Bamberg
Beratung  

Mehr Barrierefreiheit für Bamberg

Menschen mit Handicap haben es in Bamberg nicht leicht. Der Verein Leuchtfeuer setzt sich für sie ein und bietet an, Hausbesitzer und Geschäftsleute mit seinem Knowhow zu unterstützen.
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Christian Undiener fährt in der Schützenstraße auf dem zur Fahrbahn hin abgesenkten Gehweg.  Foto: Barbara Herbst
Christian Undiener fährt in der Schützenstraße auf dem zur Fahrbahn hin abgesenkten Gehweg. Foto: Barbara Herbst
Bamberg — Für die meisten Menschen ist es normal, ein paar Stufen zu steigen, um ins Lokal zu kommen, die Treppe zu nehmen, wenn der Aufzug in den dritten Stock zum Arzt nicht funktioniert oder auf der Straße den Bordstein hochzusteigen. Allerdings für Menschen, die in einem Rollstuhl sitzen und eine Behinderung haben, ist das nicht ganz so leicht.
Den Gehweg kommen sie nur mit Mühe hoch, durch den Türrahmen passt der Rollstuhl nicht, und wenn schon: Wie bekommen sie die Tür leicht auf, um durchzurollen? Die Treppe können sie vergessen. Und wenn die Rollstuhlfahrer einfach einen Passanten fragen, sie die paar Stufen heraufzuziehen? Das mag vielleicht noch mit einem normalen Rollstuhl funktionieren, aber nicht mehr mit dem elektrischen, der um einiges schwerer ist. Als körperlich Benachteiligter lässt es sich in Bamberg und Umgebung schwer leben, zumindest, wenn man sonst selbstständig durchs Leben gehen möchte.


Behinderte sind selbstständig

Der Verein Leuchtfeuer e.V. in Bamberg setzt sich für Menschen mit Behinderung ein. Zum Beratungs- und Assistenzangebot gehört unter anderem das ambulant betreute Wohnen für Menschen mit Handicap, Unterstützung bei der Wohnungssuche, der Begleitung beim selbstständigen Wohnen, Unterstützung bei Verhandlungen mit Kostenträgern und bei der Beanspruchung und Gestaltung des persönlichen Budgets. Und das schon seit 1997. Der Verein möchte auch Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit bieten, selbstständig und ohne große Hilfe zu leben. "Wir helfen den Behinderten, ihren eigenen Stil zu finden, so dass sie selbstständig wohnen können und man nicht mehr nach dem Rechten schauen muss", so erster Vorsitzender Hans-Joachim Kräske.
Nun aber geht der Verein noch ein ganz anderes Problem an: Barrierefreiheit in Bamberg. Die Verantwortlichen für Ärztehäuser, Gaststätten und andere Gebäude mit öffentlichem Charakter oder besonders viel Publikumsverkehr sollen darauf aufmerksam gemacht werden, dass sich etwas ändern muss, damit auch Menschen im Rollstuhl ohne Sorgen ihren terminlichen Verpflichtungen nachgehen können.
Experte Christian Undiener sitzt selbst im Rollstuhl. Wenn er durch Bamberg fährt, bemerkt er Mängel, die er sofort anspricht. "Neulich war ich auf der Suche nach einem neuen Hausarzt. Gerade mal einer von acht hatte einen barrierefreien Eingang", berichtet der 45-Jährige. Genauso schwer war es für ihn, ein Lokal mit fränkischer Küche zu finden, in dem er sein Mittagessen genießen konnte.
Menschen mit Behinderungen, aber auch alle anderen, denen solche Missstände auffallen, können sich bei Leuchtfeuer e.V. melden. Unternehmen und Geschäftsleute, die den Eingang ihrer Häuser hindernisfrei gestalten möchten, werden gerne vom Verein beraten. Undiener und Kräske haben die Erfahrung gemacht, dass es oft nicht reicht, einfach einen Architekten zu engagieren. Dieser mag zwar nach den Richtlinien arbeiten, aber ob der Eingang letztendlich wirklich behindertentauglich ist, kann ein Mensch mit Behinderung immer noch am besten testen. Und das macht Undiener sehr gerne.
Kräske erklärt: "Es ist sehr wichtig, dass öffentlich gemacht wird: ,Hier stimmt noch nicht alles', denn selbst für ältere Menschen sind viele Eingänge eine Hürde. Erst recht also für Rollator, Kinderwagen und Behinderte." Doch Bamberg blockadefrei zu machen, bedeute nicht nur bauliche Maßnahmen. Es gebe auch sprachliche Barrieren. "Ein zum Beispiel geistig behinderter Mensch versteht die schwierige Wortwahl in der Zeitung oft nicht", so Kräske. Lesen im Allgemeinen - auch das Lesen eines Fahrplans - könne eine große Hürde sein. "Dabei haben diese Behinderten das Recht, sich darüber zu informieren, was in Bamberg passiert, und zu wissen, wann der nächste Bus kommt - wie andere Menschen auch."


Die ersten Erfolge

Wenigstens bei den Stadtbussen hat sich schon vieles zum Guten verändert: Christian Undiener setzte sich dafür ein, dass Busse in Bamberg behindertentauglich umgebaut wurden und werden. Bisher fanden in einem normalen Stadtbus ein Rollstuhl sowie ein Kinderwagen Platz. Durch die Beharrlichkeit des Rollstuhlfahrers wurden inzwischen schon acht bis elf Busse von insgesamt 70 in Bamberg umgebaut. Nun passen dort schon sowohl zwei Rollstühle als auch zwei Kinderwagen hinein. Außerdem konnte er erreichen, dass die Stadt Bamberg einige Bordsteine abgesenkt hat, so dass das Überqueren der Straße viel leichter geht.
Der Einzelkämpfer möchte, dass sich diese Erfolge fortsetzen und ist dem Verein sehr dankbar: sowohl für die Hilfe, selbstständig in einer eigenen Wohnung zu leben, als auch für die Unterstützung, Bamberg barrierefrei zu machen.
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