Ebern
Betrug 

Mitleid kennt sie nur für sich

Vier Jahre muss eine 64-Jährige hinter Gitter. Die Frau hatte im Landkreis Haßberge und darüber hinaus als Finanzberaterin Kunden um ihr Erspartes gebracht. Das Landgericht in Hof blieb unter der Forderung des Staatsanwalts.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das Hofer Landgericht hat eine 64-jährige Finanzberaterin aus dem Landkreis Haßberge zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Das Strafmaß lag ein Jahr unter der Forderung der Staatsanwaltschaft Hof. Der Verteidiger hatte eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren beantragt.


Vertrauensselige Geber

Die Frau, die heute in München wohnt, wurde in 54 Fällen des Betrugs, außerdem der veruntreuenden Unterschlagung und der falschen Versicherung an Eides statt schuldig gesprochen. Sie hatte zahlreiche ehemalige Kunden schwer geschädigt, indem sie sich von ihnen Privatdarlehen geben ließ, von denen sie wusste, dass sie sie nicht mehr würde zurückzahlen können.
Dabei hatte die ausgebildete Bilanzbuchhalterin über Jahre exzellent verdient. Als hochrangige Angestellte von Anlageberatungsfirmen bezog sie Monatseinkommen zwischen 25 000 und 35 000 Euro. Als noch die Aufgabe einer geschäftsführenden Gesellschafterin einer Werkzeugfabrik im Landkreis Haßberge hinzukam, war die Frau allerdings völlig überfordert und überlastet. Immer schneller und höher türmten sich die Schulden auf. Spätestens zum Jahresende 2008 war sie überschuldet, hatte später ein Sachverständiger ermittelt.
Hätte sie damals einen Strich gezogen und die Privatinsolvenz angemeldet, dann wäre sie heute schon wieder schuldenfrei, hatte ihr Verteidiger in seinem Plädoyer dargelegt. Die heute 64-Jährige fasste aber den fatalen Entschluss, irgendwie weiterzumachen. Dazu, so Vorsitzender Richter Matthias Burghardt, habe sie "auf schändliche Weise" das Vertrauen missbraucht, das ihre Kunden in langen Jahren zu ihr gefasst hatten. Außerdem habe sie genaue Informationen über die finanzielle Lage und die Möglichkeiten ihrer künftigen Opfer gehabt.
Die Finanzberaterin sprach sie seit dem September 2009 an und offenbarte, dass sie in finanziellen Schwierigkeiten sei. Die seien jedoch vorübergehender Art, weil sie große Einnahmen aus Rückzahlungen des Finanzamtes erwarte. Dies war unwahr. Viele der Kunden und Bekannten, die der 65-Jährigen mit Krediten halfen, lösten dafür sogar lohnende Anlagen und Lebensversicherungen auf. Sie alle verloren ihr Geld vollständig oder zumindest zum allergrößten Teil.
In seiner Urteilsbegründung nannte Vorsitzender Richter Matthias Burghardt die Beispiele von Kreditgebern, die von den Verlusten besonders getroffen wurden. So musste ein Rentner nun ein Darlehen für seine Eigentumswohnung aufnehmen und kann seine Kinder nicht mehr unterstützen. Eine Ärztin aus dem Landkreis Wunsiedel verlor fast eine halbe Million Euro, die aus der Lebensversicherung ihres verstorbenen Ehemannes stammte. Heute weiß sie nicht, wie sie die Betreuung ihres ins Koma gefallenen Sohnes weiterhin bezahlen soll.


Heute Hartz IV

Besonders hart wurde auch eine ehemalige Bekannte getroffen, die der 64-Jährigen Gold- und Silberbarren im Wert von über 100 000 Euro zur kurzfristigen Einlagerung in den Safe überlassen hatte. Das Edelmetall hatte die 59-jährige, schwer gehbehinderte Arztgattin von ihrem Ehemann bei der Trennung als wichtigen Beitrag für ihre Altersversorgung erhalten. Schon Tage später verschwanden Gold und Silber. Einen Goldbarren verkaufte die Frau an die Liechtensteiner Landesbank.
Der Rest ging an eine Betrugsfirma, für die die 64-Jährige damals auf Provisionsbasis tätig war. Ihre damalige Freundin lebt heute von Leistungen nach Hartz IV.
Richter Burghardt kritisierte besonders, dass sich die Verurteilte im Gerichtssaal nicht bei einem einzigen ihrer Opfer entschuldigt habe. Dafür habe sie "einen dreisten Versuch gestartet, die Gerichtskammer noch in der Hauptverhandlung zu täuschen". Sie reichte gefälschte Bestätigungen und Mails ein, wonach die Opfer erklärten, keine Ansprüche mehr gegen sie zu haben. Als die Schreiben später im Gerichtssaal verlesen wurden, fielen die Kreditgeber aus allen Wolken.
Das Gericht hielt der Finanzberaterin zugute, dass sie am ersten Verhandlungstag ein weitreichendes Geständnis abgelegt hatte. Zudem seien ihr die Taten von den vertrauensseligen Kunden sehr leicht gemacht worden. Die Frau sei nicht nur wegen ihres fortgeschrittenen Alters in einer schwierigen Lage; ihr jahrzehntelanger Lebensgefährte habe Suizid begangen, kurz nachdem die Ermittlungen begonnen hatten.
Auf der anderen Seite habe die Frau aber "noch nicht einmal im Ansatz begonnen", einzuräumen, dass sie an den Taten und dem Schaden ihrer ehemaligen Kunden schuld sei. Mitleid kenne sie nur mit sich selbst. Schon aus diesem Grund sei eine Freiheitsstrafe unumgänglich.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren