Oberhaid

"Land unter" laut den Berechnungen

Wasserrecht  Die künftig geltende Hochwasserlinie des Mains rückt sehr nahe an Oberhaid heran. Dann werden sogar bewohnte Bereiche von Unterhaid und ein Teil des Gewerbegebiets im Überschwemmungsgebiet liegen.
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von unserem Redaktionsmitglied Hans Kurz

Oberhaid — Wenn das große Hochwasser kommt, dann wird sich der Main bei Oberhaid über hunderte von Metern verbreitern und bis fast an die Bahnlinie reichen. Das "große Hochwasser" ist ein so genanntes 100-jähriges Hochwasser - Grundlage zur Berechnung von Überschwemmungsgebieten und von Hochwasserlinien, die derzeit neu festgelegt werden. Für die Gemeinde Oberhaid bedeutet das, dass fast der gesamte bebaute Bereich südlich der Ortsdurchfahrt in Unterhaid - einschließlich des dortigen Gewerbegebiets - sowie in Staffelbach der Bereich an der Tiergartenstraße im Überschwemmungsgebiet liegen werden.
In der Konsequenz werden dort dann keine weiteren Bebauungspläne aufgestellt oder Bauflächen ausgewiesen. Oberhaids Bürgermeister Carsten Joneitis (SPD) sieht darin eine "erhebliche Einschränkung in der Siedlungsentwicklung". Da es im Gemeindegebiet nach Norden aus Naturschutzgründen kaum noch Erweiterungsmöglichkeit gebe, seien die Flächen im Maintal die einzige Möglichkeit einer baulichen Ausweitung.
Dass Oberhaid kaum Chancen hat, mit seinen Einwänden gegen die "vorläufige Sicherung des Überschwemmungsgebiets" bei den zuständigen Behörden Gehör zu finden, verdeutlichte Hans-Joachim Rost vom Wasserwirtschaftsamt dem Gemeinderat von Oberhaid. Denn die zuletzt in den 1950er-Jahren festgesetzten Hochwasserlinien orientierten sich an der größten bis dahin gut dokumentierten Überschwemmung.

Kein Vergleich zu einer Flut

Das Hochwasser von 1909 war laut Jost aber allenfalls ein 70-jähriges Ereignis, nicht vergleichbar mit einer Flut, bei der zwischen Viereth und Oberhaid pro Sekunde rund 2000 Kubikmeter Wasser vorbeiströmen würden.
Dieser Wert bildet aber die Grundlage für die Berechnungen von Experten, die, so Rost, wohl kaum zu widerlegen seien. Die neuen Hochwasserlinien bildeten jetzt schon die Grundlage für die Bewertung von Änderungen im Flächennutzungplan oder in der Bauleitplanung.
Der Gemeinderat beschloss trotzdem einstimmig Einwendungen in dem laufenden Anhörungsverfahren. Sollten diese keine Beachtung finden, so dürfe es zumindest in den Bereichen der bestehenden Bebauungspläne oder innerhalb der bebauten Ortsteile keine neuen Einschränkungen geben, fordert die Gemeinde. Laut Rost genießen bestehende Bebauungspläne Bestandsschutz. Er wies aber darauf hin, dass auch die Versicherungen bereits auf die Neuberechnungen zurückgreifen, obwohl das Überschwemmungsgebiet offiziell noch nicht festgesetzt ist.
Und selbst der Oberhaider Wunsch, Siedlung und Gewerbegebiet dann durch einen Deich zu schützen, könnte sich als sehr schwierig erweisen. Denn "Überschwemmungsgebiete müssen in ihrer Form erhalten bleiben", sagte Rost. Es gehe nicht, Material an einer Stelle herauszunehmen und an anderer aufzuschütten. Geregelt ist das im Wasserhaushaltsgesetz, das "das Erhöhen oder Vertiefen der Erdoberfläche" in den ausgewiesenen Überschwemmungsgebieten verbietet.
Für Bürgermeister Joneitis bleibt es dennoch "nicht nachvollziehbar, dass eine Festsetzung von oben ohne Rücksicht auf die Gemeindeentwicklung" erfolgt und diese abbremst.

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