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Ebern

Nicht nur spirituell aufgetankt

Biker-Gottesdienst   In Ebern legten Rad- und Motorradfahrer zum zehnten Mal einen Boxenstopp ein.
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Von Anfang an dabei: Sven Steffan (vorne in der Mitte) ist Mitinitiator des Boxenstopp-Gottesdienstes. Etwa 1000 Kilometer ist er mit seinem 22-jährigen Roller im Jahr unterwegs. "Die landschaftliche Atmosphäre, die Stimmung der Natur, die unterschiedlichen Temperaturen zu er-fahren, das ist schon ein tolles Gefühl."
Von Anfang an dabei: Sven Steffan (vorne in der Mitte) ist Mitinitiator des Boxenstopp-Gottesdienstes. Etwa 1000 Kilometer ist er mit seinem 22-jährigen Roller im Jahr unterwegs. "Die landschaftliche Atmosphäre, die Stimmung der Natur, die unterschiedlichen Temperaturen zu er-fahren, das ist schon ein tolles Gefühl."
von unserer Mitarbeiterin Johanna Eckert

Ebern — "Na, ihr Rocker!", hallte es am Freitagabend mehrmals über den Wohnmobilstellplatz, auf dem sich an die 50 Zweiradfahrer getroffen haben. AC/DC-Fans waren auch gekommen. Aber nicht, um mit der australischen Hard-Rock-Band auf dem "Highway to Hell" zu rocken. Bereits zum zehnten Mal luden die katholische und die evangelische Kirchengemeinde in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule zum Boxenstopp beim Motorradgottesdienst ein.
Sven Steffan aus Ebern ist einer, der dieses Event und den Moment des Auftankens für die Biker, von Anfang an mitträgt. "Aus einer Weinlaune heraus entstand diese Idee vor vielen Jahre", schmunzelt er und erinnert sich: "Wir standen bei der 775-Jahr-Feier im Eberner Rathaus zusammen. Irmgard und Engelbert Ruhhammer waren auch dabei. Nach der zweiten Flasche Wein war uns klar, wir wollen einen Motorrad-Gottesdienst in Ebern." Noch am selben Abend wurde diese Veranstaltung bis ins Detail geplant.
Seit zehn Jahren nun treffen sich die Biker mit Fahrrädern, Rollern und anderen PS-starken Maschinen auf dem Wohnmobilstellplatz und holen sich Gottes Segen für viele unfallfreie Kilometer.

Die Verbindung ducrh den Sattel

"Der Boxenstopp-Gottesdienst dient dazu, sich das ganze Hobby und das eigene Leben mal zu vergegenwärtigen, nachzudenken und innezuhalten", sagt Sven Steffan. "Denn das Leben hat ja mit dem Motorradfahren schon einiges gemeinsam", meint Pfarrer Bernd Grosser, der auch in diesem Jahr mit seinem Roller zum Gottesdienst gefahren kam. "Man erlebt was, man begegnet Menschen und - es ist gefährlich."
"Der ursprüngliche Termin für diesen Gottesdienst war der letzte Schultag. Als dieser durch die neue Ferienordnung aber kein Freitag mehr war, haben wir den Boxenstopp auf den Freitag vor das Altstadtfest geschoben", erklärt Sven Steffan im Hinblick auf die Organisation. "Früher sind noch viele aus dem Raum Coburg und von weiter weg gekommen. Heute kommen die meisten Biker aus Ebern und der näheren Umgebung, um sich den Segen für die Ferienzeit zu holen."
Für Friedl Gebhardt aus Ebern hat der Biker-Gottesdienst mittlerweile einen festen Platz im Kalender. "Ich hatte heute sogar einen anderen Termin, aber den habe ich abgesagt", meint die sportliche Rentnerin. "Seit zehn Jahren komme ich jetzt hierher. Kein einziges Jahr habe ich ausgelassen."
Mit dem Motorrad sind Friedl Gebhardt und ihr Mann Joseph nicht unterwegs - dafür bestreiten sie aber viele Kilometer mit dem Fahrrad. Vor wenigen Tagen ist Joseph Gebhardt die 200 Kilometer "mit viel Gegenwind" zum Kreuzberg und wieder zurück geradelt. "Da bist du doch froh, wenn er gesund wieder zur Tür rein kommt", meint Friedl Gebhardt erleichtert.

Seit Anfang an dabei

Auch Wolfgang Schreiber, mit Sozius Constantin Wüstenberg, ist von Anfang an beim Boxenstopp in Ebern dabei. "Ich bin oft nach Schweinfurt zum Motorradgottesdienst. In St. Michael, bei Pfarrer Roland Breitenbach", erzählt der begeisterte Biker, "6000 Motorräder aus der Gegend haben sich dort jährlich getroffen." Von "Svens Sache in Ebern" ist er sehr begeistert. Wolfgang Schreiber und Sven Steffan verbindet aber noch mehr als die jährlichen Treffen beim Motorradgottesdienst hinter der Eberner Stadtmauer.
Die Anzahl der PS ist es sicherlich nicht. Denn Wolfgang Schreiber ist eindeutig schneller als Sven Steffan unterwegs. Das "coole" Biker-Outfit an Lederklamotten bieten beide. Kaum in Worte zu fassen ist jedoch das Gefühl, das die zwei wahrnehmen, wenn sie mit ihren Maschinen durch die Landschaft brausen.
"Das ist einfach geil", lässt Harald Wunder aus Augsburg die Blase der Sprachlosigkeit platzen. "Man kann in der Landschaft durchschnaufen. Erlebt die Gerüche viel intensiver. Das ist einfach ein Abenteuer", packt Wolfgang Schreiber seine Leidenschaft für das Biken in Worte. "Wenn der Wind dir so ins Gesicht bläst, das ist schon ein ganz besonderes Gefühl", fügt Sven Steffan glücklich lächelnd hinzu.
Pater Rudolf Theiler aus der Pfarrgemeinde St. Laurentius war am Freitagabend zum ersten Mal beim Motorrad-Gottesdienst in Ebern dabei. Zusammen mit Pfarrer Grosser hat er den Bikern den Segen gespendet. "Jetzt weiß ich auch, warum Ihr das hier macht", meint er mit einem Augenzwinkern zu den Zweiradfahrern, " wegen des Biers und der Bratwurst, die es danach gibt." Nicht nur im "spirituellen" Sinn wird aufgetankt und Gemeinschaft erlebt.

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