Coburg

Lebensader der Stadt

Ausstellung  Die Historische Gesellschaft erinnert im Rahmen der Designtage nächste Woche an die Geschichte des Güterbahnhofs.
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Coburg — "Wir betrachten dabei die Historie des Areals unter verschiedenen Blickwinkeln", sagte Gert Melville, Vorsitzender der Historischen Gesellschaft. So geht es unter anderem um die komplizierte Entstehungsgeschichte. Die Bahn hatte sich lange geweigert, einen neuen Güterbahnhof zu errichten. Erst als die Stadt das Areal zur Verfügung stelle, wurde gebaut. Eine Personenhaltestelle "Coburg-Süd" und eine Anbindung an die spätere Karchestraße zur Förderung der Industrieansiedlung im Süden scheiterten indes am Veto der Bahn.
"Dennoch besaß der Güterbahnhof eine enorme wirtschaftliche Bedeutung für Coburg. Er war eine der Lebensadern der Stadt, über die Kohle, Lebensmittel und Rohstoffe in die Vestestadt gelangten", meint Melville. In seinem Umfeld siedelten sich Industriebetriebe an oder eröffneten Lagerhäuser.

Acht Tote in 96 Jahren

Die Ausstellung versucht auch, den Arbeitsalltag am Güterbahnhof nachzuzeichnen. Acht Menschen starben beim Dienst im Güterbahnhof zwischen 1901 und 1997. Es gab soziale Einrichtungen wie eine Kantine oder ein Übernachtungsgebäude, das bereits 1903 über eigene Duschen verfügte. Das stellte für das damalige Coburg eine Seltenheit dar. Der 17 Meter hohe Wasserturm beim Lokschuppen wurde bei den Kriegshandlungen 1945 zerstört. In der Ausstellung in der ehemaligen Pakethalle ist er wieder zu sehen.

Kleines Kino

Zu Bildern von einst und jetzt gesellen sich Filmaufnahmen, die Jürgen Brückner zur Verfügung gestellt hat oder teilweise sogar selbst gemacht hat. Dafür wird ein eigenes kleines Kino aufgebaut. Es gehe darum, die Erinnerung an ein Stück Coburger Geschichte wachzuhalten und die historische Bedeutung der Gebäude herauszustellen, die selbst für einen Teil der Stadtgeschichte stehen, nämlich die Industrialisierung Coburgs, betont Gert Melville.
Konzipiert wurde die Ausstellung von dem Historiker Christian Boseckert. Sie entstand in Zusammenarbeit mit dem Coburger Designforum Oberfranken und dem CO3 Büro für Gestaltung. Die Bilder stammen unter anderem vom Stadtarchiv Coburg und von den Eisenbahnfreunden Coburg. Die Niederfüllbacher Stiftung unterstützte die Ausstellung finanziell. sb



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