Burgkunstadt

Leben ohne die Furcht vor Krieg

Aufnahme  Die Asylbewerberfamilie Ibragimov findet in Burgkunstadt eine neue Heimat. Bürgermeisterin Christine Frieß empfing die Flüchtlinge aus Tschetschnien und brachte ihnen Willkommensgeschenke mit.
Artikel drucken Artikel einbetten
Bürgermeisterin Christine Frieß (rechts) hatte Willkommensgeschenke für die Neubürger mitgebracht. Der kleine Ayub (im Bild) war gerade mal zwei Wochen alt, als er mit seiner Mutter und den Geschwistern in Weismain ankam.  Fotos: Ingrid Kohles
Bürgermeisterin Christine Frieß (rechts) hatte Willkommensgeschenke für die Neubürger mitgebracht. Der kleine Ayub (im Bild) war gerade mal zwei Wochen alt, als er mit seiner Mutter und den Geschwistern in Weismain ankam. Fotos: Ingrid Kohles
+1 Bild
von unserer Mitarbeiterin ingrid Kohles

Burgkunstadt — Erst vier Tage ist es her, dass die Familie Ibragimov in das gelbe Einfamilienhaus in der Kulmbacher Straße eingezogen ist. Vorher haben die Besitzer alles renoviert, die Wände sind neu gestrichen, alles macht einen hellen, sauberen Eindruck. Die Teetassen stehen schon bereit, als Bürgermeisterin Christine Frieß (CSU) und Standesamtsleiter Michael Wagner eintreffen, um die Neubürger zu begrüßen. Auch Pfarrer Heinz Geyer von der evangelischen Christuskirche ist gekommen, er bietet eine Art Patenschaft für die Familie mit Hilfen im Alltag, Fahrdiensten und ähnlichem an, die seine Gemeinde übernehmen will.
Die Familie Ibragimov stammt aus Tschetschenien, die politischen Verhältnisse dort haben eine dramatische Wendung in ihr Leben gebracht. Der Tschetschenienkonflikt geht in die 1990-er Jahre zurück. Lockerungen in der Perestrojka nutzten tschetschenische Gruppen, für größere kulturelle Freiheiten einzutreten. Als im November 1991 sogar ein unabhängiger Staat ausgerufen wurde, verlor Russland die Macht über das Land. Im Winter 1994 marschierte die russische Armee ein, der Krieg endete damals mit einer russischen Niederlage. Tschetschenien blieb 1997 zwar völkerrechtlich Teil der Russischen Föderation, faktisch wurde es aber unabhängig. Die junge Republik hatte es schwer, Land und Wirtschaft lagen am Boden. Und als nach ewigem Kleinkrieg die russische Armee 1999 erneut einmarschierte, vertrieben sie die tschetschenischen Kämpfer in die schwer zugänglichen Gebirgsregionen im Süden des Landes. Von dort aus führen tschetschenische Gruppen aber bis heute einen brutalen Partisanenkrieg. Wann endlich wieder Frieden im Nordkaukasus einziehen wird, ist nicht abzusehen.
Deshalb verlassen immer mehr Zivilisten das Land und bringen ihre Familien in Sicherheit. Dazu entschloss sich auch die Familie Ibragimov und als sich die Gelegenheit bot, schaffte der Familienvater seine Frau und die Kinder außer Landes. Als Taita Ibragimova vor zwei Jahren in Deutschland ankam, war der jüngste Sohn gerade mal vier Wochen alt. Sie wurde mit ihren sieben Kindern in der Gemeinschaftsunterkunft in Weismain aufgenommen. Alle sprechen mittlerweile schon gut Deutsch. Die größeren Kinder wurden eingeschult, drei besuchen die Mittelschule und ein Mädchen ist in der Grundschule. Die beiden ältesten Töchter nehmen zurzeit an einem Berufsgrundbildungsjahr teil. Dafür nehmen sie täglich einen langen Schulweg auf sich und fahren mit dem Zug nach Bamberg, dort werden sie in sogenannten Integrationsklassen unterrichtet. Der Kleinste, Ayub, wird im neuen Jahr im evangelischen Kindergarten aufgenommen.
Im Herbst konnte auch der Magomed Ibragimov aus Tschetschenien ausreisen und seine Frau und die Kinder wieder in die Arme schließen. Sie sind sehr glücklich, dass sie durch die Vermittlung des Caritasverbandes nach Burgkunstadt umziehen konnten. Hier werden sie auch weiter von der Sozialpädagogin Monika Pottgiesser betreut, die vom Caritasverband für den Kreis Lichtenfels als Asyl-Sozialberaterin tätig ist.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren