Kulmbach
Schlägerei 

"Komplett sinnlose Aktion"

Das Amtsgericht hat ein Verfahren gegen ein 24-jährigen Kulmbacher eingestellt. Weder Strafvereitelung noch eine Falschaussage konnten ihm nachgewiesen werden.
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Eine Schlägerei in einer Kneipe in der Oberen Stadt hatte zum wiederholten Mal ein Nachspiel vor dem Kulmbacher Amtsgericht. Symbolfoto: Christopher Schulz
Eine Schlägerei in einer Kneipe in der Oberen Stadt hatte zum wiederholten Mal ein Nachspiel vor dem Kulmbacher Amtsgericht. Symbolfoto: Christopher Schulz
Stephan Herbert Fuchs

Ein heftiger Schlag gegen den Kopf des 32-jährigen Mannes und er hätte tot sein können. Insofern war das keine alltägliche Schlägerei am 8. November 2014 in einer Kneipe in der Oberen Stadt. Zwei Bekannte, die wussten, dass der 32-Jährige gerade eine schwere Kopfoperation überstanden hatte, griffen beherzt ein und gingen massiv gegen den 18-jährigen Aggressor aus Kulmbach vor.
Umso größer war das Erstaunen bei dem 32-Jährigen und seinen beiden Helfern, als sie sich im April dieses Jahres plötzlich auf der Anklagebank wiederfanden. Der 18-Jährige hatte einfach den Spieß umgedreht und den Ermittlungsbehörden das Trio als Täter präsentiert. Die drei wurden damals freigesprochen, ein Verfahren gegen den Aggressor steht noch aus.


Verhängnisvolle Aussage

Dass die drei damals überhaupt vor Gericht landeten wurde erst durch einen Kumpel möglich, der während der polizeilichen Ermittlungen für den 18-Jährigen ausgesagt hatte. Wegen Falschaussage und Strafvereitelung musste sich der 24-jährige Kulmbacher jetzt vor dem Amtsgericht verantworten.
Obwohl die Vorzeichen eigentlich eindeutig waren, gestaltete sich das Verfahren schwierig. Der Angeklagte blieb dabei: "Aus meiner Sicht war meine Aussage wahrheitsgemäß."
Es stellte sich heraus, dass es gar nicht so einfach war, ihm nachzuweisen, dass er etwas Falsches gesagt hatte, um seinem Kumpel zu helfen. Grund dafür ist das Umfeld des Lokals in der Oberen Stadt. Sämtliche Besucher der Kneipe waren an besagtem Abend alkoholisiert, sämtliche Beteiligte an der Schlägerei hatten schon was auf dem Kerbholz - soll heißen, sie sind, meist sogar wegen Falschaussagen oder Körperverletzungsdelikten, vorbestraft.
Noch dazu verweigerte der eigentliche Aggressor die Aussage, was er auch durfte, weil sein Verfahren ja noch ansteht.
So blieb Richterin Sieglinde Tettmann nichts anderes übrig, als das damalige Geschehen noch einmal mühsam Revue passieren zu lassen. Alle drei damals angeklagten und später freigesprochenen Personen sagten aus, dass die Aggressionen von dem 18-Jährigen ausgegangen waren. Warum, das wusste keiner mehr so genau. Mit gegenseitigen Beleidigungen im Vorraum der Kneipe habe es angefangen, mit Prügeln und Schlägen aufgehört. "Es war eine komplett sinnlose Aktion", sagte der Angeklagte.


Zu Unrecht angeklagt

Allerdings äußerten die drei schon noch einmal ihren Unmut darüber, dass sie sich damals völlig zu Unrecht vor Gericht verantworten mussten. "Der sitzt auf ihm drauf, schlägt auf ihn ein und wir, die dazwischengehen, um zu helfen, bekommen die Anklage", sagte eine Frau, die damals mit beherzt eingegriffen hatte.
Als nach gut zweieinhalb Stunden Verhandlung noch immer keine Lösung in Sicht war, kamen Richterin Tettmann, Staatsanwalt Willi Dreise und Verteidiger Wolfgang Schwemmer überein, das Verfahren gegen 80 Stunden gemeinnützige Arbeit einzustellen.


Erhebliche Zweifel

Nach den bisherigen Aussagen bestünden erhebliche Zweifel daran, ob der genaue Hergang der Ereignisse vom 8. November 2014 überhaupt noch mit der notwendigen Sicherheit aufgeklärt werden kann, so die Richterin. Eine komplette Aussetzung des Verfahrens und die Ladung weiterer Zeugen wollten die Beteiligten nicht riskieren, zumal die Aussichten auf Erfolg eher niedrig gewesen wären.

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