Lichtenfels
Ehrung 

Leben mit einem alten Haus

Gernot Hesselbarth bekommt für sein Anwesen in der Mühlgasse die Denkmalschutzmedaille.
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Letzte Arbeiten: Am Haus werden im ersten Stock noch Fensterbretter erneuert.
Letzte Arbeiten: Am Haus werden im ersten Stock noch Fensterbretter erneuert.
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Tobias Kindermann

Gestern hatte Gernot Hesselbarth einen Termin in München. Im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege würdigte der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) besondere Verdienste im Bereich von Denkmalschutz und Denkmalpflege. Hesselbarth ist eine von 31 Personen unter den Geehrten. "Denkmalschutzmedaille, ich weiß gar nicht, was man damit anfangen kann", sagt er und lacht. Natürlich freut er sich über die Auszeichnung. Aber in dem Satz schwingt auch mit, was für ein Verhältnis die Familie zu dem Haus hat. Es ist eher Zufall, dass sich daraus so eine Geschichte entwickelt hat, die nun ins Landesamt nach München führte.
Denn als sich die Familie Hesselbarth auf die Suche nach einem Haus machte, war Gernot Hesselbach gerade nach Lichtenfels als Physiklehrer ans Meranier-Gymnasium versetzt worden. Das erste Kind war schon da, das zweite unterwegs. Rücklagen gab es in der Familie so kurz nach dem Studium auch keine - und es war eine Hochzinsphase: "Mit zehn Prozent musste ich mein Darlehen abzahlen. Das kann man sich heute fast nicht mehr vorstellen", sagt Hesselbarth. Und trotz hoher Zinsen und etwas ländlicher Lage: Das Angebot an Häusern sei sehr überschaubar gewesen.


Raus aus der Mietwohnung

Doch Hesselbarths wollten raus aus der Mietwohnung, der Kinder wegen: "Die machen eben einfach manchmal Lärm und dann gibt es Probleme mit den Nachbarn." Das Haus in der Mühlgasse 1 fanden sie durch Zufall, ein Mitbewohner im Mietshaus wusste, dass der Besitzer es verkaufen wollte. 95 000 Mark - das klang günstig, aber wie bei jedem günstigen Kauf gab es natürlich einige Haken. In das Haus musste investiert werden, über die Jahrzehnte hinweg das zwei- bis dreifache der Kaufsumme in Euro, überschlägt Hesselbarth. Etwa 400 Jahre alt ist das ehemalige Gerberhaus. Es lag - weil das ein nicht ganz geruchloses Handwerk war - außerhalb der Stadtmauern. Der Mühlbach verläuft hinter dem Haus, aber heute ist er verrohrt und nicht mehr zu sehen. Wegen seiner historischen Bedeutung und seines Alters stand das Haus aber immer unter Denkmalschutz - die Familie musste sich immer mit den Fachbehörden abstimmen.
Als man einzog, waren immerhin schon eine neue Heizung (statt der Kohleöfen) und eine funktionierende Elektrik vorhanden. Zunächst lebten alle Vier aber unter dem Dach, weil man darunter erst daran ging, neue Böden einzubauen. "Wir sind lange von Zimmer zu Zimmer gezogen."
Fast alles im Haus entstand in Eigenleistung - und es gab genug zu tun. "Ehrlich gesagt, ich habe das am Anfang etwas unterschätzt." Aber so etwas wie Enttäuschung gab es nicht. Vor allem die Balken erwiesen sich im Kern als gesund, auch wenn es einige Bausünden, wie an falscher Stelle herausgetrennte Balken und das Verziehen des Hauses als Folge, zu beseitigen gab. "Doch es gab auch Jahre, in denen ich nichts am Haus gemacht habe. Wir hatten ja Zeit, uns ist nichts weggelaufen. " Zunächst stand die Sanierung der Räume innen auf dem Programm. Die Fertigkeiten dafür eigneten sich Hesselbarth und seine Frau Alexandra selber an. "Schon mein Vater, der auch Lehrer war, hat gerne solche Arbeiten gemacht - und ich war immer mit dabei." Handwerkern über die Schulter schauen - und vor allem das richtige Werkzeug in guter Qualität haben - dann kommt man weit, so seine Erfahrung.
Was sich im Innerem des Hauses tat, blieb lange verborgen, denn die Schönheit des Hauses versteckte sich bis 2012 hinter Asbestplatten. Die Sanierung der Fassade übernahm die Familie wieder in Eigenregie - Alexandra Hesselbarth nahm sich der Rekonstruktion der Farbgestaltung samt der Zusammensetzung der Farben an. Ihr Mann brachte sich bei, wie man die Füllungen zwischen den Balken erneuert. "Dafür habe ich Ende der 90er Jahre an der Wand zum Nachbarhaus geübt."
Inzwischen ist der 69-Jährige pensioniert und das Haus eigentlich fertig - aber es bleiben natürlich die Erhaltungsarbeiten. So hilft er seiner jüngeren Tochter Sandra nun, einen Bauernhof im südlichen Bayern in Weihersbach zu sanieren.
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