Ebensfeld

Mit offenen Augen durch die Natur

Exkursion  Ob Distel, Kletterpflanze oder Schwarzspecht: Bei einer Wanderung der "Bayern Tour Natur" war Interessantes zu sehen.
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Karde nennt sich dieses distelähnliche Gewächs. Es wird gerade im Hintergrund besprochen.  Foto: Markus Häggberg
Karde nennt sich dieses distelähnliche Gewächs. Es wird gerade im Hintergrund besprochen. Foto: Markus Häggberg
von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Krögelhof — Die Lupe ist das entscheidende Detail. Und so sinnig. Man soll nämlich genau hinschauen, darum geht es dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit bei seiner Aktion "Bayern Tour Natur". So viel zur Umwelt. Aber die Wege, die zur und in die Natur führen, müssen beschritten werden. Das ist der gesundheitliche Aspekt dieser Veranstaltungen.
12,5 Kilometer, das ist lang. Wolfgang Hüttner bietet 20 solcher Touren in der Heimat pro Jahr auch im Zusammengehen mit der Kurverwaltung Bad Staffelstein an. Damit käme er wandernd von hier bis kurz vor München. Der 69-Jährige aus Bad Staffelstein hat Zeit, ist rüstig genug, und erklären kann er auch. Am Samstag folgten ihm über 20 Wanderfreunde von Krögelhof nach Krögelhof, auf eine große Runde zwischen Informationen und Staunen.
Seit 15 Jahren ist dem Ministerium daran gelegen, zwischen April und Oktober Interessierten die eigene Heimat auf Touren wie diesen schmackhaft zu machen. Bei Hüttner ist das Interesse schon weit davor vorhanden gewesen, beruht auf Kindheitserlebnissen, und im Grunde ist er im besten Sinne familiär vorbelastet. Der Opa war Fluraufseher, "er hat mich immer in die Natur mitgenommen". Trotzdem gehört mehr dazu, den Frauentäubling nicht mit dem Anistrichterling zu verwechseln. Das gilt für das Pilzreich. Gleiches gilt für Wildfrüchte, und mit Rauchschwalben oder Ackerhummeln kennt sich der einstige Schreiner auch aus. Klar, dass er auch Bäumen nahe steht. Seit über 30 Jahren wandert der Mann mit Lust am Lernen und Erfassen natürlicher Zusammenhänge. Manchmal sind 20, manchmal auch 40 Personen bei seinen Exkursionen dabei.
An der Küpser Linde passiert es: Ein Landschaftspfleger aus Kulmbach, selbst firm in Sachen Natur, erspäht erstmalig einen Schwarzspecht. Addiert man zu seinem Beruf noch die Dienstjahre des im mittleren Alter befindlichen Mannes, bedeutet das eine Besonderheit. 12,5 Kilometer bedeuten für Hüttner Auffälligkeiten aller Art: Kletterpflanzen, die einen Baum wie eine Boa abwürgen, Malve am Wegesrand, für Tee tauglich, Nistkästen, die schon von außen davon erzählen können, welche Vogelarten in ihnen wohnen. 50 davon hat der Rentner selbst angefertigt, aufgehängt, ausgewechselt. Vielfalt entdecken steht aufgedruckt auf den sechs Sorten Faltheften, die Hüttner zur Genüge dabei hat und austeilt.
Auf den Lupen steht noch etwas - eine Zentimeterskala zum korrekten Erfassen des Gesehenen. Auffallend an den Wanderfreunden ist, dass es zumeist Wanderfreundinnen im höheren Alter sind. Sie sind das Wandern gewohnt, mitunter selbst gut in Sachen Pflanzen und Tiere orientiert.
Auf dem Marienberg wird eingekehrt. Hier ist man schon im Bamberger Landkreis und gut 40 Meter über dem Staffelberg, der nordwestlich voraus zu sehen ist. Auch der Umstand, dass dieser Marienberg einst Raketenbasis der Nato war, macht dieses Etappenziel besonders. Nach fünf Stunden hat das Wandern ein Ende, Krögelhof kommt wieder in Sicht, man wird müde. Aber es war gelebte Zeit, informativ und gesellig. Und gesundheitsfördernd.
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