Kulmbach
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Kulmbacher schreibt eine Kammeroper

Lorenz Trottmann hat ein Werk mit sieben Episoden komponiert. Die Uraufführung findet heute in Nürnberg statt.
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Lorenz Trottmann hat als Masterarbeit eine Kammeroper in sieben Episoden geschrieben. Sie wird am 8. Juni um 13 Uhr im Heilig-Geist-Saal am Hans-Sachs-Platz, Nürnberg, uraufgeführt, Lorenz Trottmann übernimmt auch den Klavierpart. Zuhörer sind herzlich willkommen
Lorenz Trottmann hat als Masterarbeit eine Kammeroper in sieben Episoden geschrieben. Sie wird am 8. Juni um 13 Uhr im Heilig-Geist-Saal am Hans-Sachs-Platz, Nürnberg, uraufgeführt, Lorenz Trottmann übernimmt auch den Klavierpart. Zuhörer sind herzlich willkommen
Der Kulmbacher Lorenz Trottmann (24) hat eine experimentelle Kammeroper in sieben Episoden geschrieben. Ur-Aufführung ist heute ab 13 Uhr im Heilig-Geist-Saal in Nürnberg. Die Komposition ist seine Masterarbeit im Fach aktuelle Musik - seine Schwester Verena fungiert als Regieassistenz. Der Clou an der Oper: Sie beinhaltet verschiedenartigste Musik - Techno, Bierhallen-Rap, Arbeiterlieder, Liebesduette.

Wann hast du zum ersten Mal komponiert?
Lorenz Trottmann: Meine erste Komposition habe ich mit acht Jahren geschrieben. Mein Vater, der ja Kirchenmusiker an der Stadtpfarrkirche "Unsere Liebe Frau" in Kulmbach ist, hatte bereits in den 90er Jahren ein Notensatzprogramm auf dem Computer, damit habe ich als Kind gespielt und eines Tages kam ein anhörbares Stück dabei heraus. Das hat mich motiviert, weiterzumachen.

Wie kommt man als junger Mann dazu, eine Kammeroper zu schreiben?
Nimmt man aktuelle Stoffe oder macht sich Gedanken über die Aktualität klassischer Stoffe, dann kann man heute gerade mit Oper sehr starke Statements platzieren. Dazu hat man durch die Größe der Komposition die Möglichkeiten, viele Stile und Formen zu verarbeiten und auszuprobieren.

Wie lange hast du an dieser Kammeroper gearbeitet?
Ich habe von September 2015 bis Februar 2016 daran komponiert, allerdings erklingt die Oper heute in einer provisorischen Fassung, in der noch zwei Episoden fehlen. Die konnte ich leider nicht mit hinein nehmen, weil die Spielzeit für meine Masterarbeit auf sechzig Minuten begrenzt ist.

Wie kam dir die Idee zu der Musik?
Einerseits hat meine Freundschaft zum Librettisten Michael Herrschel die Idee geweckt, mit ihm gemeinsam eine Oper zu schaffen, andererseits muss ich in meinem Kompositionsstudiengang ein großes Abschlussprojekt präsentieren. Da lag die Idee natürlich nicht fern, es mit einer Oper zu versuchen. Zuerst hatte ich die Idee, eine Oper über den Alchimisten Krohnemann, der im 17. Jahrhundert in Bayreuth und Kulmbach sein Unwesen trieb, zu schreiben. Allerdings wäre das Projekt aufgrund seiner Größe (sechs Solisten und Chor) von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen, daher kam Michael und mir die Idee, dass wenige Solisten viele Personen spielen. Unsere Vorliebe für Kneipen mit Charakter und unser Auge für die kleinen Absurditäten haben dann den finalen Anstoß gegeben.

