Herzogenaurach

Klassische Musik aus Böhmen

Konzert  Das Mesconia Quartett lädt am nächsten Sonntag zu einer musikalischen Reise ein. Neben Werken von Dvorák werden in der Marienkapelle auch Werke der eher unbekannten Komponisten Erwin Schulhoff und Hans Krása geboten.
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Das Mesconia Quartett Foto: pr
Das Mesconia Quartett Foto: pr
Herzogenaurach — Mit der Ausstellung "Die verschwundenen Orte" richtet das Stadtmuseum Herzogenaurach zurzeit den Blick nach Böhmen, die aktuelle Sonderschau regt dazu an, die unbekannte Kulturlandschaft besser kennenzulernen.
Das Konzert des Mesconia Quartetts "Die musikalische Reise nach Böhmen", das am Sonntag, 21. Juni, um 17 Uhr in der Marienkapelle am Kirchenplatz stattfindet, steht dazu in engem Zusammenhang. Im Bereich der Klassik gibt es in Böhmen viel zu entdecken. Den Romantiker Antonín Dvorák etwa, der für seine Sinfonie aus der Neuen Welt bekannt ist. Drei Jahre verbringt Dvorák in Amerika, Jahre voller Entdeckerlust, aber auch Heimweh nach Böhmen. Seine vermeintlich amerikanische Nationalmusik klingt deswegen dann doch eher böhmisch statt amerikanisch. Nach seiner Rückkehr komponierte er das Streichquartett in As-Dur, op. 105, eines der ersten Werke, das in der Heimat entstand.

Unbekannte Komponisten

Während Dvorák zu den bekannten Komponistengrößen zählt, sind Erwin Schulhoff und Hans Krása heute weitgehend unbekannt. Zu Unrecht, wie ihre Kompositionen für Streichquartett zeigen. Hans Krása ist ein typisches Kind Böhmens. Während der Vater einer tschechischsprachigen Familie entstammt, hatte die Familie der Mutter einen deutsch-jüdischen Hintergrund. 1935/36 entstand das "Thema mit Variationen für Streichquartett". 1942 wurde Krása nach Theresienstadt deportiert. Erst in den 1970er-Jahren begann die Wiederentdeckung des 1944 im KZ Auschwitz-Birkenau ermordeten böhmischen Komponisten.
Auf Empfehlung Dvoráks wurde Erwin Schulhoff bereits als Zehnjähriger in die Klavierklasse des Konservatoriums seiner Heimatstadt Prag aufgenommen. Der in den "Goldenen Zwanzigern" vielgefragte Pianist konnte ab 1933 seine Karriere in Deutschland nicht fortsetzen, da er einer deutsch-jüdischen Familie entstammte. Die für Berlin geplante Erstaufführung einer Oper wurde verhindert, seine Werke als "entartete Musik" gelistet; so auch die "Fünf Stücke für Streichquartett" von 1924, die im Konzert erklingen werden. Schulhoff zählte zu den experimentierfreudigsten und radikalsten Persönlichkeiten der Neuen Musik. Der überzeugte Sozialist starb 1942 an den Folgen seiner Haft im NS-Internierungslager Wülzburg bei Weißenburg.
Der Name des Streichquartetts kommt von "Mesco", einem Gebiet an der ligurischen Küste Italiens. Dort treffen sich die vier Musiker jeden Sommer zum Proben, entwickeln neue Ideen und konzertieren. Katja Duffek (Violine), Beate Färber (Violine), Ludwig Hahn (Viola) und Wolfram Dierig (Cello) sind professionelle Orchestermusiker und Mitglieder verschiedener Ensembles.
"Mesco" konzertiert seit fünf Jahren und hat sich, wie es auf ihrer Homepage heißt, ein Repertoire erarbeitet, das von Klassik über Jazz bis zur italienischen Volksmusik reicht. red
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