Kronach

Klavier- und Orgelklänge verzaubern in der Christuskirche

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Kronach — Bereits im ersten Stück, "Präludium c-Moll" aus "Das wohltemperierte Klavier" von Johann Sebastian Bach, zauberte Neli Stefanova ein wenig. Als Bach damals das Stück komponierte, konnte es nicht auf der Orgel aufgeführt werden.
Als Stefanova das Konzert in der evangelischen Christuskirche Kronach eröffnete, spielte sie es trotzdem auf der Orgel. Gemeinsam mit Ulrike Maria Gossel (Violoncello) verzauberte sie so die Zuhörer bis zum letzten Ton.

Eine Einheit mit dem Instrument

In einer Bearbeitung von Ignaz Moscheles wurden drei weitere Präludien aus Bachs Werken gespielt. In den Präludien Nr. III und IV harmonierten die beiden Künstlerinnen und auch Nr. VI, welches "im strengen Styl" dargeboten wurde, war nicht weniger ausdrucksstark.
Theodor Kirchners Talent als Musiker wurde früh erkannt und gefördert. So war er Schüler von Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy und schrieb später sehr viele Stücke, vor allem für Klavier, aber auch für das aufspielende Ensemble: Das "Poco Lento" der "Zwei Tonstücke für Violoncello und Orgel op. 92" war schön zu hören. Stefanova bereitete einerseits den Klangteppich für das Cello vor, auf dem sich dieses entfalten konnte, andererseits waren die Melodieübergaben zwischen den Instrumenten so natürlich und exakt, dass man sie förmlich verschmolzen wahrnahm.
Die "Prière für Violoncello und Orgel Op. 158" stand dem in nichts nach. Nach kantablem Beginn wurde die Ruhe durch schnellere Wechsel im Cello und aufregendere Registrierung in der Orgel abgelöst, bevor wieder Ruhe einkehrte und die Melodien ausklangen.
Schließlich begaben sich die beiden Künstler von der Empore hinab vor den Altar und spielten auch sichtbar vor ihrem Publikum "Fünf Lieder für Violoncello und Klavier" von Johannes Brahms in einer Bearbeitung von David Geringas. Mit der "Feldeinsamkeit. Langsam" begann es: In ruhiger Art, sitzend auf einer Bank, der Blick schweift über die Felder und Wiesen und erfasst die Schönheit der Natur.
"Wie Melodien zieht es mir... Zart" durch den Kopf und die Finger fangen an zu spielen und hören erst auf, wenn alle Ideen durchgespielt.

Nicht für die Fische gespielt

Gossel und Stefanova verstanden es sehr gut, diese Bilder mit ihren Instrumenten der Musik zu entlocken und auch in den langsamen Passagen wie in der "Sapphischen Ode. Ziemlich langsam" die Zuhörer zu binden, den Spannungsbogen zu halten und schlussendlich aufzulösen.
In "Liebestreu. Sehr langsam" zieht sich die Kraft der Melodie und des Spiels fort und mündet in das "Minnelied. Sehr innig, doch nicht zu langsam", welches das Werben zwar beständig, aber nicht übermäßig formuliert: Man konnte das Violoncello annähernd singen hören.
Und tatsächlich erhob die Künstlerin das Wort und gab das Gedicht "Urlicht" aus der Sammlung "Des Knaben Wunderhorn" wieder, das sie anschließend mit Stefanova nochmals instrumental erzählte. Manchmal muss man sich sein Publikum suchen, so wie der heilige Antonius in früherer Zeit, als niemand seine Predigt hören wollte und er deshalb den Fischen predigte, die ihm andächtig zuhörten.
Doch bei "Des Antonius' von Padua Fischerpredigt" verließ niemand die Christuskirche - angesichts der beiden renommierten Musikerinnen und ihres gekonnten Spiels war dies kaum verwunderlich.
Nun führte die Musik wieder in die traurigere Stimmung: "Ich bin der Welt abhanden gekommen". Mit ruhigem jedoch starkem Bogen zelebrierte Gossel die von Gustav Mahler vertonten Gedichte von Friedrich Rückert, das wie die vorherigen von David Geringas bearbeitet wurden. Im letzten Werk des Abends "Ging' heut morgen übers Feld" wurde im gekonnten Zusammenspiel das Bild vom Leben dargestellt, wenn es morgens erwacht und der Sonnenschein Blumen und Vögel erweckt.

Ein Abschied zum Nachdenken

Die zunächst frohe Vorstellung wird durch den Schmerz zerstört, da der "wandernde Geselle", dessen Lied man hörte, über eine unglückliche Liebschaft nicht hinwegkommt.
Unterstrichen vom Beifall des Publikums, stellten die beiden Künstlerinnen, Ulrike Maria Gossel und Neli Stefanova, auch diese musikalische Entwicklung gekonnt dar.
Mit der Zugabe "Guten Abend, Gut' Nacht" endete das Konzert, das einen wundervollen Kontrast zur täglichen Unruhe und Hektik schaffte und hoffentlich nachahmende Musiker findet. red

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