Lichtenfels

Lallender Schwabe blödelt in Lokal herum

Hat er Gäste belästigt oder nicht? In dem Prozess um Hausfriedensbruch ging es am Donnerstag um einen Wandergesellen in einem Lichtenfelser Lokal, um schwäb...
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Hat er Gäste belästigt oder nicht? In dem Prozess um Hausfriedensbruch ging es am Donnerstag um einen Wandergesellen in einem Lichtenfelser Lokal, um schwäbisches Lallen und einen "Geheimbund".
Ab und an sollten Richter Stephan Jäger und Staatsanwalt Christoph Pfab die Augenbrauen hochziehen, bei dem, was sie von dem vor ihnen sitzenden heiteren Angeklagten zu hören bekamen. Die Staatsanwaltschaft legte dem 50-jährigen Zimmerer, der in Wandergesellenkluft erschienen war, zu Last, er habe im Februar dieses Jahres in einem Lichtenfelser Restaurant trotz siebenmaliger Aufforderung des Wirts, Gäste nicht weiter zu behelligen und sein Haus zu verlassen, dieser Aufforderung keine Bedeutung beigemessen. Hausfriedensbruch also.
"Stimmt das so?", wollte Jäger von dem Beschuldigten wissen. Der suchte auszuholen und begann: "In der Gastronomie sagen wir (Wandergesellen) Sprüche auf. Entweder kriegen wir was zu essen oder 50 Cent." Diese Antwort war weder ein Ja noch ein Nein. Darum fragten Pfab und Jäger weiter. Nun erzählte der aus Schwaben stammende und im Bamberger Land wohnende Handwerker schwäbelnd, dass er eigentlich nur darum das Restaurant betreten habe, weil er einen einstigen Vorfall zu bereinigen beabsichtigte. Aber er führte auch an, dass er dabei in besonderen Umständen war: in alkoholisierten. "Ich bin Babba geworden, hab lange nix getrunken und darum nix vertragen. Da is wasch verrutscht. Ich wollt ja nur reden mit dem Mann."
Der Mann, damit war der Wirt gemeint, mit dem er und andere Wandergesellen vor Jahren schon einmal aneinandergerieten. Diesen damaligen Vorfall habe er ansprechen und aus dem Weg räumen wollen.


In Kluft vor Gericht erschienen

Da er damals vor Jahren und zudem im Februar in Kluft gehandelt habe, sei er auch jetzt in Kluft vor Gericht erschienen um die Kluft zu verteidigen. "Aber Sie sind doch nicht mehr auf Wanderschaft", entgegnete Jäger. Dass seine eigene Familie schon seit 500 Jahren auf Wanderschaft sei, dass er der Präsident einer Reisenden Gesellschaft sei und diese einem "kleinen Geheimbund, wie Freimaurer" gleiche, gab der Angesprochene zurück.
"Haben Sie in der Gaststätte um Geld gebeten?", so die neuerliche richterliche Frage. "Nein, ich wollt nur mit dem Herrn reden", so die abermalige Verneinung. "Wurden Sie von dem Inhaber des Gasthauses verwiesen?", so der neue Anlauf zur Klärung des Geschehens. "Ich glaub, wir haben uns da nicht verstanden", erwiderte der Handwerker.
"Wegen schwäbischen Lallens also?", mutmaßte Jäger lächelnd. "Es is mir peinlich, das Ganze hier", führte nun der Zimmerer aus. Und er fügte an: "Ich bin do net rabiat geworden, net, dass ich da Stühle umgschmisse hab." Als aber der Wirt zu Wort kam, erhielt das Verfahren eine andere Richtung. "Er war schon dreimal bei mir", so der Gastronom, der bekräftigte, dass der Wandergeselle von Tisch zu Tisch gegangen sei und "um eine kleine Spende" gebeten habe. "Er war patzig und frech und hat mit mir rumdiskutiert, ließ der Wirt zu Protokoll nehmen. Auf zehn bis 15 Minuten bezifferte er den Aufenthalt des ihm unliebsamen Gastes. Doch bei dem Vorhalt, wonach der Mann betrunken gewesen sein soll, wiegelte der Gastronom ab. "Er war nicht betrunken. Er hat blöde Sprüche rausgehauen, dass er mit ein paar Kumpel wieder vorbeikommen könnte."
An dieser Stelle fragte Jäger den Staatsanwalt, ob es wirklich eines Urteils bedürfe. "Der Fall selber nicht", erklärte Pfab, auf ein Aber hinweisend: "Aber bei dem Vorstrafenregister ..."
16 Einträge sollen dort stehen, allesamt "keine schweren" Dinge, wie Jäger signalisierte. Aber der Richter wollte doch ein Zeichen setzen und schlug eine Verfahrenseinstellung gegen Geldauflage bzw. Erbringung von Arbeitsleistungen vor. "Da bin ich zu schad' dafür", erntete ein verdutzter Jäger, dessen Augen größer wurden. Sollte der Angeklagte das wirklich gesagt haben?
Der Angeklagte erklärte sofort, dass er da gerade eben etwas missverstanden habe und zeigte sich einverstanden, die angebotenen 30 Arbeitsstunden abzuleisten. Mit dem Versprechen, nicht mehr in dieses Lichtenfelser Lokal zu gehen, verließ der Zimmerer den Gerichtssaal.
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