Forchheim
Naturschutz 

Neue Quartiere entdeckt

Nach dem Sensationsfund im vergangenen Jahr haben Naturschützer weitere Unterschlupfe der Kleinen Hufeisennase, einer winzigen Fledermausart, ausfindig gemacht.
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Typisch für die Kleine Hufeisennase: frei von der Decke hängend und in die Flügel eingehüllt Foto: Martin Biedermann
Typisch für die Kleine Hufeisennase: frei von der Decke hängend und in die Flügel eingehüllt Foto: Martin Biedermann
Im Sommer 2014 hatte ein besonderer Fund Aufsehen erregt: In Oberwaiz, Gemeinde Eckersdorf, war ein Sommerquartier der Kleinen Hufeisennase, einer winzigen Fledermausart, entdeckt worden. Damit war nach über 25 Jahren erstmals wieder der Nachweis gelungen, dass die Art in Oberfranken noch ihre Jungen zur Welt bringt. Nun konnten in Waischenfeld, Neustädtlein und anderen Orten sechs Tages- und fünf Nachtquartiere dieser in vielen Gegenden Deutschlands verschwundenen Tiere aufgespürt werden.
Ehrenamtliche Naturschützer und Fledermausfreunde, Höhlenforscher und Biologen waren nach dem letztjährigen Sensationsfund gemeinsam tage- und nächtelang in Höhlen und alten Sandsteinkellern auf die Suche nach Kleinen Hufeisennasen gegangen. Es gelang ihnen mithilfe aufwendiger technischer Ausrüstung und aufgrund wertvoller Hinweise aus der Bevölkerung, drei Exemplare zu fangen und mit winzigsten Sendern im Rückenfell zu versehen. Mittels der Sendersignale konnten sie die Tiere dann auf ihren nächtlichen Flügen verfolgen. Die Untersuchungen sind Teil eines Biodiversitätsprojekts, das Gerhard Bergner von der Regierung von Oberfranken koordiniert.
Dafür, dass die wohl seltenste Fledermausart Nordbayerns in der Fränkischen Schweiz eine Zukunft hat, ist die Kenntnis ihrer Quartiere von unschätzbarem Wert. Nur wenn bekannt ist, wo die Tiere leben und ihre Jungen zur Welt bringen, können Verluste durch Störungen und Zerstörung ihres Lebensraumes vermieden und den Tieren weitere geeignete Unterschlupfe angeboten werden.
Zum Schutz von Fledermäusen bei Gebäudesanierungen stehen Fördermittel zur Verfügung, wie Matthias Hammer von der Koordinationsstelle für Fledermausschutz Nordbayern in Erlangen betont. Nikolaus Lange bietet die Hilfe der unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt Bayreuth an: "Wir unterstützen die Bürger, wo wir können, um den Fledermäusen geeignete Quartiere zu gewähren." Das bayerische Umweltministerium vergibt die Plakette "Fledermäuse willkommen". Die erhält, wer Fledermäusen aktiv Quartiere anbietet.
Kleine Hufeisennasen leben sehr versteckt. Im Winter, tagsüber auch im Sommer, hängen sie geschützt in Karsthöhlen oder Kellern. Aber gerade die Weibchen benötigen warme Plätze wie Dachböden oder Heizungskeller, um dort von Mai bis August ihre Jungen aufzuziehen. Vor allem ungenutzte Dachböden von Kirchen, Schlössern oder Bauerngehöften mit Scheunen sind hierfür geeignet, wenn die Fledermäuse frei einfliegen können. Interessant sind auch alte Bier- oder Gewölbekeller, die die Fledermäuse zum Winterschlaf beziehen. Ihren Namen erhielten die nur daumengroßen Tiere übrigens nach ihrer Nase, die die Form eines Hufeisens hat. In Ruhestellung hüllen sie sich meist komplett in ihre Flughäute ein und sehen dann aus wie ein kleiner zusammengefalteter Regenschirm oder eine vertrocknete Birne. red

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