Bamberg

Milchkühe lohnen sich nicht mehr

Wirtschaft  Die Landwirte haben hart mit dem Preisverfall der Lebensmittel zu kämpfen. Der dürre Sommer und die Situation am Weltmarkt bereitet den Betrieben zusätzliche Sorgen.
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Die Milchkuh: die Schleuderpreise für Milchprodukte könnten sie bald aus den regionalen Landwirtschaftsbetrieben vertreiben. Foto: Ronald Rinklef
Die Milchkuh: die Schleuderpreise für Milchprodukte könnten sie bald aus den regionalen Landwirtschaftsbetrieben vertreiben. Foto: Ronald Rinklef
von unserem Mitarbeiter Quirin Sackmann

Bamberg/Forchheim — Kleine und große landwirtschaftliche Betriebe gehören fest zum Bild der fränkischen Landschaft. Ob die Bauernhöfe aber auch in der Zukunft lohnenswert bewirtschaftet werden können, ist für viele der Betreiber ungewiss. Gründe für den drohenden Verfall der heimischen Agrarwirtschaft gibt es einige. Momentan machen den Landwirten der dürre, extrem heiße Sommer und vor allem der Verfall der Lebensmittelpreise zu schaffen. Heinrich Faatz, der Bamberger Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), fordert ein Eingreifen der deutschen und der europäischen Politik, um die Existenz der vielen Landwirte zu sichern und darüber hinaus für langfristige Stabilität zu sorgen.


Bauern informieren in Bamberg

Dem bayerischen Bauernverband ist es außerdem ein großes Anliegen, die Verbraucher selbst über die Missstände in der Landwirtschaft aufzuklären und um Verständnis für die Lage der Landwirte zu werben. Zu diesem Anlass lädt der BBV an einem Infostand auf dem Bamberger Maxplatz am heutigen Donnerstag zwischen 11 und 13 Uhr und lädt zur Diskussion über "gerechte Preise für die Landwirte" ein, an der sich auch der BBV-Kreisverband Forchheim beteiligen wird.
Mit der Abschaffung der Milchquote der EU im Frühjahr 2015 ist die deutsche Milchwirtschaft endgültig auf dem Weltmarkt für ihre Erzeugnisse angekommen. Dass ein fränkischer Milchbauer praktisch in Konkurrenz zum Beispiel mit einem Großbetrieb vom anderen Ende der Welt, aus Neuseeland, steht, ist eine Folge der Globalisierung, die auch beim Milchpreis nicht Halt macht.
Dabei haben Mitbewerber aus anderen Weltregionen oft grundlegende Wettbewerbsvorteile gegenüber den deutschen Landwirten. Heinrich Faatz weist beispielsweise auf die viel längeren Weidezeiten in Neuseeland hin. Diese begünstigen eine billige Produktion, während die deutschen Landwirte teuer Futter für ihr Vieh hinzukaufen müssen, zumal die Futtermittel im heißen Sommer bereits knapp werden.
In Deutschland kriegen die Landwirte außerdem noch den harten Preiskampf der großen Supermarktketten zu spüren. Während Aldi und Co. sich in Billigangeboten unter anderem für Milch und Käse zu unterbieten versuchen, bleibt für die heimischen Landwirte kein Profit mehr über und die Produktion wird für viele zum Minusgeschäft. Laut BBV erhält ein fränkischer Landwirt gerade einmal 28 Cent pro Liter Milch, teils sogar noch weniger. Mehr als zehn Cent mehr wären hingegen nötig, damit der Landwirt keinen Verlust macht.


"Mittel zum Leben"

Nicht nur die Preise für Milch und Milchprodukte sind extrem niedrig. Auch Schweinefleisch, Getreide oder Obst sind niedrig notiert. Schuld daran sind die großen Lebensmitteleinzelhändler, aber auch die Situation auf dem Weltmarkt. In China ist der Absatzmarkt für landwirtschaftliche Produkte eingebrochen und das russische Handelsembargo trifft die deutschen Landwirte ebenfalls, ohne dass sie Kompensationen erhalten.
Die Folge dieser Handelsbarrieren ist ein Überangebot auf dem Weltmarkt, das sich natürlich auch in Deutschland bemerkbar macht und die Preise nach unten treibt. Heinrich Faatz gibt allen Verbrauchern zu bedenken, dass es sich bei den Produkten der Landwirte um Lebensmittel, also "Mittel zum Leben" handelt. Daher sollte diesen auch entsprechende Wertschätzung entgegengebracht werden.
Den Verbraucher sieht auch Georg Hollfelder, Landwirt in Litzendorf, in der Pflicht. In Österreich, Frankreich oder Italien sind die Kunden bereit, für gute Produkte aus den landwirtschaftlichen Betrieben einen höheren Preis zu bezahlen. Allerdings wird es dem deutschen Kunden beim Einkauf schwer gemacht, sich darüber zu informieren, wie viel Geld letztendlich der Bauer bekommt.
Auch eine örtliche Molkerei weist auf Anfrage auf "vertragliche Verpflichtungen" hin, "die uns Äußerungen und Aussagen" zum Thema Milchpreis untersagen. Die Frage stellt sich, wie Verbraucher erfahren sollen, wo sie "faire Milch" kaufen können.
Insgesamt müssen aber vor allem die Discounter reagieren und ihre Preise anpassen.Während die Landwirte möglicherweise versuchen werden, ihre eigene Verhandlungsposition zu stärken um ein Überleben der Betriebe irgendwie zu ermöglichen, sind sie dennoch auf Hilfe von außen, von der Politik und der Öffentlichkeit, angewiesen. In Deutschland braucht es eine Diskussion darüber, was Lebensmittel wirklich wert sind. Ist billige Milch die Aussicht auf ein Ende der heimischen Landwirtschaft, mit schlimmen Folgen für Essensqualität aber auch für Kultur und Umwelt, wirklich wünschenswert?
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