Scheßlitz
Vernissage 

Künstlerinnen erobern die Burg

Vier Mitglieder der Gruppe "StilleStoerung" stellen im Bergfried aus.
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Bei der Vernissage der Künstlergruppe "StilleStoerung" begrüßte stellvertretender Landrat Johann Pfister die Künstlerinnen und Gäste im Turm der Giechburg. Foto: Joseph Beck
Bei der Vernissage der Künstlergruppe "StilleStoerung" begrüßte stellvertretender Landrat Johann Pfister die Künstlerinnen und Gäste im Turm der Giechburg. Foto: Joseph Beck
Der Turm der Giechburg bei Scheßlitz zog wieder Künstlerinnen in seinen Bann. Die vier Powerfrauen der Künstlergruppe "StilleStoerung" - Ruth Bergmann aus Höchstadt, Sybille Fenzel aus Heroldsberg bei Nürnberg, Doris Henle aus Eichstädt und Petra Annemarie Schleifenheimer aus Fürth - stellen in den Etagen ihre Werke unter dem Gruppennamen aus. Herzlich und humorvoll begrüßt wurden sie dazu von Stellvertretendem Landrat Johann Pfister (BBL). Er stellte auch kurz die Giechburg in ihrer wechselhaften Geschichte vor.
Rebecca Suttner von der Kunstgalerie Fürth erläuterte die Geschichte der dreijährigen Gruppe. Bei dem monatlichen Treffen werden gemeinsam mit Wortspielen die Themen für die nächsten Arbeiten gefunden, wie zum Beispiel: "Kälte-Rätsel", "Fluss-Herz", oder "Flügel-Bezug". Jede der vier Frauen bearbeitet dann das Thema nach eigenem Belieben und persönlichen Vorstellungen. In Telefonaten oder Gesprächen dürfen sie sich weiter austauschen. Im Erdgeschoss, in der Nische im zweiten Stock, in der Kommode im dritten oder ganz oben unter dem Dach können die Beiträge aller vier zu jeweils einem gemeinsamen Thema gesehen werden. Daneben werden von allen aber auch eigene Kunstwerke präsentiert.
Im ersten Stock des Turmes nimmt den ganzen Raum die Papierinstallation von Ruth Bergmann ein. Ihre gesellschaftskritischen Themen befassen sich unter anderem mit Umweltschutz und Massentierhaltung. Wer das Werk am Boden sieht, wird erstaunt sein über die wellenförmige, rosenblättrige Struktur in dunkelroter Farbe. Beim Lesen des Titels "Was soll ich tun?" kommt man zunächst auch noch nicht weiter. Erst beim Untertitel ("Acht Liter Schweineblut mit der Pipette auf 63 Meter chinesisches Schriftrollen-Papier gespritzt") verschlägt es einem dann doch zunächst etwas den Atem. Nach der Schockwirkung und kurzer Stille eröffnen sich dem Betrachter sicherlich verschiedene Sichtweisen. Die große Weltkarte im Gang davor wurde aus über 10 000 Plastikteilchen von Hand zusammengenäht.
Die Werke von Doris Henle eine Etage höher sind größtenteils ohne Titel. Als Materialien verwendet sie Wachs, Baumwolle, Metall und andere. Die Künstlerin schöpft aus einem Materialkosmos und meint: "Meine Arbeiten finden mich."
Ute Lederer aus Stein bei Nürnberg sagte zu diesem Zimmer und der Ausstellung insgesamt: "Der Raum wird ideal genutzt" und Markus Böhm aus Nürnberg fügte an: "Es entstehen fast neue Kunstwerke."


Verbergen und Offenbaren

Petra Schleifenheimer stellt sich als Sammlerin und Beobachterin dar. Die Besucher lässt sie offen an ihre kommunikative und auf Interaktionen ausgelegte Arbeitsweise herantreten. Neben Arbeiten auf ihrem Schreibtisch besticht ein Pult mit zwei Stapeln von Glasplatten. Im Wechselspiel zwischen Verbergen und Offenbaren sind die Handabdrücke von 48 Personen zu sehen.
Sybille Fenzel fühlt sich als vierte im Quartett in einer breiten Palette gestalterischer Möglichkeiten zu Hause. Unmittelbar und expressiv, vielschichtig und doch einfach entstehen ihre Objekte am Übergang zwischen Innen- und Außenwelt. Bei ihrem Objekt "Unstillbar" kauert ein geschlechtsloser Homunculus auf der Oberfläche eines unwirtlichen Ortes.
Im großen Turmzimmer unter dem Dach sind alle Künstlerinnen wieder als Gruppe vereint. Das Objekt "Brot-Probe" darf von den Besuchern wörtlich und als Aufforderung genommen werden, das Aufgeschnittene zu essen. Dazu gibt es auch eine kurze Toninstallation.
Die Ausstellung ist noch bis 7. Mai zu sehen. Öffnungszeiten sind Samstag, Sonn- und Feiertage von 11 Uhr bis 18 Uhr.
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