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Bamberg
Interview 

Kleines "Gipfelglück" in der Halle

Die Boulderhalle in der Memmelsdorfer Straße hat im ersten Jahr rund 30 000 Menschen aus der Region angelockt. Jetzt wird sie bereits vergrößert. Jungunternehmer Simon Herr glaubt, dass Bouldern mehr als eine Trendsportart ist.
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Vor allem Abends und am Wochenende ist die Boulderhalle der Blockhelden gut frequentiert.  Foto: privat
Vor allem Abends und am Wochenende ist die Boulderhalle der Blockhelden gut frequentiert. Foto: privat
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Mit Bouldern geht es aufwärts. Nicht nur, aber auch in Bamberg liegt das Klettern ohne Seil in geringen Höhen über Fallschutzmatten im Trend: Kurz nach ihrem ersten Jahrestag wird die in der ehemaligen Posthalle (Memmelsdorfer Straße 211) untergebrachte Boulderhalle um das Doppelte vergrößert. Hinter dem Projekt steckt die Firma Blockhelden, die vor drei Jahren von Simon Herr (34) und Simon Brünner (35) gegründet wurde und auch eine Halle in Erlangen betreibt. Unterstützt werden sie in Bamberg von Betriebsleiter Jan Storath (29), der die Halle mitaufgebaut und geprägt hat.
Die Erweiterung des Angebots wird am Samstag ungezwungen gefeiert. Ab 9 Uhr gibt es ein Weißwurstfrühstück, bei dem Gäste und Teilnehmer Kräfte für den Spaßwettkampf sammeln können, der mit der Eröffnung der neuen Kletterwände um 11 Uhr beginnt. Dabei geht es darum, möglichst viele von den 69 Wettkampfbouldern in allen Schwierigkeiten zu bezwingen.

Die Halle in Bamberg ist seit gut einem Jahr in Betrieb und wird jetzt bereits erweitert. Das klingt nach einem Erfolgsprojekt. Wie drückt sich das konkret aus?
Simon Herr: Seit der Eröffnung unseres Standortes in Bamberg konnten wir bereits über 30 000 Menschen aus der Region bei uns zum Bouldern begrüßen. Das allein spricht schon Bände. Wir sehen es aber auch konkret jeden Tag mit welcher Begeisterung die Menschen zu uns kommen und wie viel positives Feedback wir erhalten. Innerhalb eines Jahres hat sich hier in Bamberg eine große Gemeinschaft an Boulderern gebildet. In den Abendstunden und an den Wochenenden ist die bereits bestehende Etage sehr gut gefüllt und unsere Besucher fragen immer wieder nach mehr Boulderfläche und einem größeren Angebot an Boulderrouten. Die Menschen, das war schon immer Kern unserer Philosophie, erwecken so einen Ort erst zum Leben und die Stimmung in der Gemeinschaft ist das, was so eine Boulderhalle letztlich zu einem besonderen Ort macht. Deshalb haben wir uns und unsere Hallen auch Blockhelden genannt. Alles in allem freuen wir uns sehr, dass der Start in Bamberg so gut geklappt hat.

Was bringt die zweite Ausbaustufe für die Kletterfreunde an Neuerungen mit sich?
Zunächst einmal verdoppeln wir dadurch die Kletterfläche und damit auch die Anzahl an Boulderrouten, die wir an den Wände gestalten können. Dabei geht es nicht nur um die reine Anzahl, sondern vielmehr auch um die Möglichkeit, an noch mehr verschiedenen Wandformen bouldern zu können. Wir können damit also noch mehr Abwechslung bieten. Dazu kommt ein Trainingsbereich auf internationalem Niveau, für den uns bisher der Platz fehlte. Das Gleiche gilt auch für unseren Zubehörshop und einen Kurs- und Yogaraum, die wir erst jetzt mit dem Ausbau unterbringen konnten. Dafür haben wir im vorderen Bereich der Halle ein house-in-house mit einer modernen Interpretation eines fränkischen Fachwerks gestaltet. Nicht zuletzt gibt es natürlich auch einfach mehr Platz, mehr Bewegungsfreiheit und durch die offene zweistöckige Gestaltung viele spannende Perspektiven in die Halle.

In den 1980er-Jahren war Squash die Trendsportart und im Erfolgsboom entstanden viele Hallen, die inzwischen leerstehen oder umgebaut wurden. Was macht Sie sicher, dass den Boulderhallen mittelfristig nicht ein ähnliches Schicksal blüht?
Wir halten die Gefahr, dass das Bouldern ein ähnliches Ende findet, für unwahrscheinlich. Bouldern ist eine Sportart, die es schafft, sehr vieles zu verbinden. Bouldern ist eine Mischung aus Einzel- und Teamsport. Obwohl zunächst einmal nur die eigene Leistung zählt, wird eigentlich immer in der Gruppe gebouldert. Bouldern verbindet Kraft, Geschicklichkeit, Beweglichkeit, Koordination, Technik und vieles mehr zu einer Sportart mit sehr intensiven Bewegungen. Bouldern ist jedesmal anders. Wir gestalten die Boulderrouten ständig neu, so dass wir unseren Boulderern immer wieder neue Herausforderungen stellen können. Zuletzt erzeugt Bouldern auch ein Gefühl von Abenteuer und Freiheit; letztlich stammt es ja vom Klettern und Bergsteigen ab und auch beim Bouldern gibt es ein kleines "Gipfelglück", wenn der Blockheld die Boulderoute geschafft hat und von oben von der Boulderwand den Blick herabschweifen lässt. 2020 ist Klettern übrigens erstmals olympisch.

Die Fragen stellte
Michael Memmel