Lichtenfels

Lichtenfelser Geschäftsmann hortet umfangreiches Waffenarsenal: Bewährungsstrafe

von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg Lichtenfels — "Da hin?", erkundigte sich der 39-jährige Lichtenfelser Geschäftsmann nach seinem Sitzplatz. Der Mann, der im Dienstleistungsg...
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von unserem Mitarbeiter Markus Häggberg

Lichtenfels — "Da hin?", erkundigte sich der 39-jährige Lichtenfelser Geschäftsmann nach seinem Sitzplatz. Der Mann, der im Dienstleistungsgewerbe tätig ist, wusste sehr wohl, wo der Platz eines Angeklagten im Saal 14 des Amtsgerichts zu finden ist. Schon mehrfach saß er dort, am Dienstag erneut wegen Verstößen gegen Waffengesetze.
Die Ausübung von Gewalt über Waffen in seinem Wohngebäude und auf seinem Betriebsgelände wurde dem Beschuldigten von Staatsanwältin Susanne Heppel zur Last gelegt. Besagte Waffen hätte er nicht besitzen dürfen und derer waren es sehr viele: Vorderladergewehr, abgesägtes Luftgewehr, Butterfly-Messer, Schlagring, mehrere Stahlruten, Gaspistolen, Vorderladerpistole.
Der Angeklagte gab sich unwissend bezüglich möglicher Besitzrechte. "Es gab ja schon mal ein Verfahren wegen Waffenbesitz - so ganz unwissend sind Sie nicht", gab Richterin Anja Wolf-Albrecht zurück. Tatsächlich sollte sie gegen Ende des Verfahrens elf Vorfälle aus dem Bundeszentralregister des Angeklagten verlesen, darunter auch neben Körperverletzungs- und Betrugsdelikten Verstöße gegen das Waffenrecht. "Ja, das ist ein recht langes BZR", so ihr vor den Plädoyers abschließender Kommentar.
Hilmar Lampert, Verteidiger des Angeklagten, zeigte Interesse für die Frage, wie das "Verhalten des Mandanten" bei Entdeckung der Waffen durch die Polizei im März 2014 gewesen sei. Der Anlass der Frage: Suchte der Angeklagte die Waffen zu verbergen? Wenn ja, dann hätte er Schuldbewusstsein gezeigt. Wenn nicht, dann sei ihm seine Blauäugigkeit abzunehmen und nicht von Vorsatz auszugehen.

Im Schlafzimmer fündig geworden

"Es gab keine emotionalen Auswüchse", antwortete der in den Zeugenstand gerufene Polizeibeamte, der im März 2014 bei der Entdeckung des Arsenals vor Ort war. Aber er erzählte auch von dem Kuriosum, wonach die Polizei nach ersten Funden im Büro "gleich im Haus weitergemacht" habe und letztlich selbst "im Schlafzimmer auf Waffen gestoßen" sei. Auf die richterliche Frage, ob ihm etwas zu Ohren gekommen sei, wonach die Waffen auch einmal benutzt wurden, brachte der Polizeibeamte einen Bamberger Zeugen ins Spiel, der "definitiv" von Schüssen berichtet habe. Dieser Zeuge trat am Dienstag nicht auf. Es bedurfte seiner auch wegen der Offenheit des Angeschuldigten sowie der eindeutigen Sachlage nicht.
Wie der 39-Jährige in den Besitz der Waffen kam, erklärte er damit, dass bei manchen Aufträgen für Kunden Fundstücke an ihn fielen, die er eben ohne große Überlegungen an sich nahm. Auf glaubhafte Unwissenheit lässt sich bilanzieren, was Hilmar Lampert für seinen Mandanten in Anspruch nahm. Ein ansonsten "rechtschaffenes Leben" bei gelegentlicher "Leichtgläubigkeit" führte er für seinen Klienten ins Feld. Das war das Gegenteil dessen, was Staatsanwältin Susanne Heppel zu dem Lichtenfelser in den Sinn kam. "Ich kann nicht erkennen, wieso er in Zukunft keine (Straftat) mehr begehen wird", so ihre Einschätzung zu dem Mann, der ihrer Ansicht nach "ganz erheblich bei Gericht arbeiten" ließ.

Bewährungsstrafe verhängt

Eine Haftstrafe auf Bewährung empfahl sie nicht und forderte sechs in Haft zu verbüßende Monate. Anja Wolf-Albrecht entschied letztlich auf eine fünfmonatige Bewährungsstrafe, auch darum, weil vormalige Verurteilungen schon länger zurückliegen. Zudem wird der Verurteilte einen Geldbetrag von 1200 Euro zahlen und zwei Jahre lang unter der Aufsicht eines Bewährungshelfers stehen.

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