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Lichtenfels
Amtsgericht 

Nächtliches Gerangel mit der Polizei

Ein 40-jähriger Alkoholiker hatte sich vor allem mit einer Ordnungshüterin angelegt und bekam jetzt die Quittung dafür.
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In Fußfesseln wurde der Angeklagte von Justizbeamten in Lichtenfels dem Richter vorgeführt. Foto: Christopher Schulz
In Fußfesseln wurde der Angeklagte von Justizbeamten in Lichtenfels dem Richter vorgeführt. Foto: Christopher Schulz
Wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte hatte sich am Donnerstag im Amtsgericht ein 40-jähriger Mann zu verantworten. In Fußfesseln wurde er aus der Justizvollzugsanstalt Kronach herbeigeschafft. Was den Prozess besonders machte, waren die Drohungen, welche der Angeklagte seinerzeit gegen eine ihn festnehmende Polizeibeamtin ausstieß.
Im Grunde wirkte der groß gewachsene Mann in Häftlingskleidung nicht gewalttätig. Dass er das von Haus aus auch nicht sei, versicherte er gegenüber Richter Stefan Hoffmann. Der brachte darauf eine Bemerkung an, die zwischen Humor und nüchterner Feststellung zu lavieren schien: "Das sieht man an ihren Vorstrafen." Sechs Vorstrafen hatte der Mann auf dem Kerbholz, was ihn nicht gerade als unbeschriebenes Blatt darstellte. Und doch waren unter den Vorstrafen zwischen Leistungserschleichung, Diebstahl und Betäubungsmittelvergehen keine, die mit Gewalttätigkeit ausgeübt wurden. Doch zu drohen und zu ängstigen verstand der Mann. Das brachte ihm auch ein, dass er sich in gebührendem Abstand zu seiner Ex-Lebensgefährtin zu bewegen habe. Gewaltschutzgesetz.


Nächtliches Gerangel

Gegen diese gerichtliche Vorgabe verstieß der Mann am 8. Juni 2016 in Burgkunstadt gleich zweimal. Beim ersten Mal um 22.40 Uhr wurde er darum von einer Polizeistreife gemaßregelt und damit hatte es sich. Doch knapp zwei Stunden später randalierte er wieder bei seiner einstigen Freundin. Nun beabsichtigte die nahende Polizeistreife den Mann festzusetzen. Der aber "kam drohend auf uns zu", so der Beamte im Zeugenstand. Eben dabei kam es dann zu einem nächtlichen Gerangel, zum Einsatz von Pfefferspray, zu Drohungen, Blutergüssen und Schürfwunden.
Leidtragende in besonderem Maße war eine 37-jährige Polizistin aus Lichtenfels. "Wir hatten die Mitteilung, wonach der Mann bei seiner Ex-Freundin randaliert", erinnerte sich die Frau. Auch wusste die Polizei, dass sich der Mann mangels Wohnsitz gerne mal bei einem Bruderpaar in Burgkunstadt aufhielt. Als die Streife abermals bei der Wohnung vorfuhr, sei er in den rückwärtig gelegenen Garten gesprungen und habe sich dort versteckt. In der Dunkelheit spürte die Streife den Mann auf und erklärte ihm, dass er nun in Gewahrsam sei und mitzukommen habe. Der Mann aber weigerte sich und setzte sich zur Wehr. Sogar aus einer Fixierung vermochte er sich zu befreien. Den Polizeibeamten konnte er abschütteln und widmete sich hernach der Polizeibeamtin, wobei er ihr einen Bluterguss und Schürfwunden zufügte. Die Beamtin zückte ihr Pfefferspray, sprayte in Richtung des Kopfes und wurde bald stutzig, da "er darauf nicht reagierte", aber dennoch von ihr abließ. Zwischenzeitlich aber tat er Äußerungen, welche die Beamtin als Drohung auffassen musste; dass er wisse, wo sie wohne, er ihre Telefonnummer habe und sie ihre Wohnung absperren solle, so sie nicht von ihm besucht werden wollte.
"Ich trinke seit meinem zwölften Lebensjahr", erklärte der Beschuldigte und gestand ein, Alkoholiker zu sein. Die Bedrohungen habe er nicht wirklich ernst gemeint, so der Mann, der tief in seine Kindheit blicken ließ. Sein Vater habe sich umgebracht, als er noch ein Kind war. Das sei ausschlaggebend für seinen Alkoholismus und manch anderes gewesen.
"Haben Sie die Drohung ernst genommen?", wollte Staatsanwalt Timm Hain von der Polizistin wissen. "Ja", entgegnete diese spontan. Die Entschuldigung des in Fußfesseln unweit von ihr sitzenden Mannes nahm sie an, allerdings beiläufig. Noch bis zum kommenden März muss der Angeklagte einsitzen. Das und der Umstand, wonach er lediglich geringe Aussicht auf einen Job habe, bewertete Hain als "nicht günstige Sozialprognose". Noch viel mehr aber stellte er in seinem Plädoyer heraus, dass der 40-Jährige einschlägig vorbestraft ist und seinen Widerstand während eines Zeitraums offener Bewährung leistete. Fünf Monate Haft ohne Bewährung forderte Hain darum.


Um mildes Urteil gebeten

Rechtsanwalt Albrecht von Imhoff vertrat den Angeklagten und verwies auf den Umstand, dass die von seinem Mandanten angerichteten Folgen bei den Polizeibeamten weniger massiv ausfielen, als von einem rabiaten "Körperverletzer". Er bat um ein milderes Urteil als die fünf Monate Haft. Das sollte sich einstellen. Auf drei Monate Haft ohne Bewährung erkannte RichterHoffmann. Ein Urteil, bei dem er hervorhob, dass es "vergleichsweise milde angesetzt" sei. Eben auch darum wurde es auf Anraten von Imhoffs von dessen Mandant akzeptiert.

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