Wallenfels
Wald 

Naturwunder im Frankenwald

Noch heute pilgern Naturfreunde zum ehemaligen Standort des "Großvaters". Seine Maße waren nicht nur für damalige Zeiten mächtig.
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Die Archivaufnahme zeigt den greisen "Großvater" im Jahr 1904.
Die Archivaufnahme zeigt den greisen "Großvater" im Jahr 1904.
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Das historische "Bamberger Brücklein" anno 1773 bei Kleinthiemitz ist wie geschaffen als Ausgangspunkt zu den Naturwundern des Frankenwaldes. Zu ihnen gehören der älteste Baum des Frankenwaldes, die "Eibe vom Breitengrund", und der einst höchste und mächtigste Baum des Frankenwaldes, der legendäre "Großvater".
Die sagenumwobene Weißtanne auf dem 643 Meter hohen Bergrücken zwischen Thiemitz und Lamitz, nahe der Burgruine Hohenrod, erreichte ein Alter von über 400 Jahren. Der Baumriese überraschte alle Besucher mit schier unvorstellbaren Daten aus seiner patriarchalischen Biografie: So betrug die Höhe der wohl gewaltigsten Frankenwaldtanne genau 42 Meter, ihr mittlerer Durchmesser 1,70 Meter und ihr Umfang in Brusthöhe fast sechs Meter. Vier erwachsene Männer konnten sie nicht umspannen. Erfahrene Forstleute schätzten, dass sie eine Fläche von mehr als 200 Quadratmetern überschattete. Ihr Rauminhalt wurde im Jahr 1886 auf rund 34 Kubikmeter berechnet, das entsprach 45 Ster Holz.
Vielen Stürmen hatte der greise "Großvater" getrotzt, auch dem Orkan im Frühjahr 1869, der einen wahren Gräuel der Verwüstung hinterließ. Zwei neu errichtete Dampfsägewerke im Thiemitztal brauchten damals fast sechs Jahre, um die niedergebrochene Holzmenge zu verarbeiten.
Im März 1918 fand auch der "Titan des Frankenwaldes" bei einem verheerenden Sturm sein jähes Ende. Fast 60 Jahre zeugten die vermodernden Reste des Stammes von seiner Größe. Noch heute pilgern zahlreiche Heimat- und Naturfreunde zu jenem Standort, den der Volksmund mit Sagen und Märchen bestückte. So sollen im Dreißigjährigen Krieg die Schweden und im Jahr 1806 sogar Napoleon Bonaparte auf dem Feldzug gegen die preußische Armee im Schatten seiner mächtigen Krone geruht haben.
Am Osthang des Thiemitztales steht auf 470 Meter Höhe der älteste Baum des Frankenwal-des, die 900 Jahre alte "Eibe vom Breitengrund". Ihr Ursprung führt zurück in die Zeit von Friedrich Barbarossa, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. In der unermesslichen Einsamkeit des alten "Nordwaldes" hausten Bären und Wölfe. Aus dem Mainfränkischen kommende Siedler begannen mit ersten Rodungsarbeiten ... Doch lassen wir die Eibe selbst zu Wort kommen:

"Geschafft! Du bist hier! Hast du mich gleich erkannt? Ich habe mich ein bisschen versteckt. Ich weiß, ich bin eher unscheinbar. Vielleicht auch nicht so, wie du es dir vorgestellt hast, aber glaub mir, ich bin uralt und ziemlich selten. Oder hast du jemanden wie mich schon einmal gesehen?
Vor circa 900 Jahren fing alles an. So alt bin ich nämlich schon. Also im 12. Jahrhundert, zur Zeit der Kreuzzüge, als hier kaum ein Mensch lebte. Das macht mich zum Teil des Urwaldes und zum ältesten Baum des Frankenwaldes!
Ich wachse einfach super langsam. Das macht mein Holz extrem strapazierfähig und hart. Mein Wurzelwachstum hat Priorität, deswegen wachse ich die ersten hundert Jahre auch kaum in die Höhe. Verliere ich meinen Stamm, wachse ich einfach aus meinem Wurzelgeflecht wieder heraus. Das dauert allerdings.
Heute gehöre ich neben der Schwarzpappel zum einzigen Baum Deutschlands, der unter Naturschutz steht. Meine Eigenschaft als Bogenholz und meine Giftigkeit haben dem deutschen Bestand ziemlich zugesetzt. Deshalb bin ich etwas ganz Besonderes. Mein Versteck hier im Thiemitztal abseits von Menschen und Feldern hat mir sicherlich auch das Leben gerettet."


Danke, altehrwürdige Eibe, für Deine lehrreiche Lebensbeschreibung! Ein Baum wie du ist einfach einzigartig!
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