Unterneuses

Kein Abend ist wie der andere

Musik  Bei einem Wirtshaussingen darf jeder mit einstimmen. Das war auch in Unterneuses so, wo Kilian Hümmer mit seinem Akkordeon aufspielte. Entsprechende Liederbücher hat er selbst erstellt.
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Da verstummt jede Unterhaltung im Nu: Kilian Hümmer beim Wirtshaussingen im Gasthof Martin in Unterneuses.
Da verstummt jede Unterhaltung im Nu: Kilian Hümmer beim Wirtshaussingen im Gasthof Martin in Unterneuses.
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von unserer Mitarbeiterin Gerda völk

Unterneuses — Kilian Hümmer steht mit seinem Akkordeon mitten im Gasthof Martin. Die beiden nebeneinander liegenden Gasträume sind gerammelt voll. Mit Fünftagebart, Brille und einem zünftigen Filzhut auf dem Kopf, greift der 46-Jährige kraftvoll in die Tasten seines Instruments. Kurgäste und Einheimische singen - je nach Temperament und stimmlichen Talent - mit Begeisterung mit.
Auf den Tischen liegen Liederbücher aus. Sie erfüllen zweierlei Funktion. Nicht ganz so textsichere Gäste können bei den Liedern leicht mitsingen. In erster Linie dienen die Liederbücher aber dazu, um Wünsche zu äußern. Diese werden durch einfaches Zurufen geäußert. "Die Leute rufen einfach aus, wenn jemandem etwas einfällt", erklärt Martina Eberth, die Vorsitzende des VdK-Ortsverbands Ebensfeld.
Die Stimmung ist gelöst, die Gäste freuen sich über das mittlerweile selten gewordene Angebot eines Wirtshaussingens. Mit der Veranstaltung möchte der VdK-Ortsverband die Tradition des Wirtshaussingens wieder aufleben lassen.

Liederbuch selbst ausgedruckt

Das Liederbuch hat Kilian Hümmer selbst zusammengestellt und im Eigenverlag gedruckt. "Mein Computer gerät jedes Mal an seine Grenzen, wenn ich wieder welche ausdrucken will", sagt er.
Den Filzhut behält der 46-Jährige auch während der Pause der Einfachheit halber auf. 45 Minuten musiziert er, dann ist 15 Minuten Pause. "Ich mach des nur aus Spaß an der Freud", gesteht Hümmer. Eigentlich sind sie zu zweit. Gemeinsam mit seinem Partner "Tüv" alias Johann Schorn tritt Hümmer hin und wieder auf, etwa beimBackofenfest in Schwabthal, bei der Kirchweih in Ebensfeld und beim Küpser Lindenfest.

Meist sind die Auftritte spontan

Alle Auftritte darüber hinaus sind meist spontaner Natur. Dann singen und spielen sie in Gastwirtschaften.
Mit 15 Jahren hat Kilian Hümmer angefangen, in Wirtschaften zu spielen. Anfangs waren es Stimmungslieder, dann Volkslieder. Später, als Erwachsener, hat er sich gesagt: "Wir müssen etwas machen, sonst geraten die deutschen Volkslieder in Vergessenheit."
Als Kilian Hümmer wieder seine Position am Türrahmen einnimmt, verstummen die Gespräche schlagartig. Ein Wunsch ist auch schon formuliert, aber der ist eher seltener Natur. Beim Lied "Die Affen rasen durch den Wald" braucht selbst Kilian Hümmer den Text.
Ansonsten gehen die Wünsche quer durch die Volksmusik-Genres. Besinnliches wie "Guten Abend, gute Nacht" ist dabei, zu Herzen Gehendes wie die "Herz-Schmerz-Polka", das Schunkellied "Tief im Frankenwald" und natürlich auch das "Oberfrankenlied". Das Publikum ist vom Altersdurchschnitt bunt gemischt, auch Kinder können sich für die Lieder begeistern.

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