Kulmbach

Mit Geduld und guten Argumenten

Interview  Silke Launert macht sich derzeit als oberfränkische CSU-Bundestagsabgeordnete für härtere Strafen bei Kinderpornografie stark. Die aus Untersteinach stammende Politikerin möchte aber alle Anliegen im Blick behalten.
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Kulmbach — Vor einem Jahr wurde Silke Launert, Richterin am Landgericht Hof, über die CSU-Landesliste in den Bundestag gewählt. Mit der BR spricht die 37-Jährige, die in Hof lebt, über ihre politische Motivation, ihre Erfahrungen in Berlin, das Dilemma der Ortsumgehung Untersteinach/Kauerndorf und ihren Kampf gegen Kinderpornografie.

Sie waren vor Ihrer Wahl in den Bundestag als Staatsanwältin und Richterin tätig. Was hat Sie denn in die Politik getrieben?
Silke Launert: Mein Erstkontakt kam durch meinen früheren Partner, der politisch sehr engagiert war. Dazu kam, dass ich mich als Juristin oft über die eine oder andere Formulierung in Gesetzestexten geärgert habe. Diese ist oft entscheidend, ob man vor Gericht Gerechtigkeit bekommt oder nicht. Mein Schlüsselerlebnis war, als mein Mann sagte: "Du kannst dich aufregen oder versuchen, was zu ändern." Ich dachte, eigentlich hat er Recht. Also habe ich es probiert, obwohl ich meine Chancen gering eingeschätzt habe. Doch dann hat es geklappt, dass ich über die CSU-Landesliste in den Bundestag gewählt worden bin.

Was ist Ihre Motivation für die tägliche politische Arbeit?
Ich war schon immer eine Gerechtigkeitskämpferin. Deshalb wollte ich auch nicht in eine internationale Großkanzlei, sondern Richterin werden. Ich habe ein starkes Verantwortungsbewusstsein, das Gefühl, ich muss meinen Teil mit leisten.

Welche Bilanz ziehen Sie nach einem Jahr im Bundestag?
Das war ein Jahr, in dem ich sehr viel gelernt habe. Es ist spannend zu sehen, was man beeinflussen kann und was nicht. Man arbeitet mit sehr unterschiedlichen Menschen zusammen.
Interessant ist übrigens auch, wie die Umwelt auf meine veränderte Position reagiert. Es gibt Leute, die rollen plötzlich für mich den roten Teppich aus, und es gibt andere, die suchen jede Möglichkeit, mich zu kritisieren. Ich habe schnell gemerkt: Als Politiker wird man oft in eine Schublade geschoben. Zwei Drittel der Leute sind gegen einen, nur weil man einer anderen Partei angehört.
Trotzdem: Die Sacharbeit macht mir riesig Spaß, und es gefällt mir, wenigstens in Details ein bisschen mitreden und Dinge, die mich stören, verändern zu können. Dafür braucht man Geduld, Fingerspitzengefühl und gute Argumente.

Als Untersteinacherin ist Ihnen das Thema Ortsumgehung Untersteinach/Kauerndorf nicht fremd. Haben Sie Verständnis dafür, wenn Bürger dort sauer sind, weil sich seit Jahrzehnten nichts tut?
Ja, ich kann das absolut nachvollziehen.

Gibt's eine Lösung?
Es bleibt schwierig. Untersteinach hat die beste Stufe im Bundesverkehrswegeplan erreicht und deshalb Vorrang vor anderen Projekten. Aber es gibt noch viele weitere Projekte auf derselben Stufe. Deshalb steht die Umsetzung unter dem Finanzierungsvorbehalt. Der Knackpunkt ist, dass diese Umgehung extrem teuer ist: 80 bis 100 Millionen Euro sind ein Riesenbatzen Geld. Alle Abgeordneten der Region kämpfen dafür und werden da auch nicht lockerlassen. Aber wir alle können nicht mehr tun, als stetig darauf hinzuweisen, dass es höchste Zeit ist, dass wir endlich an der Reihe sind.

Sie haben sich auf familien- und sicherheitspolitische Themen spezialisiert - da geht es um Cyberkriminalität, Kinderpornografie und Menschenhandel. Sind das Themen, die in unserer beschaulichen Region zwischen Kulmbach und Hof eine große Rolle spielen?
Nehmen wir das Beispiel Kinderpornografie und Kindesmissbrauch. Ich war bei der Staatsanwaltschaft dafür eine Weile zuständig. Schon in der Staatsanwaltschaft Hof gibt es nicht wenige Fälle. Und das, was bei der Staatsanwaltschaft landet, ist nur ein Bruchteil dessen, was es gibt.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Kinderpornografie und Kindesmissbrauch?
Erfahrungen der Praxis legen diesen nahe. Wie hoch die Quote derer ist, die Kinderpornografie konsumieren und später übergriffig werden, weiß man nicht genau. Die rumänischen Kinder auf dem kinderpornografischen Material sind für uns weit weg, aber wenn Pädophile bei uns ihre Fantasie in der Praxis ausleben, dann tun sie das mit dem Kind in der Nachbarschaft oder im heimischen Turnverein. Vielleicht ist es nur einer von hundert, der schwach wird, vielleicht sind es zehn. Aber der Pädophile will ja nicht nur einmal in seinem Leben Sex. Da kann man sich vorstellen, wie viele Opfer es gibt.

Ein Punkt, der Ihnen wichtig ist, wie es auf Ihrer Homepage heißt, ist die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse. Was tun Sie denn dafür?
Ich komme selbst vom Dorf und schätze die hohe Lebensqualität in Oberfranken. Ich halte es nicht für sinnvoll, dass alle Menschen in Ballungsgebiete ziehen. Dadurch werden die Mieten dort immer teurer, ein Eigenheim mit Garten unfinanzierbar und der Verkehr immer belastender.

Welche Unterstützung bieten Sie?
Man kann nach Geld rufen, aber das macht die Situation auf Dauer nicht leichter. Wir müssen es schaffen, dass sich aus der Region heraus etwas bewegt. Ich nehme gerne Unternehmer zu bestimmten Events mit, wo sie Kontakte knüpfen können.

Das Gespräch führten Dagmar Besand und Alexander Müller.
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