42 Prozent) aus Leistungsentgelten der Pflegekassen und Beiträgen von Selbstzahlern. Die restlichen knapp 16 Prozent steuern die Sozialhilfeträger bei.
In den Heimkosten sind Kost und Logis ebenso enthalten wie Wäscheversorgung, Haustechnik und Reinigung. "Zu uns kommen noch ein Frisör und eine Fußpflege ins Haus, die man selbst zahlen muss", erklärt Rosemarie Heuckendorf. Sie würden sich auch um die Beschaffung von Medikamenten und Hilfsmitteln kümmern. Wenn der Bezirk mit unterstützen muss, gibt es ein Taschengeld und einen Bekleidungszuschuss für den Heimbewohner.


Brillen kommen im Mobil

Zweimal im Jahr kommen Mode-, Schuh- und Brillenmobil, damit die Heimbewohner in gewohnter Umgebung einkaufen können. Man habe wohl die freie Arztwahl, aber es müsse sichergestellt sein, dass diese Mediziner auch ins Haus kommen. "Bei eingeschränkter Alltagskompetenz gibt es zusätzliche Betreuungsleistung. Wir haben hier gesondertes Personal eingestellt, sogenannte Alltagsbegleiter", berichtet die Heimleiterin.
In ihrem Heim gibt es ein seelsorgerisches und kulturelles Angebot, Ausflüge, Gedächtnistraining, Kegeln, Kicker oder Darts. Gemeinsam mit dem integrativen Kindergarten und der Schule am Ort wurden Musicals einstudiert. Bewohner können eigene Möbel mitbringen und es gibt eine Sterbebegleitung.
Der 75-jährige Hans-Arthur Betzold ist seit vier Jahren im Pflegeheim Wiesenttal. Früher hatte er einen großen Garten und viele Tiere. Nach der Trennung von seiner Frau kam er ins Pflegeheim. Wenn das Wetter es zulässt, setzt er sich in den Garten oder ist bei den Ausflügen dabei. Da er selbst noch sehr rüstig ist, hilft er gern anderen Bewohnern. Er geht mit zum Einkaufen und trägt die Taschen ins Haus.
Manchmal legt er Wäsche zusammen oder leert die Aschenbecher aus. Das Personal findet Hans-Arthur Betzold nett. Der Tag beginnt mit der Grundpflege. Wer mag, kann mit Schlafanzug zum Frühstücken gehen. "Dann wird Zeitung gelesen", erzählt Betzold. Es gibt ein zweites Frühstück. Danach steht das Beschäftigungsprogramm an, und um 12 Uhr gibt es ein warmes Drei-Gänge-Menü.


Programm am Nachmittag

Am Nachmittag ist Programm. Da mag Hans-Arthur Betzold am liebsten Singen oder Spaziergänge machen. Kaffee gibt es um 15 Uhr, Abendessen ab 17.30 Uhr. Zur Nacht stehen ein Wagen mit Tee, Brot und Pudding bereit. Die meisten Bewohner ziehen sich dann zurück auf ihr Zimmer und schauen fern.
"Wir haben eine Bewohnerin mit 30 Jahren, die älteste ist 95. Wir hatten auch schon Paare. Zum Teil finden sich hier im Heim sogar Partnerschaften", erzählt Rosemarie Heuckendorf über das Leben im Heim, das gar nicht so übel ist.
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