Wovon handelt die Oper?
Die Oper besteht aus sieben mehr oder weniger langen Situationen, die teilweise aufeinander aufbauen. Die Geschichten kommen aus verschiedenen Ecken. Michael Herrschel, hat das Libretto geschrieben. Er ist Lyriker, Dramaturg und Rezitator aus Nürnberg und hat als Schriftsteller natürlich Fantasie. Er schafft die unmöglichsten Situationen. Dazu kommen noch wahre Begebenheiten, die allerdings so verfremdet sind, dass man sie nicht mehr zurückverfolgen kann. Insgesamt zieht eine große Stadt wie Nürnberg merkwürdige Situationen an, wie sie in Kulmbach höchstens Samstag Nacht in der Oberen Stadt oder am Busbahnhof passieren könnten, aber ansonsten nicht denkbar sind. In Nürnberg erlebt man solche Dinge am helllichten Tag mitten in der Fußgängerzone. Wie diese Situationen aussehen, will ich aber noch nicht verraten.

Bei der Oper wirkt auch deine Schwester mit. Wie ist das, gut oder schlecht, gibt das Stress zwischen den Geschwistern?
Stress gibt es eigentlich keinen. Meine Schwester Verena, die bereits als Praktikantin deutschlandweit bei mehreren Theater- und Fernsehproduktionen mitgewirkt hat, hat absolut professionell und zuverlässig mitgewirkt. Tatsächlich hätte es auch nicht viele mögliche Reibungspunkte geben können. Denn sie ist als Regieassistentin und Requisiteurin mehr für die Szene verantwortlich, ich für die Musik. Die Szenen liegen nicht in meinen Händen.

Was bedeutet experimentelle Kammeroper?
Ich habe in die Oper eine bunte Stilmischung reingepackt. Es kommt beispielsweise ein Trinklied vor, das nicht gesungen, sondern als Sprechgesang skandiert wird, ein bisschen stecken Ideen aus dem Hip-Hop dahinter. Im weiteren Verlauf der Oper gibt es dann einen stilechten Techno-Song, auf dessen Basslinie dann Sänger und Ensemble einsteigen. Dann gibt es - ganz klassisch - Arien, Duette, Rezitative und kurz darauf fast reine Theaterszenen, die von der Musik lediglich untermalt werden.

Welches Gefühl ist es, dass die Oper jetzt aufgeführt wird?
Ich freue mich riesig darauf, das Stück in seiner Gesamtheit präsentieren zu können, aber es wird ein ziemlicher Brocken. Ich habe zwar schon einige Veranstaltungen organisiert, aber die Größenordnung hatte ich noch nie, das macht mich natürlich sehr nervös. Darüber hinaus bin ich allen Beteiligten unendlich dankbar, meine Mitstudierenden machen das alle freiwillig, das rechne ich ihnen hoch an!

In dem Stück spielen drei Personen etwa 20 Leute. Wie funktioniert das?
Das Prinzip ist ganz einfach. Die drei Solisten müssen sich mehrmals umziehen und mit den neuen Kostümen auch neue Charaktere annehmen. Der Saal in Nürnberg mit drei möglichen Bühneneingängen bietet dafür optimale Bedingungen.

Wo wird die Oper aufgeführt?
Der Aufführungsort ist der Heilig-Geist-Saal am Hans-Sachs-Platz in der Nürnberger Alt-stadt (nicht weit vom Lorenzer Platz entfernt). Die Kirche des Heilig-Geist-Spitals wurde nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg zum Konzertsaal umgebaut und ist eine der wichtigsten Spielstätten für die Hochschule für Musik.

Wird die Oper auch einmal in Kulmbach gespielt?
Die Aufführung am Mittwoch wird sicher nicht die letzte sein. Die Oper ist kleinformatig und damit relativ günstig zu realisieren. Sie ist auch nicht an ein Opernhaus gebunden und kann in mittelgroßen Sälen gespielt werden, daher wäre auch eine Aufführung in Kulmbach gut möglich. Geplant ist allerdings noch nichts.

Kommen Freunde und Eltern zur Premiere?
Meine Eltern hätten es gerne möglich gemacht, aber durch die Aufführungszeit am Mittag müssten sie ihre Arbeit schwänzen, was natürlich nicht geht. Dafür gibt es unter meinen Mitstudierenden ein großes Interesse, der Saal wird hoffentlich sehr voll. Sogar Oberbürgermeister Henry Schramm und Landrat Klaus Peter Söllner haben uns viel Erfolg bei der Uraufführung gewünscht.

Die Fragen stellte Sonny Adam.
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