Haßfurt

Mit Drogengeld um die Welt

Urteil  Ein 27-Jähriger wollte mit dem Verkauf von Marihuana eine sechsmonatige Reise finanzieren. Das ging schief: Stattdessen wurde er vor dem Schöffengericht Haßfurt jetzt zu einer 18-monatigen Haftstrafe auf Bewährung verdonnert.
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von unserem Mitarbeiter Manfred Wagner

Haßfurt — Frisch rasiert, glatt gebügeltes Hemd, wacher Blick, klare Stimme, keine Vorstrafe - der junge Mann (27 Jahre) auf der Anklagebank passt so gar nicht zu dem Bild, das man sich gemeinhin von einem Drogendealer macht. Und doch handelte der ledige Angeklagte mit erklecklichen Mengen an Rauschgift. Das Haßfurter Schöffengericht verurteilte den 27-Jährigen deshalb zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung.
Es war irgendwann im Dezember 2013, als jemand dem jetzt Angeklagten mehr als 500 Gramm Marihuana zu einem günstigen Preis anbot. Die Aussicht, mit dem Verkauf des Grases, wie der Stoff im Jargon genannt wird, auf die Schnelle viel Geld machen zu können, war für den Mann sehr verlockend.
Nicht etwa, weil er finanziell in der Bredouille gesteckt hätte oder das Geld gebraucht hätte, um seine Drogensucht zu befriedigen - nein, der 27-Jährige plante eine sechsmonatige Weltreise und wollte mit dem Gewinn seine Reisekasse aufbessern. Ein Plan, der völlig in die Hose ging.
Als der 27-Jährige am 10. Januar dieses Jahres wie gewohnt auf die Arbeit zur Frühschicht ging, ahnte er noch nicht, was ihm bevorstand. Kurz nach Arbeitsbeginn tauchte die Kriminalpolizei auf. Die Beamten präsentierten einen Durchsuchungsbefehl für seine im Elternhaus befindliche Wohnung und nahmen ihn fest. Grund: Ein "guter Kumpel" hatte ihn bei der Polizei verpfiffen.

Eltern und Bekannte fassungslos

Bei der Durchsuchung wurden die Uniformierten schnell fündig. Sie beschlagnahmten unter anderem Marihuana, Amphe tamine, Kokain, eine Feinwaage sowie Geld aus dem Drogenhandel von über 1800 Euro. Die erstaunten Arbeitskollegen, die schockierten Eltern, die überraschten Nachbarn in dem kleinen Dorf - alle bekamen mit, was im Busch war. Insbesondere der Vater, sagte der Verteidiger Peter Auffermann, sei völlig fassungslos gewesen.
Obwohl der reuige und voll geständige Angeschuldigte, strafrechtlich gesehen, eine absolut weiße Weste hat, tagte in diesem Fall das Schöffengericht am Amtsgericht. Das tritt immer dann auf den Plan, wenn es um "eine größere Sache" geht. Und genau das ist der Drogenhandel, der in Deutschland hart bestraft wird. Laut Strafgesetzbuch kommt für eine solche Straftat keine Geldstrafe mehr in Betracht, vielmehr liegt die Mindeststrafe bei einer Freiheitsstrafe von einem Jahr.
Der rechtskräftige Richterspruch lag auf einer Linie mit dem Strafmaß, das sowohl Staatsanwalt Ralf Hofmann als auch Rechtsanwalt Auffermann vorgeschlagen hatten. Die Aktion des Verurteilten nannte die Gerichtsvorsitzende Ilona Conver eine "ganz dumme Idee."
Die Bewährungszeit wurde auf drei Jahre festgesetzt. Weitere Auflagen: Der verhinderte Drogenhändler muss regelmäßig mittels Urinproben nachweisen, dass er "clean" ist, und 3000 Euro an den Verein für Jugendhilfe in Bamberg zahlen.

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