Bad Kissingen

Mögen die Spiele enden

Von der ersten bis zur vierten Klasse kam ich in den Genuss dieser im besonderen Maße pädagogisch wertvollen Schulbank-Alternative. Vier ehrwürdige Teilnehmerurkunden staubte ich a...
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Von der ersten bis zur vierten Klasse kam ich in den Genuss dieser im besonderen Maße pädagogisch wertvollen Schulbank-Alternative. Vier ehrwürdige Teilnehmerurkunden staubte ich ab. An Tagen, an denen es durchschnittlich 35 Grad hatte - mindestens und im Schatten versteht sich. Schützende dunkle Flecken waren im baden-württembergischen Osterholzstadion aber nicht zu finden, schon gar nicht am Tag der Bundesjugendspiele. Aber wer rechnet im Juli, im Sommer, schon mit einer Temperaturexplosion?! Den Wetter- oder vielmehr Planungskapriolen irgendwelcher Minister sei dank, fuhren deshalb 99 Prozent der Eltern am Morgen der Bundesjugendspiele ihre Schützlinge sicherheitshalber mit dem Auto ins Stadion ... der Buckel zum Sportplatz hinauf sollte die Mitschüler schließlich nicht schon vor den Wettkämpfen ins Schwitzen bringen. Noch fürsorglicher waren nur die Eltern, denen es morgens am Telefonhörer selbst die Schweißperlen auf die Stirn trieb: "Also meine Lisa, die hat heute Kopfschmerzen. Ganz starke. Wirklich." Bauchschmerzen waren es wohl eher, ... waren es aber vielleicht auch schon im Jahr zuvor.
Die Wertlosigkeit von Teilnehmerurkunden keimt im Konzept so genannter Sport-"Spiel"-Tage. Es "soll auf eine Frühspezialisierung und Einengung in ein zu starres Regelwerk verzichtet werden", heißt es offiziell. Und deshalb wird der sportliche Einsatz - ob beim Sprinten oder Springen - in der brütenden Hitze nach Tabellen bewertet, aha. Im Ernst: Auf die Barrikaden, meckern, los! Gegen einen Tag, der kindlichen Bewegungsdrang in vorgefertigte Leistungstabellen zwängt. Und: Für ein Bewegungsprojekt, das beim Thema "Ernährung" im Heimat- und Sachunterricht beginnt.

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