LKR Haßberge

Kommunen sollen für Betreuung ihrer Wälder nach Marktpreis zahlen

Eckehard Kiesewetter Ebern — In etlichen Kommunen der Region reagiert man aufgebracht, und in Ebern, einer der waldreichsten Gemeinden der Umgebung, will ma...
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Eckehard Kiesewetter

Ebern — In etlichen Kommunen der Region reagiert man aufgebracht, und in Ebern, einer der waldreichsten Gemeinden der Umgebung, will man die Entscheidung von Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) nicht widerstandslos hinnehmen. Gemeint ist der angekündigte Rückzug der staatlichen Forstverwaltung aus der Betreuung kommunaler Wälder, wovon der FT in seiner Ausgabe vom Samstag, 27. August, berichtet hat. Nach den Münchener Plänen sollen die staatlichen Revierleiter künftig Gemeindewälder, die größer als 200 Hektar sind, nicht mehr betreuen, was besonders Kommunen in Unterfranken - so wie etwa die Stadt Ebern - träfe. Doch diese Entwicklung stößt in den Haßbergen keineswegs nur auf Kritik.
Namens der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Haßberge meldet sich deren Zweiter Vorsitzender Alexander von Rotenhan als Verfechter dieser Pläne zu Wort. Der Lichtensteiner verwahrt sich gegen unangebrachte Schwarzmalerei, wonach die Waldbesitzer, insbesondere die Kommunen in Zukunft forstlich vor dem Abgrund stünden, da die staatliche Beförsterung, wie es im Amtsdeutsch heißt, eingestellt werden soll.
Hintergrund der ganzen Sache, so führt der Freiherr aus, sei die sogenannte Forstreform und nicht eine plötzliche Idee des Landwirtschaftsministers Brunner. De facto sei die Reform, an der auch der einstige Haßberge-MdL Sebastian von Rotenhan aus Rentweinsdorf (CSU) mitgebastelt hatte, schon vor Längerem von der bayerischen Regierung beschlossen worden.


Staatswald war hochdefizitär

Der Reformbedarf wurde laut Rotenhan unter anderem dadurch ausgelöst, dass der "nicht ganz kleine" Staatswald tiefrote Zahlen geschrieben habe, was einem Privatwaldbesitzer, der von seinem Wald lebt, nicht so recht einleuchten mag.
"Auch war es ungerecht, den Körperschaftswald (Gemeinden, Waldgenossenschaften, Waldkörperschaften) kostenlos durch den Staat betreuen zu lassen, den Privatwald dagegen nicht", so der Adelige, der in der Spitze der FBG Haßberge den Großprivatwald vertritt.
Für die Umsetzung sei die weitere Beförsterung zunächst zu subventionierten gemäßigten Preisen kostenpflichtig gemacht worden, um allmählich an die tatsächlichen Aufwendungen herangeführt zu werden.
Rotenhan stellt klar: "Letztendliches Ziel soll dann die völlige Aufgabe dieser Betreuungstätigkeit sein, die zunächst auf 2017, mittlerweile sozialverträglich auf 2025 verlängert wurde."


Die Rolle der FBGs

Gleichzeitig seien mit der Forstreform seither die bestehenden Forstbetriebsgemeinschaften (FBG) fachlich und finanziell unterstützt worden, welche den Angaben zufolge die Aufgaben des Staates übernehmen sollen. Rotenhan räumt ein: "Ebenso haben natürlich private Anbieter die Chance, diese Tätigkeit zu übernehmen." Doch hier erwartet er negative Folgen durch kommerzielles Streben, da private Anbieter in erster Linie nach den lohnenden Objekten (größere Waldungen) Ausschau halten würden: "Der kleine Privatwald würde hier stark vernachlässigt werden oder gar nicht berücksichtigt werden".
Im Landkreis Haßberge, so schildert Rotenhan die bisherige Entwicklung, "haben wir aus den drei kleinen unrentablen Forstbetriebsgemeinschaften mittlerweile durch Fusion eine starke forstliche Einrichtung mit Sitz in Hofheim geschaffen, die
sich professionell um alle Belange der Waldbesitzer kümmert".
Die FBG Haßberge war 2002 aus den Forstbetriebsgemeinschaften Ebern und Hofheim, beide gegründet im Jahr 1977, hervorgegangen. 2008 kam die FBG Eltmann hinzu, die sich erst im Jahr 1990 nach den großen Stürmen Vivian und Wiebke formiert hatte
Die FBG Haßberge zählt laut Alexander von Rotenhan inzwischen weit über 750 Mitglieder und betreue eine "Mitgliedsfläche" von über 20 000 Hektar. Personell verfüge die FBG aktuell über eine Geschäftsführerin, zwei studierte Forstleute und eine weitere Hilfskraft. "Insofern", gibt sich Rotenhan überzeugt, "braucht sich kein Waldbesitzer, egal welcher Rechtsform, Sorgen machen, dass er zukünftig alleine gelassen wird."


Zu Marktpreisen

Der gravierende Unterschied sei, dass die Kommunen künftig, wie alle anderen Waldbesitzer auch, für diese Betreuungsleistungen bezahlen müssen, "und zwar zu Marktpreisen". Da spiele es keine Rolle, ob man als Bürgermeister, wie von Eberns Jürgen Hennemann (SPD) geäußert, "damit nicht einverstanden ist". Für Alexander von Rotenhan steht fest: "Es ist nur recht und billig und aus meiner Sicht auch längst überfällig."

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