Bamberg
Beschäftigung 

Längst nicht alle Stellen besetzt

Viele Firmen suchen noch nach Auszubildenden. Trotzdem waren im Bereich der Geschäftsstelle Bamberg der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg zum 31. August 96 unversorgte Jugendliche gemeldet.
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Das zweite Ausbildungsjahr als Koch im "Eckerts" in Bamberg beginnt am 1. Oktober für Mohammed Arhim aus Syrien (rechts). Sechs Ausbildungsplätze hätte Alexander Grüner 2015 im vergangenen Jahr gern besetzt. Es ist nicht gelungen. Viele bürokratische Hindernisse waren zu überwinden, bis er dem 34-jährigen Journalisten, der bei Dubai TV als Regisseur an einer erfolgreichen TV-Produktion mit dem Thema Kochen gearbeitet hat, eine Chance geben konnte, das Kochen von der Pike auf zu lernen (hier i...
Das zweite Ausbildungsjahr als Koch im "Eckerts" in Bamberg beginnt am 1. Oktober für Mohammed Arhim aus Syrien (rechts). Sechs Ausbildungsplätze hätte Alexander Grüner 2015 im vergangenen Jahr gern besetzt. Es ist nicht gelungen. Viele bürokratische Hindernisse waren zu überwinden, bis er dem 34-jährigen Journalisten, der bei Dubai TV als Regisseur an einer erfolgreichen TV-Produktion mit dem Thema Kochen gearbeitet hat, eine Chance geben konnte, das Kochen von der Pike auf zu lernen (hier im Bild mit Christian Hörner-Seiser). Foto: kopfwerrk
sabine ChristofziK

Bamberg — Rein rechnerisch ja. Ginge es ausschließlich um Statistik, hätte in der Region Bamberg jeder Jugendliche, der eine Lehrstelle sucht, auch einen Ausbildungplatz bekommen.
Mehr noch: betrachtet man den Faktor 4,7, der die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen pro unversorgtem Bewerber widerspiegelt, heißt das, dass hochgerechnet für 100 Leute 470 Stellen zur Verfügung stehen. Das allerdings ist graue Theorie, denn als unversorgte Bewerber ohne Alternative bis zum 30. September sind in Stadt und Landkreis bei der Agentur für Arbeit (Geschäftsstelle Bamberg) 96 junge Leute gelistet.
Die Top-Ten der unbesetzten Berufsausbildungsstellen führen Verkäufer/in - Lebensmittelhandwek - Bäckerei, Koch/Köchin, Berufskraftfahrer/-in, Kaufmann/-frau im Einzelhandel, Hauswirtschafter/-in, Bäcker/-in, Hotelfachmann/-frau, Industriekaufmann/-frau, Kaufmann/-frau - Büromanagement und Verkäufer/in. Hier warten teilweise mehr als ein Dutzend Betriebe auf geeignete Bewerber.


Es ist noch nicht zu spät

Wer den 1. September "verpasst" hat, ist noch lange nicht zu spät dran. "Die Berufsschulen sind auf Später-Einsteiger eingestellt. Bis November/Dezember bringt das in der Regel keine Lernstoff-Nachhol-Probleme mit sich", sagt Matthias Klar, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg. Auch nach dem Beginn des neuen Ausbildungsjahres werde in Zusammenarbeit mit den Kammern und Innungen, den Kommunen und Gewerkschaften weiter um Ausbildungsstellen geworben.


Mädchen wählen anders

"Noch vor zehn Jahren kamen auf 60 Lehrstellen 100 Bewerber. Jetzt hat sich das Verhältnis umgekehrt", so Klar. "Damals mussten die Jugendlichen schauen, was muss ich mitbringen, damit ich eingestellt werde. Heute müssen viele Arbeitgeber überlegen, was biete ich an, damit der Azubi zu mir kommt."
Nach wie vor feststellbar sei, dass Mädchen bei der Berufswahl eher darauf achteten, dass sie zufrieden und glücklich damit seien. Das Geldverdienen stehe im Hintergrund. Anders sehe es bei den Jungen aus. "Wahrscheinlich, weil immer noch das tradierte Rollenbild vom Mann als Ernährer der Familie greift." Für viele Suchende ergebe sich auch nach dem 1. September eine Chance auf den Wunschberuf, wenn Azubis feststellten, dass der gewählte Berufsweg für sie doch nicht der Richtige ist. "Unsere Berufsberater empfehlen stets, vorher Praktika zu machen, denn nichts geht über die eigene Erfahrung." Im Vergleich zum Vorjahr hätten die Firmen heuer sechs Prozent mehr Ausbildungsstellen gemeldet. Die Entwicklung gehe dahin, dass die Betriebe sich die besten Fachkräfte nicht vom Arbeitsmarkt holten - wo sie in manchen Branchen teilweise auch kaum noch verfügbar seien - sondern selbst ausbildeten.
"Im oberfränkischen Handwerk haben seit dem 1. Januar 1679 Jugendliche einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen, 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr (in der Stadt Bamberg 153, im Landkreis 215).


Mehr Geld

In vielen Branchen haben die Tarifparteien in den vergangenen Jahren die Ausbildungsvergütungen erhöht. "Besonders stark waren die Erhöhungen bei Mechatronikern für Kältetechnik und bei den Konditoren. Sie verzeichnen Steigerungen von 18 Prozent im Vergleich zu 2014", erklärt Rainer Beck, Geschäftsführer bei der Handwerkskammer für Oberfranken, in einer Pressemitteilung der HWK. An der Spitze bei den Vergütungen stehen weiterhin Maurer und Zimmerer. Sie verdienen im ersten Jahr 755 Euro monatlich, im dritten Ausbildungsjahr über 1400 Euro.
"Gut 25 jugendliche Asylsuchende werden zum 1. September ihre Ausbildung im oberfränkischen Handwerk beginnen und damit den Grundstein für eine erfolgreiche Integration in den deutschen Arbeitsmarkt legen", informiert Kammer-Präsident Thomas Zimmer.
Zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres hat die Industrie- und Handelskammer für Oberfranken im laufenden Jahr 3472 neue Ausbildungsverträge registriert. "Damit toppen wir zum 1. September zum dritten Mal in Folge die Zahl der neuen Ausbildungsverhältnisse", freut sich IHK-Präsident Heribert Trunk.


Dreimal Zuwachs

Die IHK für Oberfranken in Bayreuth ist die einzige Industrie- und Handelskammer in Bayern, die drei Mal in Folge zum 1. September einen Azubi-Zuwachs vermelden kann. Die Mitgliedsunternehmen der IHK in Oberfranken stellen rund zwei Drittel aller Ausbildungsplätze, teilt die Kammer mit. "Angesichts des Fachkräftebedarfs setzen sie auf Ausbildung als Herzstück der Fachkräftesicherung. Da es jedoch weniger Bewerber als offene Ausbildungsstellen gibt, konnten nicht alle Ausbildungsplätze besetzt werden. Betroffen sind unter anderem der Einzelhandel, die Hotelbranche und die Gastronomie, sowie viele technische Berufe", so IHK-Hauptgeschäftsführerin Christi Degen.
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