Kronach

Mindestlohn bremst Pluschke

Wirtschaft  Ab 1. Januar gilt der gesetzliche Mindestlohn. Für das Kronacher Taxi-Unternehmen ist dies ein Grund, den Betrieb zum Jahresende einzustellen.
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Für Jürgen Pluschke und sein Taxi-Unternehmen geht eine Ära zu Ende. Foto: Veronika Schadeck
Für Jürgen Pluschke und sein Taxi-Unternehmen geht eine Ära zu Ende. Foto: Veronika Schadeck
von unserem Redaktionsmitglied 
Veronika SChadeck

Kronach — "Die verantwortlichen Politiker haben die Situation nicht erfasst und nicht durchdacht", ärgert sich Jürgen Pluschke. Betritt man seine Wohnung, fallen einem sofort Telefone und Funkapparate ins Auge. "Damit ist nun bald Schluss", sagt er mit einem Bedauern.
Seine Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, beginnt Jürgen Pluschke, der neben seinem Taxibetrieb auch ein Bestattungsunternehmen führt. Er habe teilweise nachts nicht mehr schlafen können, aber für ihn gebe es keine andere Alternative.
17 Mitarbeiter waren bisher pro Monat bis zu 65 Stunden im Einsatz. Von seinen fünf Taxifahrzeugen stand mindestens eines immer abrufbereit. "Freitag- und Samstagnacht waren sogar drei beziehungsweise vier Fahrzeuge ständig im Einsatz." Die Nachfrage sei vorhanden. "Oftmals rufen junge Menschen bereits vor einer Veranstaltung ein Taxi und nehmen dieses auch nachts für den Heimweg in Anspruch", betont Pluschke.
Bislang wurden seine Aushilfsfahrer mit sieben Euro pro Stunde entlohnt. Für einige war es ein schöner Nebenverdienst, andere wiederum waren aber auf die monatlichen Einnahmen in Höhe von 450 Euro angewiesen, um beispielsweise Altlasten begleichen zu können. Jetzt müssen sie sich eine andere Stelle suchen.
Jürgen Pluschke hat sich in den vergangenen Wochen eingehend mit dem Mindestlohn befasst. Statt 65 Stunden könnten seine Mitarbeiter bei einer Entlohnung von 8,50 Euro auf 450-Euro-Basis jetzt nur noch 52,9 Stunden pro Monat Taxi fahren. Summa summarum würden Pluschke dadurch 204 Stunden fehlen. "Und da liegt der Haken. Ich kann diese Lücken nicht mehr schließen." Er selbst hätte vielleicht noch die eine oder andere Stunde kompensieren können, durch sein Engagement im eigenen Bestattungsunternehmen ist dies aber letztlich nicht möglich. Und neue Mitarbeiter, auf die Verlass ist, findet er nicht mehr.

Mindestalter 21

Mindestens 21 Jahre alt muss ein Taxifahrer sein, muss im Besitz des B-Führerscheins sein und einen Personenbeförderungsschein haben. Hinzu kommt die Bereitschaft, mindestens einmal pro Woche nachts zu fahren. Außerdem: Als Taxifahrer trage man auch ein gewisses Risiko, in brenzlige Situationen zu kommen, erklärt Pluschke. Der Unternehmer spricht auch von neuen bürokratischen Hürden. So müsse künftig - ähnlich wie im Speditionsgewerbe - alles genau dokumentiert werden: Fahrzeiten, Pausen, Stillstandszeiten etc.
Kein Wunder also, dass sich Jürgen Pluschke über die Einführung des Mindestlohnes nicht gerade freut. Seine Branche werde es schwerer haben, und die Kunden würden tiefer in die Tasche greifen müssen, ist Pluschke überzeugt. Er geht davon aus, dass die Kosten um etwa 25 Prozent steigen werden, zumal auch die Nacht- und Wochenendzuschläge erhöht werden sollen.

Bedarf nicht mehr gedeckt

Der Unternehmer befürchtet deshalb auch, dass die Zahl der alkoholisierten Jugendlichen im Straßenverkehr zunehmen wird, da manche nicht bereit sein werden, die erhöhten Preise zu bezahlen. In den "Hochzeiten" wie Silvester, Kronacher Musiknacht oder Freischießen wird der Bedarf an benötigten Taxis nicht mehr gedeckt werden können, ist Pluschke sicher.
Im Jahre 1956 war es sein Vater Otto Pluschke , der das Taxiunternehmen gründete. Schon von frühester Kindheit an war Jürgen Pluschke involviert, saß später auch selbst manchmal hinterm Taxi-Steuer. Noch heute erinnert er sich an eine Situation, als am Abend ein Mann anrief und unbedingt nach Erlangen musste. Der Mann konnte den Termin wegen einer Nierentransplantation nicht verschieben. Bei starkem Schneefall und Glatteis habe er schließlich den Kunden in die Klinik transportiert. "Das sind die schönen Momente eines Taxifahrers."
Seine fünf Autos hat er mittlerweile an den Mann gebracht, seine Mitarbeiter wissen Bescheid. Und er fragt sich: "Was mache ich in diesem Jahr an Silvester?" Seit über 25 Jahren wird es der erste Jahreswechsel sein, den Jürgen Pluschke nicht an seinem Taxifunk verbringt. Und während er zu seinem elfenbeinfarbenen Taxi schreitet, sagt er immer wieder. "Mir ist es wirklich nicht leicht gefallen. Das Taxi-Geschäft gehörte einfach zu uns."

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