Bamberg

Meister Adebar stolziert mit dem Sender auf dem Rücken

Bamberg — Meister Adebar, im Volksmund als Babykurier allseits bekannt, trägt neuerdings vermehrt ein Rucksäckchen auf dem gefiederten Rücken. Professionelle Outdoorausstattung für...
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Der GPS-Sender auf dem Rücken des Storches gibt den Vogelschützern wertvolle Aufschlüsse.  Foto: H. Seefried
Der GPS-Sender auf dem Rücken des Storches gibt den Vogelschützern wertvolle Aufschlüsse. Foto: H. Seefried
Bamberg — Meister Adebar, im Volksmund als Babykurier allseits bekannt, trägt neuerdings vermehrt ein Rucksäckchen auf dem gefiederten Rücken. Professionelle Outdoorausstattung für die abenteuerliche Reise gen Süden? Der neueste Schrei unter angesagten Störchen? Nein, sondern ein modernes Hightech-Gerät, welches der Forschung viele neue Analysedaten liefern soll, um die Tiere letztendlich besser schützen zu können, berichtet der Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Bamberg.
Unter den rund 80 in Süddeutschland besenderten Jungstörchen seien seit vergangenem Jahr acht echte "Bamberger" und allesamt hätten sich nachweislich auf die weite Reise nach Afrika begeben. Aktuell befinden sie sich in Spanien und Marokko, so der LBV.
Die Bamberger Weißstorchpopulation habe seit Beginn der regelmäßigen Erfassung 1980 durch die vielfältigen Artenschutzmaßnahmen der Vogelschützer glücklicherweise wieder etwas zugenommen und im vergangenen Jahr wiederum einen Bestandsrekord erreicht. 14 Paare haben im Landkreis 27 Jungstörche aufgezogen. Damit wurde in Bamberg der zur Bestandserhaltung durchschnittlich notwendige Wert von zwei Jungen pro Storchenpaar nur um ein Haar verfehlt, spiegele aber deutlich eine sehr positive Entwicklung wider.
Der Landesbund für Vogelschutz will mit seinem neuen Satelliten-Telemetrie-Projekt die Zugrouten und Überwinterungsgebiete des Weißstorches besser kennenlernen, um ihn dann besser schützen zu können. Gleichzeitig können mit dieser Technologie die bevorzugten Nahrungshabitate der Störche ausfindig gemacht werden. So wird in Zusammenarbeit mit der Vogelwarte Radolfzell erforscht, wie die Jungvögel die Strecke kennenlernen und wie das Sozialverhalten in der Gruppe das Zugverhalten beeinflusst.
Verwendet werden moderne Hightech-Geräte, die es ermöglichen, sowohl hochauflösende, dreidimensionale GPS-Daten (Längen- und Breitengrad sowie Flughöhe) als auch Bewegungsmuster der Störche aufzuzeichnen und zu analysieren. Man erkennt anhand von graphisch dargestellten Linienmustern, ob der Storch aktiv ist, steht, liegt, wenn er mit den Flügeln schlägt oder in der Thermik gleitet.
Das Gerät selbst besteht aus mehreren Komponenten, die in einem wetterdichten, langlebigen Kunststoffgehäuse zusammengefügt sind. Es wird wie ein Rucksack befestigt und behindert den Storch nicht, mit knapp unter 70 Gramm Gesamtgewicht entspricht es allenfalls zwei bis drei Prozent des Körpergewichts des Storches. Wie ein herkömmliches Hand-GPS-Gerät, welches Wanderer nutzen, zeichnet es mit Hilfe von Satelliten die GPS-Daten des Storches auf. Im Idealfall werden einmal pro Sekunde Daten gesendet, die den Flug des Storches lückenlos aufzeichnen. Die Batterie des Senders wird durch ein Solarmodul immer wieder aufgeladen, es hält somit ein Storchenleben lang. Der Datenspeicher ist zudem so groß, dass Daten bis zu einem Jahr gespeichert werden können, so gehen keine Daten nach der Überwinterung in Afrika verloren.
Wen dieses Projekt näher interessiert: Die Kreisgruppe Bamberg des LBV lädt zu einem Bildvortrag ein, gehalten von Christiane Geidel, Diplom-Ingeneurin (FH) Naturschutz & Landschaftsplanung, aus der LBV-Landesgeschäftsstelle in Hilpoltstein.
Dieser findet am Sonntag, 29. März, um 18 Uhr in Mühlendorf im Brauerei-Gasthof "Alte Mühle" im Anschluss an die Jahreshauptversammlung der Kreisgruppe statt. red


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