LKR Haßberge

Liebevolle Zuwendung hilft uns, uns anzunehmen

Das Flugtagunglück, das sich 1988 auf der Ramstein-Air-Base bei Kaiserslautern ereignet hat, ist vielen Älteren unter uns vermutlich ein Begriff. Drei Kunstflugmaschinen stießen da...
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Das Flugtagunglück, das sich 1988 auf der Ramstein-Air-Base bei Kaiserslautern ereignet hat, ist vielen Älteren unter uns vermutlich ein Begriff. Drei Kunstflugmaschinen stießen damals zusammen und stürzten ab. Eines der Flugzeuge rutschte brennend ins Publikum. 70 Todesopfer und etwa 1000 Verletzte waren zu beklagen. Marc David Jung erlitt damals schwerste Verbrennungen. Er erzählte vor kurzem in einem Fernsehbeitrag davon:
"Ich war damals vier Jahre alt. An das Unglück selbst erinnere ich mich nicht mehr. Ich hab viele Ferien im Krankenhaus verbracht, wo ich Augenbrauen erneuert und den Mund erweitert bekommen habe. Aufgrund der Verbrennungen war vieles verformt und verengt. Ich habe jede Operation positiv gesehen, da sie mich weiterbringt. Wir sind alle ein Unikat des Lebens. Ich denke, es ist das Wichtigste, dass man mit sich selbst zufrieden ist, dass man im Klaren mit sich selbst ist,
sich selbst akzeptiert. Und dann ist Schönheit ein Nebenbegriff."
Seine Worte haben mich beeindruckt. Mehr noch aber sein Gesichtsausdruck dazu. Sein Gesicht entspricht in keiner Weise den Schönheitsidealen. Aber zwischen den zusammengefügten Hautflächen, der nachgeformten Nase, der Mund- und Augenpartie strahlen ein Lächeln und ein Ja zum Leben, das wunderbar anmutet. Ich freue mich mit diesem Menschen, der in den letzten 27 Jahren mühsam und zugleich zuversichtlich dazu gefunden hat, sich so, wie er ist, zu akzeptieren. Das sieht er als das Wichtigste an.
Richtig! Sich selbst annehmen - auch mit den inneren und äußeren Blessuren, die das Leben Menschen zufügt. Ich denke, das gelingt nicht nur aus sich selbst heraus, sondern durch Zuspruch und Zuwendung, die wir als Menschen erfahren: durch ein aufmunterndes Wort, durch einen Arzt, der alles daran setzt zu helfen, durch Eltern, Freunde, Mitmenschen, die uns akzeptieren, wie wir sind.
Und ich höre in Gedanken den Refrain des Chansons "Bei mir bist du schön". Und ich wünsche Ihnen, dass es Menschen gibt, die Sie bestärken, dass Sie ein Unikat sind. Und dass Sie immer wieder daran glauben können, dass Gott zu Ihnen sagt: "Bei mir bist du schön, einzigartig, wertvoll."

(Johannes Simon, Pastoralreferent Knetzgau)

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