Bamberg

Mit oder ohne

Die Rettl hat heute ein paar Brilln-Gschichtla parat.
Artikel drucken Artikel einbetten
No, so wos! Wos mä alläs in Italien äfährt! Während eine Osterurlaubs besuchten wir in Treviso auch den berühmten Kapitelsaal des ehemaligen Dominikanerklosters aus dem 13. Jahrhundert. Eine Wand zeigt Porträts von 40 damals bekannten, gelehrten Dominikanern, unter ihnen auch Bischöfe und Kardinäle aus dem Orden.
Der 26-jährige Maler Tommaso war aus Modena herbeigerufen worden, um jeden einzelnen Gelehrten in seiner Zelle darzustellen: zeichnend, lesend, schreibend, in einem Buch blätternd, meditierend. Dabei hatte der junge Maler gar kein Gegenüber - nur den jeweiligen Namen. Die Darstellung entsprang allein seiner Vorstellungskraft. Und kaum glaublich, keiner der Gelehrten gleicht dem andern. Aber da! Der Kardinal Hugo von Provence trägt wirklich - eine Brille. Auf einem Täfelchen daneben ist vermerkt: "Erstes bekanntes Bild einer Brille mit zwei Gläsern - 1352".


Hühnä statt Hunde

Do hob ich miä gädocht: Und do däzu könnest eichentlich a poä Brilln-Gschichtla schreiben, wennst widdä däham bist. Und da fällt mir bald die Veronika ein: akademisch gebildet, gut aussehend, aber kurzsichtig. Deswechä hot sie aa örscht mit 40 en Führäschein gämacht. Und weil sie auf Nummer sicher gehen wollte, nahm sie auch gleich die doppelte Anzahl von Fahrstunden. Eines Sonntags machten wir mit unseren Familien einen Ausflug in die Fränkische Schweiz. Kaum war die Veronika aus ihrem Auto ausgestiegen, hot sie gleich ihr Brilln runter. "Zum Wandern brauch ich die sicher nicht! Ich kann mich mit Brille einfach nicht sehen." (Damals - vor etwa 40 Jahren - waren die Brillen ja auch nicht besonders kleidsam!) Nach einer guten Stunde kamen wir zu einem Dorf.
Plötzlich bleibt die Veronika stehen und schreit entsetzt: "Ich geh keinen Schritt mehr weiter! Da kommt ja ein ganzes Rudel Hunde auf uns zu!" Sie hatte nämlich große Angst vor frei laufenden Hunden. Miä hom uns irritiert umgschaut: Do kummt a Schoä Hühnä auf uns zu! "Dei Hünd belln ja goä net!", hot ihä Moo zu deä Veronika gsocht und hot gälacht: "Vielleicht sollest doch dei Brilln auflossn!"
Und jetzt geht's noch mal weiter zurück in die 1930er Jahre. Da musste ein Landpfarrer aus dem Steigerwald den Bamberger Weihbischof aufsuchen, der gleichzeitig Generalvikar war. Er hot nämlich a Dispens gäbraucht. Der Gang ist ihm recht hart angekommen, der hohe Herr war dafür bekannt, dass er nicht nur mit Kaplänen, sondern auch mit Pfarrern sehr schroff, ja grob umging. "Exzellenz", hat der Pfarrer zaghaft angefangen, "ich siech fast goä nix mehä!" Sein Gegenüber unterbrach ihn schroff: "Sprechen Sie hochdeutsch, Sie sind hier nicht daheim unter Ihren Bauern!" Der Bittsteller erklärte stockend, dass er nicht einmal mehr die groß gedruckten Messbücher lesen könnte, und das trotz seiner extrastarken Brille. Die hot eä gleich vo seinä Nosn runtä und hot sie dem Weihbischof hiighaltn. Auch eine Operation für sein Augenleiden sei leider nicht möglich. "Wenn ich halt immer das gleiche Messformular verwenden dürfte, vielleicht einen Marientext! Den kann ich nämlich auswendig!" Das gefiel seinem Vorgesetzten gar nicht und er hatte dies und das einzuwenden. Aber was wollte er machen? Schließlich musste er doch - mangels Alternativen - zustimmen und der Pfarrer bedankte sich erleichtert.
Als er sich höflich, mit dem Rücken zur Tür, entfernen wollte, sagte der Weihbischof noch grollend: "Aber mich können Sie mit Ihrer starken Brille doch noch sehen?" "Gewiss, gewiss, Euer Exzellenz, gröbere Gegenstände kann ich noch gut erkennen, sogoä ohna Brilln!"

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren