Veitlahm

"Meine Name ist Judas, und darauf bin ich stolz"

"Die Tat des Verrats klebt an mir, wie ein Haufen Fliegen auf frischer Scheiße", klagt der Judas, der am Sonntagabend im Atelier "Burger" in Veitlahm beim F...
Artikel drucken Artikel einbetten
Dieser Judas war nicht der Prototyp eines Verräters. Christoph Auer hauchte ihm im Atelier "Burger" in Veitlahm Leben ein. Die 50 Besucher waren begeistert von seiner Schauspielkunst.  Foto: Stephan Stöckel
Dieser Judas war nicht der Prototyp eines Verräters. Christoph Auer hauchte ihm im Atelier "Burger" in Veitlahm Leben ein. Die 50 Besucher waren begeistert von seiner Schauspielkunst. Foto: Stephan Stöckel
"Die Tat des Verrats klebt an mir, wie ein Haufen Fliegen auf frischer Scheiße", klagt der Judas, der am Sonntagabend im Atelier "Burger" in Veitlahm beim Fränkischen Theatersommer Einblicke in sein Seelenleben gewährt.
Einer, der darum bemüht ist, ein differenziertes Bild von seiner Persönlichkeit zu zeichnen. Schließlich ist es nicht der biblische Judas, der seit 2000 Jahren als Inbegriff des Verräters gilt, der da auf die Bühne steht. Es ist vielmehr die literarische Figur des Judas, erschaffen von der niederländischen Autorin Lot Vekemans, der die 50 Besucher im ausverkauften Hort der Kultur in seinen Bann zieht. Der Schauspieler Christoph Auer aus Fernreuth bei Hollfeld haucht dem etwas anderen Judas einfühlsam Leben ein.
Auer verkörpert einen Menschen, der nicht auf Krawall gebürstet ist, der über weite Strecken herrlich unaufgeregt daherkommt, der kaum Gefühlsregungen zeigt. Erst am Schluss kullern ihm die Tränen über die Wangen. Immer wieder spricht er das Publikum direkt an, fordert gar zum Namentausch auf, um dann doch mit Nachdruck zu bekennen: "Meine Name ist Judas, und darauf bin ich stolz."
Der Theater-Judas stilisiert sich zum Abenteurer, zum Helden, der Jesus freundschaftlich ergeben ist und an die große Sache glaubt: die Juden von den Römern zu befreien. Und das auch zu Ende führen wollte. "Ich wollte, dass er selbst Rom erreichte als König der Juden", offenbart sich Judas. Und weiter: "Ich wollte nicht länger zum Volk der Unterdrückten gehören. Der Opfer. Ich wollte zu den Herrschern gehören."
Doch Jesus, der ja bereits beim letzten Abendmahl verkündet hatte, dass ihn einer seiner Jünger verraten würde, habe die "Wahnidee" von der Erfüllung der Prophezeiungen unbedingt wahrmachen wollen. Während des Monologes und der Selbstreflexion werden immer wieder die Fragen angerissen, die die biblische Figur seit 2000 Jahren aufwirft. Hat Judas Jesus absichtlich "verraten" oder war seine Tat Teil eines göttlichen Heilsplans?
Darauf gibt es bis heute keine schlüssige Antwort. Und auch das Stück gibt darauf keine Antwort. Es regt die Zuhörer vielmehr dazu an, sich mit der literarischen Figur des Judas auseinanderzusetzen, der Teil eines Stücks ist, das kein Schwarz-Weiß-Denken kennt und in dem der so vielgescholtene Judas nicht auf der Anklagebank sitzt.
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren