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Schweinfurt

Mit "unbedingtem Vernichtungswillen" getötet: lebenslänglich

VON Hannes Helferich Schweinfurt — Yusuf Cevik (72) aus Schweinfurt muss wegen der Tötung seiner Ehefrau lebenslang hinter Gitter. Das Schwurgericht sah bei der Urteilsverkündung a...
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VON Hannes Helferich

Schweinfurt — Yusuf Cevik (72) aus Schweinfurt muss wegen der Tötung seiner Ehefrau lebenslang hinter Gitter. Das Schwurgericht sah bei der Urteilsverkündung am Mittwoch die Mordmerkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe als erfüllt an, verneinte aber die besondere Schwere der Schuld.
Vorsitzender Erik Ohlenschlager sprach von einer außergewöhnlichen Tat, weil ein bisher unbescholtener Bürger seine Frau und die Mutter der vier Kinder mit unbedingtem Vernichtungswillen getötet habe. Die Frau des 72-Jährigen hatte am 3. März 2014 um 10.20 Uhr am Roßmarkt auf ihren Bus in den Stadtteil Bergl gewartet, wo der Angeklagte sie zuvor in der Wohnung gesucht hatte. Er fuhr daraufhin in die City. Als er die in einem Wartehaus sitzende Ehefrau entdeckte, sei er in feindseliger Absicht an sie herangetreten, habe ihren Rollator umgestoßen und ihr in klarer Tötungsabsicht das mitgeführte Küchenmesser viermal wuchtig in den Bauch gestoßen.
Die 61-Jährige habe angesichts der Menschenmenge und des Zeitpunkts der Tat nicht damit rechnen können, dass ihr Mann sie "im Rahmen einer Bestrafungsaktion für sein eigenes Fehlverhalten richtet", stellte Ohlenschlager klar. Das Opfer war drei Wochen später an den Folgen der Messerattacke gestorben.
Cevik war 1973 als Gastarbeiter aus der Türkei nach Schweinfurt gekommen. 15 Jahre unterhielt er eine Beziehung zu einer deutschen Frau, laut Gericht stets missbilligt von der Ehefrau. Diese kam mit Kindern Ende der 1980er Jahre nach. Es gab immer Spannungen.
Nach einem weiteren Streit mit Todesdrohung im Dezember 2013 warf sie ihren Mann aus der Wohnung am Bergl. Er lebte von da an in der städtischen Obdachlosenunterkunft, was laut Gericht das Motiv für seinen sich steigernden Hass und den Tötungsbeschluss war.
Die Einlassung Ceviks, er habe die Ehefrau zufällig am Roßmarkt getroffen, könne sich an die Tat nicht erinnern und habe das Messer nur zur Selbstverteidigung dabei, bewertete das Schwurgericht als Schutzbehauptung. Mehreren Zeugen gegenüber habe er seine Genugtuung über die Bluttat geäußert und gesagt, dass sie sterben soll: "Wollte ich, dass Frau sterben wird".
"Der Angeklagte hat sich zum Herr über Leben und Tod gemacht", sagte Ohlenschlager. Die Verteidigerin, die letzte Woche auf Totschlag plädiert hatte, will Rechtsmittel gegen das Urteil prüfen.

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